Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 33 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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dlr. 33 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite bbb weiterlesen, gehen Sie, bitte, auf Ihr Stübchen und lassen Sie Ihre lieben Eltern nicht Ihre Gesichtszüge beachten. So, nun darf ich! offen und schmerzlich bewegt zu Ihnen sprechen. Ja, Ihr armes Brüderlein hat es am 16. und 17. im Kampf bei Neuville hart getroffen. Fräulein L., Sie haben Ihren .ältesten Bruder verloren. Grausam klingen diese Worte und grausam ist's für jnicfy der Ueberbringer dieser Trauerbotschaft zu sein, oie wissen schon, daß Arthur von hier aus noch schrieb. Am 15., abends, würden wir eingesetzt. Es herrschte vor Neuville auf der Lorettohöhe verhältnismäßig Ruhe. Am 16., Morgens um 6 Uhr, aber ging eilt Artitleriefeuer auf unsere Stellung, wie es nick): schlimmer sein kann, los. Keine oder nur ungenügende Unterstände! Der Hauptmann steht mit seinen Gefechtsordonnanzeu mitten itmer uns. Wir knallen die Franzosen wie die Spatzen nieder. Der Mann rechts neben dem Hauptmann sinkt-mit einem Kopfschuß zurück: der erste Tote. Und nun Stunde um Stunde keine ^Verbindung 'mit dem dritten Zug, wo Arthur war. Verwundete gehen durch den Graben nach den: Verbandsplatz. Einer sagt mir, Sch. und Friedeberger sind gefallen. Ich kann's nicht glauben. Ein anderer sagt, Friedeberger lebt. Am Abend, nachdem wir fünf Eingriffe der Franzosen abgeschlagen hatten, gehe ich die Stellung ab, um mir Gewißheit zu verschaffen. Ein Mann von Arthurs Gruppe sagt mir: „Gehen Sie nicht weiter, Herr Friedeberger ruht seit heute morgen von allen Schmerzen aus. 'Und mm erfahre ich das Nähere. Eine Granate setzte seinem Leben ein Ziel, als er an der Brustwehr stand, und tötete ihn in der Sekunde. Er hat den Tod nicht gespürt, hat keine Schmerzen gehabt. Das rnag Ihnen und Ihren Lieben eine Beruhigung fein. So schied mir der liebste Freund in der Kompagnie, so starb Ihr lieber Bruder den Tod fürs Vaterland. Ich habe ihn nicht mehr gesehen. Wir mußten noch spät abends zwei Angriffe der Franzosen abschlagen, kein Mann durfte von seinem Platze gehen. Zwischendurch wurden die Toten beerdigt. Den Klang der Glocken ersetzte das Krachen der Granaten, das Pfeifen der Jnsanteriegeschosse. Hinter den Schützengräben betteten wir die lieben Kameraden. Ein stummer Blick .noch, und die Erde deckte sie. — Fragen - Sie nicht, liebes Fräulein, wo Ihr Bruder begraben ist, denken Sie und die Ihren nicht daran, ihn nach der H^imgt zu holen. Lassen Sie ihn ruhen, da, tvo er für uns alle sein Leben aushauchte, wo er starb mit treuem Andenken an seine Lieben, als treuer Anhänger feiner Religion. Sein Grab umtobt noch der Kampf, aber seine Seele hat Ruhe gefunden. In das tiefe, rätselhafte Nichts ist er eingetreten, in jenes Jenseits, das uns alle ansnimmt, von' dem wir nichts wissen, an das wir nur glauben. Jeder betrauert ihn in der Kompagnie, er war verwachsen mit feinen Leuten. Ich kann Sie nicht trösten, denn es gibt keinen Trost für diesen Schwerz. Ich cheiß es, wie innig sein Familienleben daheim war, und mit der Hoffnung, im freudigen Bewußtsein, heute, am 18., doch auf Urlaub zu fahren, ist er gefallen. Furchtbar aber war der Kampf, in dessen Anfang er starb. Es läßt sich nicht beschreiben, was wir wenig Ueberlebenden erlebt haben. Der fürchterlichste Streit tobt hier feit drei Tagen, alles bisher Dagewefene überbietend mit Granaten aller Kaliber, ntit Minen, mit Fliegerbomben wie Stinkbomben, mit allem arbeiteten die Franzosen. 72 Stunden habe ich fast kein Auge zugehabt, doch beschleicht keine Müdigkeit meinen Körper. Der zweite Tag war viel, viel schrecklicher als der erste. Am 16. fielen vielleicht 200.000 Granaten auf uns, am 17. das Doppelte. Und doch hat man noch seinen Verstand! Man muß Nerven von Stahl haben, um die Leiden der Schwerverwundeten, um die gräßlichsten Verstümmelungen mitanzusehen. Doch das Gewehr ist in der Hand, ein Dutzend Handgranaten sind zur Seite, um jeden Eingriff abzuwehren. Ich kann Ihnen hoffentlich mündlich einmal davon erzählen. An mir ist der Tod vorübergegangen, nur im Nacken und im Rücken sprechen einige Beulen von Granatsplittern. Unsere Kompagnie hatte den schwersten Stand: 67 Mann uni* 8 Unteroffiziere zählt sie heute. . . . Das ist der Wall der Feldgrauen, der die Heimat vor dem Feinde schützt; das ist es, wenn es in der Zeitung mit dürren Worten heißt: „Französische Angriffe bei Neuville wurden abgewiesen." Und so habe ich eine bittere Pflicht des Freundes erledigt, habe Ihnen und Ihren armen Eltern den größten Schmerz Ihres Lebens bereiten ntüssen. Sie müssen Ihr Leid tragen, kein Mensch nimint Ihnen etwas davon ab; Ihr armer Vater darf seinen Aeltesten nicht mehr schauen, Ihr armes Mütterlein muß den Liebling dahingeben dein Moloch „Krieg". O, Wahnsinn, der die Menschen zn solchem Streite treibt! ... Ihr G. Schwarz." Persönlich? Nachschrift des Hauptmannes: „Ihr Sohn hat stets seine Pflicht zu meiner voll fielt Anerkennung getan. Leider war es ihm infolge der plödlich.'n Veränderung nicht mehr vergönnt, seinen bereits bewilligten Urlaub anzutreten und Ihnen die Freude des Wiedersehens zu bereiten. Gott, der Herr, sei mit Ihnen! Hptm. V o l l t h u s e n." giierafotr. Ehrentafel für die auf dem Felde der Ehre Gefallenen. Ter diesjährige „Jüdische Bolkskalender" enthält eine Abteilung: „Ehrentafel" für die auf dem Felde der Ehre gefallenen jüdischen Soldaten. Es ergeht' die Bitte: „Name, Ort, Beruf. Charge. Regiment. Tag und Ort des Todes Herrn Redakteur Mar Hickl» Wien, 8. Bez., Lerchengasse 6 a, mitzuteilen. Ter „Jüdische Volkskalender" enthält Beitrüge von: Clotilde Benedikt, Feldrabbiner Dr. Frankfurter. Rabbiner Dr. M. G r u n ro a l d, Malvine G r ü n w a i d, Dr. I. G ü n z i g, akad. Maler David Kohn, Anitta Müller, Jak. Kraus, Prof. Dr. K u r r e i n, Fr. P o r g e s, Dr. Scherlag, Kultusvorsteher Dr. Schreiber, Gemeinderat Dr. Schwarz-Hille r, Ad. Stand, B. Tag u. v. a. „Der Osten". Literarisches Sammelheft, herausgegeben von Salamon D e m b i tz e r. Verlag von Julius Lamm, Berlin C. 2. Inhalt: Dr. Julius Becker: „Die Juden des Ostens". — Dr. Borgumil Zepler : „Das ostjüdische Volkslied". - Abra- Reisen: Winterlied. — H. D. Nomberg : Wieglied. — I. L. Perez. — Josef I a s s e h: „Zu Rutzland". — A. I. Pretz: Spiel, Fiedale. — David Einhorn: „In Schreck". Salamon D e m b i tz e r : „Mottele". — „Der Jude im Sprichwort der Völker". — Doris W i t t n e r : „Der Jude auf der Bühne". — Radierungen von Hermann Struck. Briefkasten. „Statistik." Jni vorigen Jahre kamen nach Amerika 28,156 Juden, davon 26,407 als Einwanderer. 14,496 stammten aus Rutzland, 2024 aus Oesterreich-Ungarn, 3404 aus Kanada usw., 3263 wurden.zurückgewiesen. Dr. F. B Genaue Taten stehen uns hierüber naturgemäß nicht zur Verfügung. Ten „Basler Nachrichten" zufolge, ist im Laufe des Krieges eine Million Juden für Rußland und den garen gefallen — für dasselbe Rußland, in dem heute an allen Ecken und Enden Pogrome gären und dessen Regierung sich entschieden weigert, von ihrer schimpflichen Jndengesrtzgebung abzngehen! „Affaire Morgenthau". Ist unserer Aufmerksamkeit nicht entgangen. Eine ausführliche Besprechung dieser Angelegenheit ist bereits in Druck gegangen, mutzte jedoch für die nächste Rümmer Zurückbleiben.