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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-11 · 32 (11.8.1916) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 53t wird Rußland an der Front sicher auf einen Uriasposten stellen, um sie schnell los zu werden. Noch wahrscheinlicher ist, daß man sie sofort an einen Galgen anfknüpft oder nach Sibirien schickt. Maxim Gorki wäre sicher dasselbe geschehen, wenn man nicht Europas Entrüstung befürchtet hätte. Alle die jungen Menschen, die man jetzt aus London gewaltsam den Russen in die Arme treibt, Studenten, Juristen, Ingenieure, Schriftsteller, die verhaßten Juden, die schon in Friedenszeiten in Rußland tvie iit der Hölle gelebt haben, seien jetzt mit einem Male gut genug, für ihr Vaterland in den Kampf zu ziehen. Wie Negersklaven schaffe man sie in London an Bord von Segelschiffen, die nach Archangelsk und nach Alexandrowsk gehen. Seit mehreren Wochen fahren täglich ein paar solche Segelschiffe von England ab, und so wird es weitergehen, bis alle sogenannten Landesverräter auf russischer Erde in sogenannte Sicherheit gebracht sein werden. Von ihrem Vaterland hätten sie eigentlich wohl eine andere Behandlung erwartet. Mer, so schließt der Bericht, hätte man nicht von England, dem großen Beschützer der Kleinen und Unterdrückten, mehr Menschlichkeit erwarten müssen? In diesen Tagen wurden mchrere Versammlungen der in Christiania weilend n Russen abgehaltn die an die englische Regierung eine Eingabe in dieser Angelegenheit richten wollen.! Russische Kervattlaten gegen Inden bei der russischen Offensive. Das „Warschauer Tageblatt" berichtet: Vor einigen Tagen wurde durch Warschau ein Transport verwundeter gefangener russischer Soldaten gebracht, unter denen sich auch Juden befanden. Diese jüdischen Soldaten erzählten schreckliche Einzelheiten von den Greueltaten der russischen Soldateska in den besetzten Orten. Außer zahlreichen Räubereien und Plünderungen an jüdischem Gut, werden viele jüdische Häuser verbrannt, jüdische Mädchen geschändet und v'ele Juden gehängt oder erschossen. Sofort mit dem Einzug der russischen Herrschaft beginnt für die Juden des Ortes eine schreckensvolle Periode unerhörter Leiden. Wer nicht genug Geld besitzt, um sich loszukaufen, wird ohne jedes Gericht gefangen gesetzt und verschickt. Jüdische Klagen werden nicht angenommen. Die russische Heeresleitung scheut nicht vor den ärgsten Verbrechen gegen die Juden zurück. Eine charakteristische Begebenheit erzählte ein jüdischer Soldat, deren Augenzeuge er war: In einem galizischm Städtchen nahm man ein paar Juden, steckte sie in österreichische Uniformen und transportierte sie ab als „gefangene Oesterreicher". Morn amerikanisch-jüdischen Kongreß. Das Exekutive Organisationskomitee für den amerikanischt-jüdischen Kongreß hat, um die Ansichten der europäischen jüdischen Organisationen über die Lage der Juden in den einzelnen europäischen Ländern und ihre Ansichten über die 'Möglichkeit einer dauernden Verbesserung der Zustände kennen zu lernen, ein Rnndschreiben an die einzelnen jüdischen Organisationen der folgenden Länder gerichtet: Argentinien, Australien, Canada, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Oesterreich. Rumänien, Rußland, Südafrika, Türkei und Ungarn. In dem Rundschreiben, welches vom Obmann des Organisationskomitees, Louis D. B r a n d e i s, Richter am Obersten Gerichtshof, unterzeichnet ist, wird u. a. mitgeteilt, daß der Kongreß für spätestens den 1. Januar 1917 in Aussicht genommen ist. Auf diesem Kongreß sollen jene Persönlichkeiten gewählt werden, welche bevollmächtigt sein sollen, namens der Gesamtheit der amerikanischen Juden zu sprechen und zu handeln. Die von diesem Kongreß zu erwählenden Repräsentanten werden auch die Vollmacht erhalten, mit Vertretern der jüdischen Organisationen in Europa wegen des einzuschlagenden Weges Beratungen zu pflegen. Unter den Organisationen, an welche laut Beschluß des Exekutivkomitees das Rundschreiben gerichtet werden soll, befinden sich auch für Oesterreich-Ungarn die „Oesterr.-Jsr. Union", ..Jsr. Allianz" und ..Zionistisches Zentralkomitee". Für Deutschland das _ „Zionistische Aktionskomitee", der „Hilfsverein der deutschen Juden". „B'nai B'rith", ..Verein Esra". „Zionistische Vereinigung für Deutschland", „Misrachi", Altona a. E. ,Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", Frankfurt a. M., ..Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", Berlin, „Osteuropäisches Komitee". Frankfurt a. M.» „Komitee für den Osten", Berlin W. und „AgudaS JiSroel", Frankfurt a. M. Der vorbereitende Ausschuß des .Kongreßbureaus hat einen Arbeitsplan für die Veranstalter des Kongresses ausgearbeitet. Diesem Arbeitsplan zufolge soll bis zum Datum des Kongresses folgendes Material zusammen getragen werden: Rußland. 1. Geschichtlicher Ueberblick über die Ansiedlung der Juden in Rußland. 2. Ueberblick chber die rechtliche: Lage der Inden von der frühesten '.Periode bis zur Regierung Alexanders II. 3. Ausnahmegesetze einschließlich der Bestimmung des Ansiedlungsrayons, der Maigesetze und weiteren Verfügungen bis Juli 1914. 4. Ausnahmebestimmungen seitens der Kreis-, Stadt- und Polizeibehörden. 5. Darstellung des Einflusses der während des Krieges erlassenen Militärverfügungen aus die Juden. 6. Ueberblick über die Pogrome in Rußland. 7. Darstellung deS wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und politischen Zustandes der Juden in Rußland. 3. Ausstellung der den Nationalitäten und anderen Gruppen im russischen Reiche gewährten gesetzlichen Anerkennung, 9. Vorschläge für eine Gesetzgebung, durch welche die bestehenden Beschränkungen beseitigt werden würden. R u m ä n i e n. 1. Geschichtlicher Ueberblick über die Ansiedlung der Juden in Rumänien. 2. Ueberblick über die rechtliche Lage der Juden von der frühesten Periode bis 1373. 3. Der Berliner Vertrag und sein Einfluß auf die rumänische Judengesetzgebung, 4. Ausnahmegesetze von 1373 bis zur Gegenwart. 5. Darstellung der Agitation nach dem Berliner Vertrage und der Versuche, das Gleichberechtigungsgesetz zu erlangen. 6. Vorschläge für eine Gesetzgebung, durch welche die beftehen- ■ den Beschränkungen beseitigt werden würden. Galizien. 1. Darstellung der wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und politischen Lage der Juden in Galizien. 2. Ueberblick über die rechtliche Lage der Nationalitäten und anderer Gruppen in Oesterreich-Ungarn. 3. Ueberblick über die Anwendung des Gesetzes im Hinblick auf die Verfolgungen der Juden in Galizien. 4. Vorschläge zu Maßnahmen für die 'Beseitigung von Mißständen und die Erhaltung und Entwicklung des jüdischen Lebens. Polen. 1. Geschichtlicher Ueberblick über die Ansiedlung der Juden in Polen. 2. Rechtliche Lage der Juden unter der polnischen Herrschaft bis 1331. 3. Einfluß der russischen Herrschaft auf das jüdische Leben. 4. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden heutzutage, mit Berücksichtigung der Beziehungen zwischen Polen und Juden. 5. Geschichtlicher Ueberblick über die rechtliche Lage der Nationalitäten in Polen. 6. Die Lage der Juden

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