Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 33 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Bloch's Wochenschrift schaftlichem Verkehr zu treten; und merkwürdigerweise seien es bei beiden Völkern dieselben Charaktereigenschaften gewesen, die ihn abgestoßen hätten, nämlich die ausdringliche und übertriebene Liebenswürdigkeit, die nur als Deckmantel für Anmaßung und Rücksichtslosigkeit diene. Diese Antipathie geht» bei ihm so weit, daß, ihn sogar bie, Ausdrucksweisen und Redensarten der beiden Völker irritieren. „Das Schmeicheln der deutschen Sprache (Scharten gebraucht hier das deutsche Wort „schmeicheln") habe ich nie ertragen können, ebensowenig wie den süßen Wortschwall (wörtlich: Wortgespucke) des jüdischen Händlers. Beide, Juden wie Deutsch?, zeigen sich äußerst untertänig, aber wenn sie sich einmal die Macht erschlichen haben, dann ist ihr Griff gleich mitleidlos." Doch verbirgt sich hinter einem ähnlichen Auftreten bei beiden Völkern eine völlig verschiedene Psyche. Denn mögen sich die Deutschen mit dem Fleiß und der Tüchtigkeit brüsten, womit sie die Erfindungen der Franzosen, Engländer und Italiener weiter ausgebaut und systematisiert haben, die Juden besitzen den viel feineren Stolz, das am wenigsten geehrte und doch däs eigenste, unter allen Völkern das letzte und doch das erste zu sein. Scharten denkt hier wie auch im übrigen in erster Linie an den Deutschen im Ausland, mit dem ihn sein langjähriger Aufenthalt in Paris und Italien hauptsächlich in Berührung gebracht. Dieser Deutsche gibt im Gegensatz zu dem Juden, der sich in seiner Art und sogar seiner äußeren Erscheinung durch die Jahrtausende hindurch in zäher Weise immer behauptet hat, seine nationalen Eigenschaften bald auf und verschmilzt mit dem Volke unter dem er lebt. Ueber den Deutschen im eigenen Lande urteilt Scharten günstiger; dort im eigenen Kreise öffnet sich sein besseres Ich (das sich aber außerhalb der Reichsgrenzen nach seiner Meinung verschließen soll). Etwas Gutes wird uns also noch gelassen, und die „klangreichen Tiefen der deutschen Seele" will Scharten ebensowenig leugnen wie „das tiefe, verborgen glimmende Feuer der jüdischen". Zarische Manifeste an die Inden. Das „Bulletin Juif", das in Lausanne erscheint, bringt eine Anzahl von „Anordmmgeu", die an die Juden Galiziens nach ihrer „Befreiung" im Frühjahr 1915 gerichtet waren, und die alle russischen Phrasen von Neuorientierung ins rechte Licht setzen. Wir bringen einige dieser „Anordnungen" nach der „Bossischen Zeitung". All Herrn Jakob N., Beamten in der Kanzler in Lwow. Der voir Sr. kaiserlichen Hoheit, dem Generalissimus, mit der Aufsicht Äber die galizische Gerichtsbarkeit betraute Offizier macht dem Vorsitzenden des Obertribunals des Distrittes zu Lwow durch Erlaß vom 17. (30.) Mai 1915, Nr. 145 (datiert aus Tarnopol) bekannt, daß Se. Hoheit Befechl erlassen haben, alle in der Justizverwaltung beschäftigten Personen jüdischer Abstammung, insbesondere Kanzleiangestellte, a u s n a hm s l o s ihre s P o st e n s z u e n t h eb e n. Gelnäß der Entscheidung des Generalstabschefs bestinrmt der Unterzeichnete Offizier die unverzügliche Amtsenthebung aller Juden ohlie jede Ausnahme, einschließlich der Airgestellten und Bediensteten, und gibt Befehl, ihre Nanren vor: der Liste des Justizdepartements zu streicherr. Lwow, 7. Juni 1915. Dr. Bentschowski. In einen: telegraphischen Befehl des Generalstabes des 30. Armeekorps heißt es: „. . . . Juden sind in unserem Armeebereich nicht zu dulden. Solche, die auf der Flucht zu uns eingedrungen sind, sind nach Galizien zurückzuschicken. Gegenwärtig befinden fich längs der österreichischen Grenze Massenansammlungen von Juden, die ans dem Operationsgebiet vertrieben sind, und denen der Zugang nach Rußland verweigert worden ist. Es .sind energische Maß» regeln zu ergreifen und die Juden, s e l b st unter A rr - Wendung von Gewalt, in der R i ch t u n g auf den Feind zurückzutreiben. Oberstleutnant S t a w r o g h i n." „Bekanntmachung. Der gesamten jüdischen Bevölkerung der Stadt K o l o m e a gebe ich hiedurch bekannt, daß im Falle einer Beschädigung der Eisenbahn, eite 547 der Telegraphen- und Telephouleitungerr der gesamten jüdischen Bevölkerung der Stadt Kolomea eine schrvere Geldbuße auferlegt werden wird, und daß, falls diese nicht binnen drei Tagen erlegt sein sollte, die gesamte jüdische Bevölkerung aus dem Armeebereich ausgetrieben werden wird. Der Distriktsvorsteher von Kolomea: F ü r st L o b a n o w R o st owsk i." Sammelbericht der Einwohner voll Dokchina lch-ou vernement Minsk): „Auf 5000 Eimvohner kommen etwa 4000 Juden: der Rest sind in der Hauptsache Weißrussen. Am 30. August holte die Polizei die ganze Bevölkerung, Männer wie Frauen, zur Verrichtung voll Schanzarbeiten und ließ nur eine Person pro Familie zurück. Die Inden mußten alle in Reih' und Glied antrelen. Es erschien ein Sappeuroffizier, der sie samt und sonders schlug, rveil sie nicht in Reih' und Glied zil stehen wnß ten. Man hielt sie vier Tage lang fest. Die Juderl luur den grau) am g e s ch l a g e n: am meisten hiben Josef Borobeitschik urid Fabrikant zu leiden gehabt. Als der Offizier zu den Arbeiten kam, beklagten sich die Mädchen über die Mißhandlungen von seiten der Soldaten, aber er erklärte scherzend, m i t S ch i l ffte n g e' u k ö n u e man n i ch, t sch l a ge u, d a z u b r a it ch;• m a n n u u einmal bie K n n t e." Sin Mahnruf Horkis. Eine Warnung vor den Verleumdungen gegen die russischen Juden. In dem Augenblick, da das jüdische Altsiedlnngs - gebiet im Zarenreich hinter den Grcnzerl des eigeni - lichen Rußland verschwand, verstummten die Nachrichten von Judenpogromen. In der letzten Zeit taucht aber neuerlich die Drohung mit Judenpogromen auf. In dieser Angelegenheit hat nun, lvie der Kopenhageuer Korrespondent der „Gazeta Wieczorna" berichtet, Marim G o r k i in der Monatsschrift „Nowpj Golos" das Wort genommen. Diebetreffende Nummer der Zeitschrift wurde selbst verständlich konfisziert, aber der Aufsatz des berühmten Schriftstellers wurde insgeheiut gedruckt und in vielen hunderttausend Exemplaren in ganz Rußland verbreitet. Gorki wendet sich an den unwissenden rnisi - scheu Bauer und klärt ihn darüber ans. wrshalo man gegen die Inden Hetze. Man müsse sich die Ursachen der Niederlagen zu erklären suchen, sagt Gorki, und er gibt folgende Aufklärung: Die Feldherren haben die Soldaten ohne genügende Mengen von Waffen und Ka nonen und Munition in den Kampf geführt. Wer ist schuld daran? Eben diese Heerführer. Plötzlich hat inan behauptet, daß die Inden das Unglück angestiftet habe!'.. Man erklärt, daß alle Juden Verräter seien, und inan versucht, der ganzen russischen Nation die Ueberzeugnng beizubringen, paß das ganze jüdische Volk das Vaterland hintergehe. Es ist sehr leicht, einni Juden zu verleumden, denn er ist hilflos, er hat nicht einmal das bißchen bürgerliche Recht, das der Rufst besitzt. Die Unzufriedenheit, die der Krieg geweckt habe, verlang,, nach Opfern - und da haben listige Leute, die die Schuld von ihren Schulten: auf fremde Schultern abwälzen wollen, die Juden als die Schuldigen vorgeschoben. Das stumm gemachte Gewissen der russischen Nation hat man mit den Rufen gegen die Juden betäubt und nun: gewährt keine Möglichkeit, Einblick zu gewinnen, wer der.eigentliche Feind des russischen Volkes ist. 5) o r i t fordert schließlich zum Kampfe gegen den eigentlichen Feind auf und empfiehlt, endlich im eigenen Hause Ordnung Ji machen. Schon die Tatsache, daß ein Schriftsteller von Be deutung wie Gorki es für notwendig findet, in der jüdischen Frage mit einem Aufruf an das Volk, hervor-