Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 33 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 546 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 33 (Sibirien) auf den für uns siegreichen Abschluß des Weltkrieges und damit auf seine Befreiung. Mein dritter Sohn, Wilhelm Czeizler, 26 Jahre alt, Buchhalter, ist anfangs August 1914 mit seinem Bruder Ludwig eingerückt, und auch er wurde von hier gleich nach- Ausbruch des Krieges an die russische Front kommandiert und ist, nachdem er an schrecklichen kämpf- und leidensreichen schlachten teilgenommen hatte, anr 2. November 1914 in Liszko (Galizien) den Heldentod gestorben. Hier, fern von seinen Eltern, unter den Schollen der durch sein und so vieler anderer Helden Blut geheiligten fremden Erde wurde er auch begraben. Einen seiner Brüder traf das schmerzvolle Los, das Grab seines Bruders zu schaufeln und ihn auf dem Schlachtfelde zu begraben. Mein vierter Sohn, Berthold Czeizler, 32 Jahre alt, Schnhmachermeister, ist mit jenen zusammen anfangs August 1914 eingerückt; auch er kam von hier ans den nördlichen Kriegsschauplatz, wo er länger als ein Jahr int Kampfe stand. Bon der Front tvurde er als kranker Mann später nach! Kaschau kommandiert, wo er auch jetzt noch provisorisch! zugeteilt ist. Mein fünfter Sohn, Simon Czeizler, 29 Jahre alt, Kaufmann, ist im Monate April 1915 zum Honved- Jnfanterieregiment eingerückt. Mein sechster Sohn, Eugen Czeizler, 21 Jahre alt, Handlungsgehilfe, rückte Zum k. u. k. Infanterieregiment ein, wo er nach dreiwöchigem Dienste einer schweren Krankheit verfiel, nach Miskolcz zurückbefördert tvurde und hier am 10. April 1916 starb. Alle meine sechs Söhne sind demnach Soldaten geworden und vo n me inen sechs Söhitcn sind zwei den Heldentod gestorben, der dritte ist auf dem Kriegsschauplätze verschollen, der vierte ist russischer Kriegsgefangener. Auf meine alten Tage waren meine Kinder Meine Stützen; auf das rufende Wort Seiner Majestät und des Vaterlandes habe idj alle meinescchs Söhne zur Verteidigung des Thrones und des Vaterlandes hingegeben. Ich habe mein alles hingegeben. Nicht im Tone des Schmerzes, sondern des Stolzes sage ich dies. Auch schon deshalb, tveil nebeir meinen Kindenr auch mich nicht der Tadel oder Vorwurf treffen kann, daß ich meine Pflicht der Verteidigung des Vaterlandes nicht erfüllt hätte. Am Abende meines Lebens und vielleicht nicht fern vom Rande des Grobes auf mein verflossenes Leben zurückblickend, gestatte ich mir anzuführen, daß ich inr Jahre 1841 in der Gemeinde Finke (Komitat Borsod) geboren, im Jahre 1865, als 24 jähriger, als Soldat eingereiht wurde, als solcher in Olmütz und Krakau gedient und inr Jahre 1866 anr österreichisch-preußischen Kriege teilgenomnren und während desselben die Kriegsmedaille erhalten habe. Ich diente auch nachher noch weiter vom Jahre 1867 bis anfangs.Januar 1868, zu welcher Zeit ich nach vierjähriger treuer Dienstleistung verabschiedet ivurde. Ich bin stolz auf meine Kinder, aber ich glaube, daß auch meine Kinder fidj ihres Vaters nicht zu schämen brauchen. Die Familie Czeizler hat ihre Pflicht getan, mehr konnte sie nicht leisten, mehr ist ihr nicht üb riggebl leben, so sehr nicht, daß. ich in meinem Greisenalter arbeits- und erwerbsunfähig, in meinen Söhnen meine Stütze verlor und wir jetzt das tägliche Brot entbehren müssen. Die Familie Czeizler ist für Kämpfe gestählt. Ich habe auch diese Schlacht ausgefochten, auch diesen Kampf überlebt. Ich habe das erhebende und beglückende Bewußtsein, daß ich und meine sechs Soldatensöhne mit gezücktem Schwert und gewissenhaftem soldatischen Pflichtgefühl, mit der .größten Opferwilligkeit, vielen Leiden und durch dre Hingabe unseres Blutes Zeugnis dafür ablegten, daß die unter dem Szepter Sr. Majestät lebenden Söhne Israels sich nicht zurückziehen; ^houn dre Pflicht ruft und die Söhne dieses Vaterlandes rn Rech' und Glied stellt. Aus reinen: Herzen wünsche ich, daß Seine Majestät und das Vaterland auch in Zukunft soviel als möglich solcher Soldaterr haben mögen, wie meine Söhne und rch es waren, denn wir haben mit der Waffe in der Hand die Gefühle unseres Herzens bezeugt. . . („Egyenlöseg".) Ausgezeichnete Kokonisten in Makästina. Die Jerusalemer hebräische Zeitung „Hacheruth" meldet: Dre Herren Etan Belkind und Jacob Bacher in Rischon-Lezion erhielten die Auszeichnungsmedaille 1. Klasse für ihre großen Verdienste bei der Bekämpfung der Heuschrecken. Beide Herren sind außerdem zu landwirtschaftlichen Sachverständigen ermannt worden, der erste in Chama, der zweite in Charar. Erlaß des preußischen Kultusministers gegen jüdische Lehrkräfte. Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht folgendes Schreiben, das eine weibliche jüdische Lehrkraft als Antwort auf eine Bewerbung um eine Stellvertretung erhielt: „Breslau, 12. Mai 1916. Wir Haben 'Sie in die Liste. der Vertreterinnen ausgenommen, bemerken jedoch, daß nach einem Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichtsängelegenheiten jüdische L e h r k r ä f t e zur vorübergehenden Vertretung christlicher Lehrer und Lehrerinnen nur a u sn a h m sw e ise, für die Dauer des Krieges herangezogen werden dürfen, wenn eine andere geeignete Vertretung nicht vorhanden ist. Die Schuldeputation. Beglaubigt: gez. Thiel sich Ratssekretär." Das Blatt erinnert an das bekannte Wort des Kaisers: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!" und sagt: „Selbstverständlich bezog sich dieses Wort nicht nur auf die Parteien, sondern ausch auf die Konfessionen. Sehr wenig mit dieser kaiserlichen Verheißung ist der Erlaß des preußischen Kultusministers in Einklang zu bringen, den obiges Schreiben zur Grundlage hat. Sollte dieser Erlaß noch aus der Zeit vor deni Kriege stammen, dann ist es höchste Zeit, ihn aufzuheben. Ist er aber neuerdings erst ergangen infolge der Notwendigkeit, zahlreiche stellvertretende Lehrkräfte für den Schulunterricht zu beschaffen, dann ist er vollends unbegreiflich." Juden und Aeutsche. Ueber Juden und Deutsche enthält die neueste Nummer der „Zeitschrift für Bücherfreunde" in ihren: Amsterdamer Brief einen sehr interessanten Beitrag. Der Korrespondent M. D. Henkel spricht über einen Artikel des angesehenen holländischen Schriftstellers Carel Scharten im „Telegraaf" und führt dabei folgendes aus: „Sch arte ns Betrachtungen bilden die Einleitung zu einem tlcinen Aussatz über das Judentum in der niederländischen Literatur, speziell über die Gedichte eines neueren jüdischen Dichters Jac. Jsr. de Haan. Mit den Juden werden wir hier nämlich verglichen — und zu leicht befunden. Nach der Stimmung in der ganzen Welt rings um uns scheint es fast, als ob auf uns Deutsche heute jenes -■> iuii) ^i:cn> human! übergegangen sei, das seit Tacitus aus den Juden geruht hat. Scharten gesteht in dem Artikel ganz offen, daß er von Jugend an immer eine instinktive Abneigung gegen Juden und Deutsche empfunden habe, was ihn aber nicht verhindert hätte, mit einzelnen Angehörigen dieser Rassen in freund-