Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 34 (25.8.1916)
- Date
- 1916-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 668 D«r. Bloch's Wochenschrift Nr. 34 ewig jung, seiner Gemeinde und seinem Volle eure bessere Zukunft zu sichern bestrebt ist, mit ihnen ist auch der Wunsch verbunden, daß dieser Mann, seine führende Kraft, seine geistige Kapazität und seine Liebe zum Judentum unserer Gemeinde, unserem Volke noch lange erhaltenbleiben. Sie Geschichte einer Gntentktügc. Vor einiger Zeit erschlien in den meisten Blättern der Zentralmächte eine Sensationsmeldung, welche sich aus ein Spezialtelegramm der Kopenhagener Tageszeitung „Politiken" vom 5. Juli stützte, in welchem der Pariser Korrespondent dem Kopenhagener Blatte folgende Mitteilung übermittelte: Wird Palästina eine freie judischeRepub lik? Gin aufsehenerregendes Resultat der Agitation der - Zionisten: Die türkische Regierung geht daraus ein, daß eine unabhängige jüdische Republik innerhalb der Grenzen von Palästina errichtet wird. Paris, Montag. . , Privat sür „Politiken". „Ein Telegramm aus Nemyork, welches aus glaubwürdiger Quelle stammen soll, gibt einige höchst interessante Aufschlüsse über die Agitation der Zionisten in der Türkei; Ansschlüsse, die aus nichts Geringeres ausgehen, als daß die Türkei im Prinzip daraus eingegangen |ci, eine jüdische unabhängige Republik in Palästina zu errichten. Der Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, Herr Henry Morgenthau, der selbst ein begeisterter Zionist ist, hat Anteil genommen an der Agitation der Zionisten und das ist der Umstandwelcher seine Abberufung bewirkt hat. Vor einiger Zeit veranlaßte die türkische Regierung die zionistische Organisation, sich an den Gesandten zu wenden, um ihn in einer Finanzfrage um Rat zu fragen. Darauf folgte eine Reihe von Geschäften, die anscheinend durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters gemacht wurden. '; Henry Morgenthau erklärt denn auch in Wirklichkeit, daß er mit den türkischen Ministern verhandelt hat, das Palästinaproblem auf diese Weise zu ordnen, daß die Türkei an die zionistischen Vereinigungen die Territorien verkauft, welche diese wünschen, was der Regierung große Geldmittel verschaffen würde. Die türkische Regierung Zögerte, darauf einzugehen, wurde aber von den Deutschen dazu gedrängt. Sie erörterte dennoch mit Morgenthau die näheren Einzelheiten bei der Abtretung. Sie wurden darüber einig, daß den zionistischen Vereinigungen Konzessionen eingeräumt würden in bezug auf Verbesserung der Wege, Errichtung von Hotels, Errichtung von Schulen und einer hebräischen Universität usw., sowie darüber, daß beim Friedens^ schlussc eine kleine unabhängige Republik aufgerichtet wersoll, bestehend aus den Territorien, die von den zioni-i stischen Vereinigungen erworben worden waren." Diese Sensationsmeldung der Kopenhagener Zeitung aus Paris hat schon ihre Geschichte. Schon vor mehreren Wochen brachten die Londoner „Times" ein Telegramm ihres amerikanischen Korrespondenten über angebliche Reden des früheren amerikanischen Botschafters in Konstantinopel, der zwar nicht, wie die Meldungen angeben, ein organisierter Zionist ist, aber seine Sympathien sür die jüdische Siedlung in Palästina und die zionistische Arbeit niemals verhehlt hat. Es ist bekannt, daß seine Beziehungen zur türkischen Regierung die denkbar besten waren, und daß er aus Konstantinopel keineswegs „abberufen" worden, sondern aus privaten, geschäftlichen Gründen von seinem Amt Zurückgetreten ist. Die kürze Meldung der „Times" ist seinerzeit von fast der gesamten englischen und französischen Presse wiedergegeben worden und auch in die .Presse der neutralen Länder gekommen. Seit einiger Zeit macht sie ihre Zweite Runde durch Europa. Am 17. Juli brachte die „Gazette de Lausanne" unter dem Titel „ La Palestiue republique juive“ eine Meldung aus Paris! über die angeblichen Verhandlungen Morgenthaus mit der türkischen Regierung, wobei übrigens der Besorgnis Ausdruck gegeben wurde, die Interessen der Entente könnten durch den ameriranischen Einfluß zu Schaden komme::. Wer die Verhältnisse in der Türkei und ganz besonders die Persönlichkeit des gewesenen amerikanischel: Gesandten in Äonstantinopel Henry Morgenthau wie wir kennt, mußte diesen abenteuerlichen Meldungen sofort das größte Mißtrauen entgegenbringen. Wir sind in der Lage, sowohl auf Grund eigener Informationen, als auch an der Hand der uns vorliegenden a m e r i k a n i s ch e n jüdischen Blätter, festzustellen, daß alle diese Meldungen jeder Grundlage entbehren und daß die T a t s a ch e n von der Entente- Presse w i s s e n t l i ch e n t st e l l t wurde n. Henry M o r g e n t h a u hat nach seiner Rückkehr aus Koustantinopel in verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten Vorlesungen über die Türkei und über die Lage der Juden in Palästina gehalten. In allen diesen Vorträgen hat Henry Morgenthau konsequent erklärt, daß die Errichtung eines jüdischen Staatswesens in.Palästina für absehbare Zeiten unmöglich sei, und er warne daher davor, auf die Durchführbarkeit eines solchen Planes zumindest in absehbarer Zeit zu bauen. In einer seiner Vorlesungen erwähnte Morgenthau so nebenbei, daß in Palästina überhaupt nicht eine jüdische Republik oder eine Republik irgendeiner anderen Nation errichtet werden könnte, sondern wenn überhaupt an ein von der Türkei losgelöstes Palästina gedacht werden kann, so wäre nur eine sogenannte internationale Republik denkbar, in welcher auch die Juden einen entsprechenden Platz haben könnten. Die oben erwähnten Meldungen der Ententcpresse gründen sich aus einen Vortrag, den Morgenthafa am 21. Mai in Cincinnati gehalten hat. Der in Cincinnati erscheinende „American Jsraelite" berichtet ,in seiner Nummer voM 1. Juni 1916 auf Seite 4 über diesen Vortrag u. a. wie folgt: „Allmählich führte der Gesandte Morgenthau seine Zuhörer im Geiste nach Palästina und entwarf mit Emphase die Verhältnisse dieses Landes. Er begann mit der Erklärung, daß die Türken nicht imstande seien, den Zionismus zu hegreifen, und daß sie mit dem größten Mißtrauen jede Bewegung betrachten, deren Ziel es ist, ihnen irgendeinen Teil von Palästina zu entreißen. Die Türkei, sagte er, hat in den letzten Jahren soviel Land verloren, daß sie niemals das Heilige Land ohne die furchtbarsten Kämpfe zur Erhaltung desselben aufgeben würde. Ueberdies glaube er nicht, daß die Christen in Deutschland oder Rußland jemals zugeben würden, daß die Juden einen eigenen Staat in Palästina bilden, welches für das Christentum ebenso eine historische Heimstätte bildet wie für d-as Judentum. Abgesehen von diesen politischen Erwägungen, welche die Durchführung des Zionismus absolut unmöglich erscheinen lassen, sind es auch wirtschaftliche Verhältnisse, welche seine Undurchführbarkeit erweisen." Morgenthau zählt dann alle seine Erfahrungen in Palästina auf, welche ihn zu dieser seiner Ueberzeugung gebracht haben, und erklärt am Schlüsse seines Vortrages, daß er auf Anfragen seitens, der'Anwesenden