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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-09-01 · 35 (1.9.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
35 (1.9.1916)
Date
1916-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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V 'jh.;5 Tr. Bloch'S Warschauer Bezirkes mit angesehenen Rabbinern Deutschlands und mit maßgebenden Persönlichkeiten der deut-> schien Judenschaft statt. Der Zweck dieser Konferenz soll — nach einer Mitteilung des „Moment" — die Regelung einiger wichtiger jüdischer Gemeindeangelegenheiten im Warschauer Sprengel sein. Gin msfMpr Dreyfus-Prozch. Wie von der russischen Grenze gemeldet wird, erregt iit Rußland die angeordnete Revision des Urteils eines zu Zuchthausstrafe verurteilten Juden allgemeines Aufsehen. Dieser, namens G ersanow i t sch, hatte im Jahre 1914, als die Deutschen die Stadt M a r i a in p o l besetzten, ans Wunsch der Bevölkerung und auf Geheiß des deutschen Kommandierenden die erste Bürgeemeisterstelle übernommen. Nach 14 Tagen mußten die Deutschen den Ort räunren, worauf die russischen Behörden wieder ihre Tätigkeit begannen. Infolge eurer Denunziation wurde Gersanowitsch vor ein Kriegsgericht gestellt unb wegen angeblicher Spionage und verschiedener Mißbräuche zu acht Jahren Zuchthaus und zur Deportation nach Sibirien verurteilt. Mittlerweile wurde der Denunziant selbst der Spionage überführt. General Bernatsky, der bekannte Mitarbeiter des „Rußkij Invalid", nahm sich der Sache des unschuldig verurteilten Juden an und veröffentlichte in seinem Blatte Einzelheiten über den Fall, die allenthalben große Sensation hervorriefen. Unter der Einwirkung dieser Veröffentlichungen wurde die Frage der Revision des Prozesses vor das oberste Kriegsgericht in Petersburg verwiesen. Die Verhandlung war eine öffentliche. Verteidiger Dr. Grussenberg, derselbe, welcher seinerzeit auch Beilis verteidigt hatte, erklärte, er plädiere^ für die Freilassung, picht nur, weil er selbst Jude sei, sondern weil er überzeugt ist, daß sein Glaubensgenosse infolge einer gewissenlosen Denünzintion seit zwei Jahren unschuldig im Zuchthause schmachte. Die Juden Rußlands Haben im jetzigen Kriege bewiesen, daß sie ihren Pflichten in der Armee wie im Privatleben entsprochen Haben. Generglstaatsanwalt Ko r e g i w o schloß sich den Ausführungen des Verteidigers an, worauf der Gerichtshof die R e-v i s i o n des Prozesses anorduete und telegraphisch verfügte, daß Gersanowitsch sofor.t auf freien Fuß gestellt werde. Die schwarzen Juden von Kotschin. Anläßlich einer bulgarischen Nationalfeier in Berlin hielt Herr Dr. Hermann v. Staden einen interessanten Vortrag über die „schwarzen ,'Juden von Kotschin" in Indien. Dieser heute, noch dort ansässige Volksstamm, der eine tiefbraune Hautfarbe, dunkler als die des Hindu, auftveist, unter ihr aber die unverkennbaren Züge des europäischen Juden zeigt, ist jene entlegene Weltgegend, die sich England, der „Herr der Schöpfung", des vorzüglichen Hafens wegen schon frühzeitig angeeignet hat, schon vor 3000 Jahren durch Seefahrerexpeditionen, die König Salomo ausrüstete, nach dem Lande Ofir, allmählich dorthin verpflanzt worden. Er hat sich, wie der Vortragende, der Kotschin vor 14 Jahren besucht hat, hervorhob, in Sitten und Gebräuchen, im hebräischen Kultus — die schwarzen Juden von Kotschin haben ihre eigene Synagoge — die volle Eigenart seiner Rasse erhalten, auch in bezug auf die Tracht und ihre Europäerfreundlichkeit, im Gegensätze zum fremdenscheuen Indier. Interessant ist, daß der Nachweis für diese Herkunft der einstigen Untertanen Salomos durch die Bibel in neuester Zeit hat geführt werden können auf Grund von Bibelstellen, die bestimmte Merkmale dafür in sprachforfcherischer Hinsicht bieten. Unter dem besonders leb- Dochcnschrift £-.uc 581 haften Beifall der Hörer, die sich überwiegend aus Bulgaren zusammensetzten, gab der Vortragende untrügliche Beweise des flammenden Hassenden die indischen Einzelstämme gegen den britischen Volksaussauger hegen, nach mannigfachen Erlebnissen auf seiner Judienrei'e. Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel. Am 18. Juli ist Abraham I. Elkus von Präsident Wilson als Nachfolger Henry Morgenthaus, der seine Wahl sehr empfohlen hatte, zum amerikanischen Botschafter in Konstant irropel gewählt tvorden. Herr Elkus, der im 50. Lebensjahre steht, ist du unabhängiger Demokrat, der dem Präsidenten W i l s o n bei seiner Wahlkampagne 1912 tatkrästigst unterstützt hat. Er betätigt sich seit vielen Jahren in sozialer Arbeit und seine Bestrebungen zur Besserung der Lage der arbeitenden Frauen und Kinder verdienen besonders hervorgehobeu zu werden. Voll ihnr rühren die 35- Vorschläge her, die heute als „Fabriksgesetze" in den Vereinigten Staaten bekannt und in vielen Staateil uachgeahmt worden sind. i Herr Elkus hat sowohl in der juristischen Fachwelt wie in der national-ökouonnsch-wissenschaftlicheu Welt einen sehr guten Namen; er ist voll der St. Lawrence-Universität zum Ehrendoktor ernannt worden. Seine Wahl als Nachfolger des Herrn Henry M o rgentha u wird von der amerikanischen Judenheit aufs wärmste begrüßt. Herr Elkus nimmt lebhaften Anteil an allen jüdischen Fragen uild hat sich auch mit der Wissenschaft des Judentums viel beschäftigt. Eine wichtige Mission harrt seiner; man erlvartet allgelnein, daß er seinen groß n Aufgaben gewachsen sein und sich durch seine Tätigkeit die dankbare Anerkennung des amerikanischen und jüdischen Volkes gleichermaßen erwerben wird. Joseph King, M. P.. über den Zwangsdienst. Während einer Debatte über die Kriegskosten, die in der vorigen Woche im englischen Unterhause stattfand, brachte das Parlamentsmitglied Joseph K i n g die Frage des Zwangsdienstes und der Deportation russischer Juden zur Sprache. Er sagte: „Bevor wir noch! Gelegenheit hatten, die Frage zll erörtern,- hat der Staatsminister im Ministerium des Innern plötzlich dem Abgeordnetenhause angekündigt, er würde alle aus den Ländern unserer Verbündeten stammenden Ausländer auffordern, in das britische Heer einzutreten, und würde denen, die dieser Aufforderung nicht Nachkommen wollten, Gelegenheit geben, sich einem von ihm eingesetzten Schiedsgericht zu stellen. Wenn sie voll diesem Schiedsgericht ihrer Dienstpflicht nicht enthoben würden, sollten sie deportiert werden. Ich möchte dem Staatssekretär sagen, daß es ein großer Fehler war, die Ausländer, die sich nicht stellen wollen, mit der Deportation zu bedrohen. Wenn Sie Leute, die keine Bürgerrechte haben, veranlassen wollen, in unser Heer einzutreten, so dürfen Sie nicht mit einer Drohung in der einen Hand und dem Bürgerpapier in der anderen Hand zu ihnen kommen, ohne daß. diese Leute überhaupt wissen, daß sie berechtigt sind, in das Heer einzutreten — das Kriegsministerium hat es zwar veröffentlicht, aber es ist weder durch die Presse, noch durch Maueranschläge bekanntgegeben worden —. Ich möchte den Staatssekretär ftagen, ob er wirklich im Einverständnis mit allen unseren Verbündeten in^ dieser Weise vorgeht. Bei Franzosen und Belgiern besteht kein ^Zweifel. Aber es handelt sich! auch um Russen, Italiener, Serben, Japaner und Portugiesen, deren Länder sämtlich unsere Verbündeten sind. Kein einziges dieser

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