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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-11 · 32 (11.8.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Tr. Bloch'S Wochenschrift Seite 533 ein Jahr vor Ausbruch des Krieges propagiert habe, wofür ich bestens danke. Ich möchte jedoch folgenden Passus des betreffenden Artikels richtigstellen: „Die Idee kam nicht zur Ausführung. Lohen, der ichwischen nach Konstantinopel übersiedelte und daselbst zum Universitätsdozenten für Handelsrecht ernannt wurde, wandte sich nun nach Deutschland." Zuerst möchte ich hervorheben, daß die Wirtschaftszentrale, die ich damals gegründet habe, seit drei Jahren in Tätigkeit ist, steht fast ausschließlich in ständigen Beziehungen mit österr.-ungar. Wirtschaftsvereine und genießt die Unterstützung aller maßgebenden österreichischen Stellen. Daher ist es nicht richtig, daß meine Idee nicht zur Ausführung gekommen ist. Infolgedessen ist die Behauptung, daß ich mich nach Deutschland gewandt habe, nicht richtig. Als türkische Institution kann zwar meine Wirtschaftszentrale mit allen Freundenländern Beziehungen anknüpfen, aber nicht in Lein Sinne, den der Verfasser des Artikels gemeint hat. Ihr ergebener M. Cohen. Ciip? streng rituelle Pension in Badgastein. Gastein! Wer je den Zallber dieses wunderreichen Wildbades auf sich hat wirken lassen, wer je die Heilkraft seiner geheimnisvollen Gewässer erfahren oder auch nur ben Anblick der Naturbilder dieses gottbegnadeten Erdwinkels genosseit, den Zieht es mit unwiderstehlicher Gewalt immer wieder hierher. In der Verherrlichung dieser einzigartigen Naturszenerien mit ihrer bunten Mannigfaltigkeit wetteiferten Dichter aller Zeiten. Das Buch „Sol- und Warmbad Gastein" von Dr. Albert v. Muchar (Verfasser des altkeltischen und römischen Norikums), Grätz 1834trägt als Motto: „6n8tuna tantnin una“. Der Anblick Gasteins entringt ihm beit Ausruf: „Wie hoch erheben Herz und Geist des Freundes der großeil romantischeil Natur, lvie überraschen, rvie befeuern die Phantasie des Naturmalers die unendlich nrallnigfachen Zauberlandschaften im Nordell und Süden dieser Alpenkette, tvo durch den höchsten Grad vollendeter romantischer Vollkommenheit und durch den zauberischen Schmelz des Erhabenelt und Großen, des Sanften nlld Lieblichen, des Anstaunenswürdigen und innigst Erfreuendeil die Schöpferin sich selbst so oft übertrofferl zu haben scheint."! „Rauschender Strom, Brausender Wald, Starrender Fels, Meiil Aufenthalt," singt Rellstab. Die Romantik dieser gewaltigen Natur rauscht durch die Musik Schuberts, der 1825 zur Kur hier weilte. Und Theodor K ö r n e r sang: „Sei mir am Eingang gegrüßt, wo der Ort der Hoffnung sich öffnet, Wo der dampfende Quell zwei Elemente vermählt. Laut verkünde dem Pilger der irdischen Hülle Genesung, Wie dein heilig Symbol ewiges Leben verheißt." Und Grillparzer schrieb Gastein zum Abschied: „Die Trennungsstunde schlägt, und ich muß scheiden. So leb' denil wohl, mein freundliches Gastein, Du Trösterin so mancher bittern Leiden, Auch lneine Leiden lullest du mir ein." Zahllos sind die Leidenden, die hier Heilung gefunden, Alte und Gebrechliche, die hier, wie im romantischen Märchenland „Bimini" Heinrich Heines, Jugendfrische und Jugendkräfte sich „angeschlückert" haben. Die Heilkraft der wunderbaren Gasteiner Thermen pries schon der alte Theophrastus Paracelsus (1562), und die Berühmtheit der Heilquellen stieg von Jahrhundert zu Jahrhundert, der Zustrom der Kurgäste nahm indes einen besonderell Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts, seitdem Kaiser Wilhelm I. durch zwanzig Sommer die Kur in Gastein mit größtem Erfolge gebrauchte. Als Krankheiten, die erfahrungsgemäß durch Gasteiner Bäder geheilt werden, führt schon Paracelsus an: 1. jegliche Kontraktur; 2. alles Zittern der Hände, Beine, die so aus Gebresten des Marks erwachsen oder aus Zorn oder aus unordentlichem Leben; 3. Podagra, Weh in den Hüften; 4. müde Glieder; 5. bei alten Fiebern usw. In der Tat finden hier alle rheumatischen Krankheiten, Bleichsucht, Blutleere, allgemeine Schwächezit stände, Schwäche der Verdauungsorgane, Altersschwäche Besserung und Heilung. Das hat den Weltruf Gasteins als Heilbad allerersten Ranges fest begründet. Leider war bis vor wenigen Jahren der Besuch Gasteins den gesetzestreuen Juden unmöglich, eine Verpflegung mit ritueller Kost war hier ausgeschlossen. Und die doch auf dringendes Anraten der Aerzte oder angelockt durch die unwiderstehlichen Reize einer romantischen Natur hierher kamen, mußten vegetarisch leben. Dagegen erhoben die Aerzte Einspruch und ältere Leute können kaum ohne schwere Nachteile einer ungewohnten vegetarischen Lebenslveise sich unterwerfen. Nun hat der bekannte Restaurateur und Hotelier Kohisch hier eine Pension im großen Stile eingerichtet, ein Haus in bester Lage, dabei inmitten des Waldes, mit herrlicher Aussicht, nell er bauen lassen, mit einem großen Speisesaal (vielleicht dem schönsten in Gasteinh mit einer prächtigen Terrasse und allen sonstigen modernen Einrichtungen, z. B. auch die Thermenbäder im Hause, so daß auch den Ansprüchen der Verwöhntesten Rechnung getragen wird, aber auch in ritueller Beziehung den r i g o r o s e st e n A n - f o r d e r u n g c n G e n ü ge ge s ch i e h t. lieber diese rituelle Pension kann des Lobes nicht genug gesagt werden. Die Zimmer sind nett und sauber, elektrisch beleuchtet, die Bedienung ist aufmerksam, die Küche vorzüglich und die Preise in Rücksicht der heutigen Verhältnisse überaus mäßig. Das merkwürdigste ist, daß man hier in d e r B e r - p f l e g u n g nichts entbehrt, daß alles da ist und von Herrn K o k i s ch ins Haus gebracht wird. Ein Mangel herrscht hier höchstens an — Zigarren! Daß die Kurgäste in Gastein nichts entbehren, ist ein hohes Verdienst des hiesigen Bürgermeisteramtes, der weise waltenden Kurkommission, insbesondere des erleuchteten Bezirkshailptmannes, der alle Energie, alle Sorgfalt dein Interesse des .Kurpublikums ohne Unterschied der Konfession zuwendet. Diesen hohen Behörden sei an dieser Stelle auch der Dank ausgesprochen. Professor Martin Philippfon. Der Historiker Professor Dr. Martin P h i l i p p s o u, der erst vor wenigen Wochen seinen 70. Geburtstag beging, ist am 2. August in Berlin nach längerem Leiden gestorben. Ein Sohn des Begründers der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", Dr. Ludwig Philippson, widmete er sich in Bonn und Berlin als Schüler von Sy bei und Ranke dem Studium der Geschichtswissenschaft. Nachbem er eine größere Arbeit über die Geschichte Heinrichs des Löwen veröffentlicht hatte, wirkte er einige Jahre als Lehrer an der jüdischen Normalschule in Berlin, nahm 1870 als Freiwilliger am Kriege gegen Frankreich teil und habilitierte sich bald darauf in Bonn, wo er 1875 eine außerordentliche Professur erhielt. 1878 folgte er einem Rufe an die freie Universität Brüssel, wo ihm mannigfache Ehrungen und die Uebertragung des Rektorats und die Wahl zum Mitgliede der belgischen Akademie zuteil wurden. Im Jahre 1890 legte er jedoch infolge eines Konflikts mit den damals schon sehr einflußreichen deutschfeindlichen und radikal-sozialistischen Elementen der Brüsseler Studentenschaft sein Lehramt nieder und lebte seitdem als Privatgelehrter in Berlin. Seine reiche wissenschaftlich-literarische Tätigkeit, die hier nicht im einzelnen gewürdigt werden kann, ist besonders der Geschichte der neueren Zeit seit der Reformation und

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