Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 35 (1.9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite 580 Tr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 35 einzige (Genugtuung sei das Bewußtsein, daß es dank dem Umstande, daß die Russen einer: Juden irr: Präsidium der Stadlgemeinde antrafen, dank seiner ehrlichen und fleißigen Arbeit und nicht Zuletzt dank dern noch nicht tzeirngelehrten, gleichfalls verschleppten Vizepräftdeniei: der Kuttusgemeinde, Dr. Jakob Diamant, beiden doch gelungen ist, das Los der Lenckerger jüdischen Bevölkerung während der Russenherrschast ein wenig zu erleichtern. Dr. Schleicher erklärte schließlich, daß er es als seine Pflicht ansehe, der jüdischer: Oeffentlichkei: über seine Tätigkeit während stirer llnglückStage einen Rechenschaftsbericht zu erstatte::. Sobald die Zeit hiezu gekommen sein wird, werde er sich dieser Pflicht entledige;:. Die. jüdischen Parteien veranstalteter: zu Ehren Doktor Schleichers ein Bankett, auf welchem der Gast sehr gefeiert rourde. Ein behördlicher Aufruf in jüdischer Sprache mit Bibelzitaten. Ans Warschau lvird berichtet: D.re medizinische Abteilung der Zivilverwaltung in Warschau hat „an die Juden in Polen" einen in jüdischer Sprache abgefaßten Aufruf erlassen, der in vielen Hunderttausend Excrrrplarcn gedruckt wurde und unter die jüdische Bevölkerung zur Verteilung gelangt. Der Aufruf fordert die Juden auf, die unter der russischen Herrschaft vollständig vernachlässigter: hygienischen Zustände so rasch als möglich zu verbessern und gibt auch die nötigen Anleitungen hiezu. Der Aufruf erinnert /daran, daß die-religiöser: Vorschriften der Inder: die strengste Reinlichkeit des Körpers, der Wohnung und der Straße:: unter schwerer: Strafen gebieter:, und es werden alle hierauf bezüglicher: Stellen der Heftiger: Schrift wörtlich zitiert. Der Ausruf hat in der jüdischen „Gosse" tiefen Eindruck hervorgerufen und Kenner der VerhÄtnisse sind überzeugt, daß der Appell nicht ohne Erfolg bleiben wird. Amterikanischj-jndisches Hilftlwerk. Die Diskussion innerhalb der amerikanischer: Judenheit über die Verteilung der amerikanisch-jüdischen Hilfsgelder ftür Europa hat nunmehr dazu geführt, daß 'das „Gemeinsame Verteilungskomitee der Fonds für die jüdischen Kriegsleidenden" eine Kommission aus sechs Mitgliedern ernannt hat, von denen zwei permanent in Russisch-Polen verbleiben, während die übrigen vier nach zwei- bis dreimonatigem Aufenthalte - in Europa nach Amerika Zurückgeher: sollen, um Bericht zu erstatten. Die Kommission besteht aus den Herren Abel, Abramviwicz, Billikvff, Dr. Bogen, Dr. Magnes, Penkin; Vorsitzender der Kommission ist Dr. Magnes, der sich bereits in Europa befindet. Die amerikanische Regierung hat ihre Botschafter beauftragt, der Kommission bei ihren Arbeiten behilflich zu Zein. Die Kommission hat den Auftrag erhalten, die ganze Hilfsarbeit der amerikanischftüdischen Hilfsfonds als eine völlig unabhängige zu organisieren. Die Gelder sollen von jetzt ab direkt durch! die amerikanische Botschaft überwiesen und durch Komitees verteilt werden, welche. die amerikanische Kommission einsetzen wird. Denkschrift der Presbyter ionischen Kirche Amerikas an Präsident Wilson. Die Generalversammlung der presbyteriainschjer: Kirchen Amerikas hat dem Präsidenten Wilson ein Memorandum folgenden Inhalts unterbreitet: „Die zivilisierte Welt sucht einen Weg zur Erleichterung des Loses der verfolgten Juden. Wir anerkennen die Schwierigkeit einer Bereinigung der verschiedenartiger: Rassen innerhalb der vielgestaltigen Bevölkerung Rußlands und anderer Nationen. Wir verstehen, daß die Regierungen der einzelner: sich eine unbefugte Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten nicht gefallen lasser: würden und daß verschiedene einzelne Regierungen den Beweis führen 'könnten, daß auch in länderen Ländern, nicht nur in den ihren, die Juden unterdrückt und verfolgt werden. Die jüdische Frage umspannt alle Länder der Welt und erfordert eine internationale Regelung. In Vielau Teilen der Welt ist die Lage der Juden so uunrittelbar gesahrdroher:d, daß Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu sofortigen: Handeln drängen. Seit der Vertreibung der Juden aus Spanier: haben sie ein Obdach in der Türkei gefunden und sind von jener Zeit bis zürn Ausbruch dieses unvorhergesehenen Krieges jederzeit in: Reiche des Sultans so freundlich behandelt worden, daß mar: hoffen darf, daß man bezüglich ihrer dauernden Ansiedlung ir: Palästina eine befriedigende Vereinbarung treffen könnte. Eine Denkschrift, von der eine Abschrift beitiegt, wurde 1891 von Herrn WrN. E. Blackstone dem damaliger: Präsidenten der Vereinigten Staaten, Benjamin Harrison, unter dem Titel: „Was soll für die russischen Juden getan rverden?" unterbreitet; in dieser Denkschrift wurde die Regierung gebeten, sich bei den europäischen Regierungen für die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Erörterung der Lage der Inder: ur:d ihres Rechtes auf eine Heimstätte in Palästina zu verwenden. Die Unterzeichnung dieser Denkschrift durch hervorragende Staatsmänner, Geistliche, Philanthropen, Finanzleute, die geistliche und die weltliche Presse des Landes sowohl wie durch die angesehenster: jüdischen Bürger bürgt für die Ernsthaftigkeit des vorgeschlagenen Planes. Die Annalen der Staatspegierung in Washington zeugen seit der Uebergabe jener Denkschrift von der Entfaltung einer höchst segensreichen Tätigkeit seitens der Reg 'erüng zugunsten der Juden. Wir halten das Ende dieses Vernichtungskrieges für einen äußerst geeigneten Augenblick zur Einberufung einer solchen internationalen Konferenz der Mächte. In Anbetracht aller dieser Momente unterbreiten rvir Unterzeichneten vertretenden Personen, Gesellschaften, Organisationen und öffentlichen Beamten der Vereinigten Staaten in aller Ehrfurcht diese Denkschrift dem Präsidenten Woodrow Wilson, zur Erwägung der darin empfohlenen Aktion und zur Ergreifung solcher Maßregeln, die für die dauernde Befreiung der Juden au: zweckmäßigsten sein dürften." Eine merkwürdige Entdeckung des „Kunstwart". Im ersten Juniheft 1916 der Halbmonatsschrift „Der Kunstwart" (die sich bekanntlich neuerdings der: etwas mehr völkisch! klingenden Namen „Deutscher Wille" zugelegt hat) findet sich! in einem Artikel von A. W. Ferdinand gegen Terrainspeknlation bei Anlage von Kriegerheimstätten folgender Satz, den wir unserer: Lesern nicht vorenthalten möchten: . . dann kam das Christentum mit seiner Lehre (3. Moses 25): „Ihr sollt' das Land nicht verkaufen ewiglich; denn die Erde ist mein, und ihr Menschen seid nur Lehnsträger vor mir." AM christlich^germanischer Gesamtanschauung entstand das Lehnswesen. . ." usw. — Bis zum Erscheinen dieses „Kunstwart"-Artikels waren wir des Glaubens, das 25. und die sonstigen Kapitel des dritten Buches Moses seien Dokumente der jüdischen Lehre! A. M. Eine Rabbmerkonferenz in Warschau. Wie ans Warfchäu berichtet wird, findet daselbst dieser Tage i:N AmtsHebände der Warschauer Kreisverwaltung eine gemeinsame Konferenz der Rabbiner des