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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-18 · 33 (18.8.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
33 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 548 Tr. Bloch's Wochenschrift 7 ' Nr. 33 zrltreten, deutet an, daß die Gefahr sehr drohend geworden ist. Diese Annahme wird durch ein Rundschreiben bestätigt, lvelches durch das ausländische Koniitee der sozialistischen Partei „Der Bund" versendet wird. In diesen? Rundschreiben heißt es: Man hat aufgehört, von der Spionage der Juden zu sprechen, aber inan wird nicht müde, eine neue'Verleumdung zu wiedcrholen: Die Inden sollen angeblich unter den Soldaten eine Agitation betreiben, um die orthodoxen russischeil Soldaten zur Desertion zu bewegen. Die Oberste Heeresleitung hat die Aufmerksamkeit aus die Desertionen gelenkt, welch? jetzt in der Armee inasseilhaft zu verzeichnen sind. In den Dörfern verbergen sich viele tausende Soldaten. Die Regierung hat in dieser Allgelegeuheit Material gesammelt und'man ist auf der Luche nach den Anstiftern. Wie zum Trotz desertieren die jüdische?? Soldaten nicht. Nichtsdestoweniger hat sich General Alexejew an Stürmer mit dem Verlangen gewendet, bestimmte Maßregeln gegen die jüdische Propagaiida auznordnen. Stürmer hat nach einer Reihe von Beratungen Alexejew benachrichtigt, er habe an alle Gouverneure, Gendarmeriekommanden, Eifenbahnämtcr und aridere Behörden einen Erlaß herausgegeben, daß man alle Juden, die in den Gouvernements wohnen, strenge beaufsichtigen solle. Insbesondere müsse man diejenigen irn Auge behalten, welche auf der Eisenbahn fahren, intb scharf müßten alle Eisenbahnknotenpunkte überivacht werden. Im Falle der Entdeckung einer Agitation unter dcrr Soldaten sollen die Juden sofort vor das nächste Feldgericht gestellt und, tvenn es an genügenden Beweisen mangle, nach Sibirien geschafft werden. Auf diese Weise stellt Stürmer die ganze jüdisch? Bevölkerung unter die Aussicht niedriger Beamten und Behörden. Das ist aber noch nicht alles. Angesichts dieser antisemitischen Agitation gegen die angebliche Desertionspropaganda steigt die „Entrüstung der höheren Kreise" gegen die jüdischen Soldaten, ,,bic sich in Gefangenschaft begeben haben und dort m „Chargen" befördert worden sind". Diese Verleumdungen sind nicht ohne Erfolg verbreitet worden. Die Anklagen wegen Verrat sind bereits als liquidiert zu betrachen, abert die Liquidierung besteht darin, daß die Anschuldigungen als unbestreitbare Tatsachen hingenommen werden. Man hat die Juden aus allen niedrigen Aemtern in den Vereinigungen der Städte und Semstwos entfernt. Der Verwaltungspräsidcnt von Moskau, Tschelnokow, erklärte, daß er in gewissen Aemtern unbedingt Juden brauche, aber Alexejew soll darauf geantwortet haben: „Wenn die Sanitätsabteilung ohne Juden nicht existieren kann, so soll man sie lieber zusperren, als die Dienste der Juden zu benützen." Unter solchen Umständen erwartet man jeden Tag neue Judenpogrome. Unter der jüdischen Bevölkerung hat sich die Panik vergrößert und viele bemühen sich, Pässe ins Ausland Zu erlangen, aber sie lucrbcu mit ihren Ansuchen abgewiesen. Zwangsdierisi für russische Juden in England. Vorige Woche gaben wir die Meldung eines russischen Blattes wieder, das berichtete,- diejenigen russischen Juden und politischen Flüchtlinge, die sich geweigert hätten, in das englisch? Heer einzutreten, seien zwangsweise in großen Massen — es wird die Zahl 25.000 genannt — auf Schiffe verladen und nach Archangelsk geschafft worden. Etwas Näheres ist darüber inzwischen noch nicht bekannt geworden. Dagegen bringt die im Haag erscheinende „Jüdische Arbeiter-Korrespondenz" eine Mitteilung, die einigen Aufschluß über die von der englischen Regierung und dem Parlament eingenommen^ Haltung gibt. Die. Mitteilung lautet: Die Einführung der Militärpflicht für die nach England eingewanderten russischen Juden scheint nunmehr eine Frage sehr kurzer Zeit zu sein. Nach der bekannten Rede des Ministers des Innern, Samuel,- in welcher er die Alternative — Eintritt üt die englisch? Armee oder zurück nach Rußland — noch als seinen persönlichen Vorschlag bezeichnete, hat sich das Unterhaus und auch das Oberhaus wiederholt mit dieser Frage beschäftigt. Die Vertreter der Regierung haben dabei bcu Standpunkt Samuels schon als den der Regierung bezeichnet. In beiden Häuser?? haben die russischen Juden christliche Fürsprecher gesunden. Im Unterhause protestierte King gegen die Judenhetze und sprach sich gegen die Ausweisung nach Rußland aus. Die russisch??? Juden sollen sich der englischen Armee anschließen und sofort naturalisiert werden. Für diejenigen, die die englisch? /Sprache nicht verstehen, verlangte King die Gründung einer jüdischeil Legion. Herbert S a m u e l erklärte, die Frage der D e P o r - t i e r n n g n a ch R u ß l a u b werde jedenfalls erst gestellt, wenn ein dienstpflichtiger russischer Jude trotz der Abweisung seines Befreiungsgesüches durch eines der zu gründenden Tribunale sich! weigern sollte, i?? die englisch? Armee eiuZutrcteu. Für politische Flüchtlinge in erden auch dann noch Ausnahmen möglich sein, der Minister lehnte es jedoch ab, alle rilssischen Juden als politisch? Flüchtlinge zu betrachte??. Hinsichtlich der Naturalisierung steht die Regierung auf dem Standpunkt, daß diese erst einige Moimte nach dem Eintreten in die Armee zu erfolgen habe. Den Gedanken einer jüdischen Legion lehne die Regierung ab. Irn Oberhause richtete Lord Sheffield einige Anfragen an die Regierung, zu deren Begründung er eine längere Rede hielt. Er forderte, daß England auch fernerhin das Asylrecht für die aus Rußland und Polen vor Verfolgung und Unterdrückung entflohenen Juden wahre. Die Heranziehung der russischen Subcit zum Militärdienst müsse in einer entsprechenden -Form -geschehe!?. Mai? müsse ihnen die Möglichkeit geben, ebenso wie bis züm Zwangsdienst für die Engländer, freiwillig in die Armee einzutreten. Er sei überzeugt, daß ein freundlicher Appell an die russischen Juden Erfolg habeil werde. Es 'müsse aber denjenigen, die sich weigerir. sich der englischen Armee auzuschließen, gestattet sein, ins neuträte A u s I a n d zu gehen. Schließlich protestierte Lord Sheffield gegen die Terrorisierung der russischen Juden durch die Polizei, die ihnen scholl jetzt mit der Ausweisuitg nach Rußland droht. Auch der durch seinen Friedellsappell bekannte Lord L o reburn verlangte für die russischen Juden das Recht des Abzuges nach! einem neutralen Lande. Großes Aufsehen erregte im Hause und in der Oeffentlichskeit fein energischer Ausspruch: „Wenn ich ein Jude wäre oder auch nur einen Tropfen jüdischen Blutes in mir hätte, ließ ich mir lieber die Hand abschneiden, als das Zil tuil, was Mr. Samuel getan hat,- nämlich diesen Leuten zil sagen: wenn ihr nicht in der englischen Ariltce bienen wollt, werden wir euch nach Rußland zurückschicken." Gegen die Ausweisung nach Rußland sprach auch Lord Russell. Die Mitglieder der Regierung, Lord Sandhurst und Lord Lansdowne, waren,in sichtlicher Verlegenheit ob dieser bewegten Judendebatte int Hause of Lords. S a n d h u r st erklärte, die Regierullg könne einem freien Abzug russischer Juden ins neutrale Ausland nicht zustimmen. Sie werden vor besonderen Gerichten ihre eventuellen Befreiungsgesuche begründen können. Seine sonstigen Erklärungen deckten sich mit denell von Mr. Samuel. Lord Lansdowne erklärte offenherzig, über die gairze Sache iticfjt informiert zu sein. Er werde -aber der Regierung mitteilen, wie sehr sich die edlen

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