Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 34 (25.8.1916)
- Date
- 1916-08-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur 34. Jahrgang XXXIII Zentraloroan O Cr—™ * — ~-‘■~zDO p K. Ir. PostsparlraIsenaint C Üleartng-Verkebr Mr. 810.076. Redaktion und Administration: Wien v H/i, Prater strafte 9. Ij Telephon 45.859. <] Qp—.— -- -..Qo für die gesamten Interessen des Judentums. --- » ^--OQG- Wien. 25. Angnst 1916 : LrscbeLnt jeden Freitag.- 6 - Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterstrafte 9. Telegramm-Adresse: Bloch s Wochenschrift, Wien. O {j—~- - —0 O? Drxugsprris für Sesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für da» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig ‘20 Kronen. ® Anzeigen: Die 2mal gespal» tene Petitze'.le 48 Heller. O O- - -O o Inhalt: Leitartikel: Dr. Alfred Stern. — Die Geschichte einer Ententelüge. — Kriegsdekorationeil jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Hohe Auszeichnung. — Auszeichnung eines Feldrabbiners. — Hohe Auszeichnung einer Frau. — Aus zeichnung im Kriegsverkehre. — August-Beförderungen. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Jüdische Familien im Felde. — Ein Gegenangriff. — Helden von der italienischen Front. — Opfer des Krieges. — Gefallene Legionäre. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Korrespondenzen: Kaisers Geburtstag. — In tinctus Jutlaeos. — Cholera und Flecktyphus in Palästina. — Kein jüdisches Geld für eine russische Anleihe in Amerika. — Lemberg. — Ber mischt es. — Feuilleton: Das letzte Beten. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. De. Alfred Stern. (Zu seinem 85. Geburtstage.) Am 29. August dieses Jahres wird der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Alfred S lern, fünfnndachtzig Jahre alt. Die Bedeutung dieses seltenen Mannes wird klar, wenn wir diese Feststellung so fassen: Der fünfuildachtzigjährige Dr. Alfred Stern ist Präsident der Wiener Kultusgemeinde. Denn Dr. Stern führt nicht bloß diesen Ehrentitel, er ist der lvirklich tätige, zielbewußt wirkende Präsident, den Freund und Gegner, trotz seiner fünfundachtzig Jahre, den Präsidenten mit der „eisernen Hand" nennt. Eine .eiserne Hand, eiserne Willenskraft, gestählter Geist sind die hervorstechendsten Charakterzüge Dr. Alfred Sterns. Sie lvaren seine Führer während seines langen, ereignisreichen Lebens und sie sind seine Stützen in einem Alter, das die Menschen sonst zu hilflosen Greiseil macht.. Diese nie versiegenden Kräfte, die er jugendlich frisch in das Greisenalter herübergerettet hat, lassen ihn die Beschwernisse des Alters überwinden, sie geben ihm die Kraft, das ins Auge gefaßte Ziel mit bewunderungswürdiger Zähigkeit zu verfolgen, sie tragen ihn in sein Arbeitszimmer und den Beratungssaal der Kultnsgemeinde, iil die Empfangssalons der Minister und des Bürgermeisters und lassen ihn dort mit jugendlicher Elastizität seine Ideen vertreten, mit bezwingender Energie die Beschwerden Vorbringen, wenn dem jüdischen Volke ein Unrecht droht oder ein Recht geschmälert wurde. Stark in der Ausführung, stark im Willen und stark an Geist ist Dr. Stern beim Durchsetzen seiner zum Wohle seiner Gemeinde und seiner Glaubensbrüder einmal gefaßten Meinung — was verschlägts, wenn einmal auch eine vorgefaßte Meinung mit unterläuft — jede Sentimentalität fremd. Er hat die Sache selbst dann im Auge, wenn ihre Durchführung einer Person zugute kommt oder von ihr eine Person betroffen wird. Auch in der Beurteililng von Personen läßt er sich nicht von weichen Gefühlen leiten: Tüchtigkeit gilt ihin als Pflicht, Pflichterfüllung als Selbstverständlichkeit,- die keine besonderen Liebesbezeigungen verdiene, die er aber in vollem Maße anerkennt. In den nahezu 25 Jahren, die Dr. Alfred Stern dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde augehört, war seine Ansicht in bezug auf die Führung der Gemeinde stets richtunggebend. Unter seinem Einfluß tvurde die Wiener Kultusgemeinde ein gewichtiger Faktor, der zn allen Fragen, durch welche die Stellung der Juden im Reiche berührt werden konnte, seine Stimme erhob und ihr auch Geltung verschaffte. Tie durch das Statut engbegrenzte Möglichkeit, im Namen der Kultnsgemeinde Vorgehen zu können, hat Dr. Alfred Ster n dazu veranlaßt, mit der ihm eigenen Energie die alte Forderung zu betreiben, der Jndenschaft Oesterreichs eine durch das« Gesetz geschaffene und durch das Gesetz geschützte autoritative Gesamtorganisation zu geben, und wir lvaren erst vor kurzem in der Lage, darüber zu berichten, daß diesen seinen Bemühungen nunmehr der langersehnte Erfolg lvinkt. Das, was Dr. Alfred Stern auf diesem Gebiete geleistet hat, bleibt sein unvergängliches Verdienst und wird einmal diese Organisation geschaffen sein, so wird sie für alle Zeiten mit seinem Namen verbunden bleiben. Unermüdlich arbeitet der 85jährige Doktor Alfred Steril lvie der Jüngste unter uns, nub immer benrüht, daß ihm nichts,- was das Jndelltum belrijft, fremd bleibe, hat er sich lvährend der zwei .Kriegsjahre in die verschiedenen Probleme des Judentums vertieft und ist erst vor ivenigen Wochen in eiueni großen Wiener Blatte mit einem programmatischen Artikel zur Judeusrage in Polen hervorgetreten, der so deutlich beweist, daß Dr. Alfred Stern nicht zu den verknöcherten Politikern gehört, die den doktrinären Standpunkt alter pvlicischer Lehren nicht zu überivinden vermögen. Der 85. Geburtstag Dr. Alfred iS t e r lt s wird vielen ein Anlaß sein, ihm die besten Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Sie gelten, nicht nur dem Manne, der.