Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 31 (4.8.1916)
- Date
- 1916-08-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 518 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 31 düng sind. Die „Kriegs-Spitalshilfe für Paläftin a", unter dem Beifall einer Reihe hervorragender Mitglieder der Wiener medizinischen Fakultät von der „Hilfskommission 1915 für Palästina" angeregt, will diesen sanitären Mißständen in Palästina steuern. Dieser Tage gelangten an die „Hilsskommission" von unseren Konsulaten in Jerusalem und Sascd die folgenden Telegramme: Jerusalem. Lokalregierung hat Getreidekauf monopolisiert und Höchstpreise und Konsum pro Kops festgesetzt. Binnen acht Tagen Erlag Kaution 500 türkisch? Pfund bei Syndikatskassa notwendig. Außerdem ungefähr 500 Pfund für wöchentlich bar zu bezahlenden Bedarf für den Monat erforderlich. Bitte Drahtbestätigung und dringend Absendung Geldes. Konsul Kraus. Safed. Zu den vorhandenen 20.000 K. benötige dringend noch mindestens gleichen Betrag für Weizenankaus, da Notlage und Teuerung sich verschärft, auch weitere Aussichten ungünstig erscheinen. Erbitte Drahtantwort. Bezüglich Arzt, Medikamente Ministerium telegraphiert. Konsul M i 8 l a s i e w i c!z. In diesen Telegrammen werden dringend 5 5.000 Kroneu, Arzt und Med ikamente gefordert. Die „Hilfskommission" wandte sich unverzüglich an das hohe Ministerium des Aeußern mit einem Gesuche, geeignet erscheinende Schritte einzuleiten, damit diesen Forderungen entsprochen werden könne. Das hohe Ministerium. obwohl gerade gegenwärtig von anderen Hilfsnotwendigkeiten für Oesterreicher und Ungarn im Auslande stark in Anspruch genommen, streckte uns soaleich 2 3.0 00 Krön e n vor und ergriff weitere Maßnahmen, um uns in kürzester Frist eine befriedigende Antwort auf die Telegramme zu ermöglichen. Angesichts dieses edlen Vorgehens unserer hohen Behörden und mit Hinweis auf die Unanfschiebbarkeit einer Hilfeleistung, mit der Nur unsere Pflicht als Menschen, als Patrioten und vor allem als Inden zu betätigen Gelegenheit haben, wenden wir uns. vom hohen Ministerium selbst dazu bestimmt, an alle Knltusgemeinden und Wohlfabrtsinstitutionen. in erster Reibe an unsere Chewra-Kadischas. in deren Wirkungsbereich doch ganz vorzüglich die Beistellung von sanitären Hilfsmitteln fällt, sowie an alle Privaten mit dem Anfrnf. diesem Beispiel unserer hohen Betz ö r d e n zu folgen, und durch rasche Beihilfe uns iit den Stand zu setzen, unserer schwierigen Aufgabe gerecht zu iverden. Di? „Hilfskommission 1915 für Palästina". Adresse für Zuschriften: Wien. IV.. Frankenberggasse. Geldsendnnaen an das Bankhaus unter ..Hilfskommission 1915 für Palästina", bezw. „Kriegs-Spitalshilfe für Palästina". KriegsspitalshMe für Makästina. Gegen die Wiener Aktion euauusten einer Krieasspitalshilfe für Palästina richtet sich eine Zuschrift, welche der Frankfurter Vorstand des jüdischen Krankenhauses „Tchaare Zedek" in Jerusalem an jüdische Zeitungen versendet — mit der Behauptung, daß das Svitalsbedürfnis im Heiligen Lande durch Krankenhäuser in Jerusalem hinreichend befriedigt sei. vor allem durch das Spital „Schaare Zedek". welches von deutschen Juden erhalten wird. Den Herren in Frankfurt am Main ist es aber durchaus nicht unbekannt, daß die Wiener Aktion in erster Reihe unseren österreichischm Glaubensgenossen im Lande der Väter sich! zuwendet, die hauptsächlich nicht in Jerusalem, sondern in Safed und Tiberias wohnen, wo Hungersnot und Epidemien zahllose Opfer unter der jüdischen Bevölkerung gefordert haben.' In diesen Städten mangelt es derart an Spitalspflege, sowie an Aerzten, Wartepersonal und Medikamenten, daß unsere dortige konsularische Vertretnng sich dieserhalb in dringenden Telegrammen an das hohe k. u. k. Ministerium des Aeußern gewandt und dieses dem Gesuche zu willfahrcn beschlossen, sowie das Bedürfnis nach Einrichtung eines österreichischen Spitals anerkannt hat. ' Daß aber auch die sanitären Zustände in Jerusalem der Hilfe dringend bedürfen, geht, von zuverlässigen Meldungen abgesehen, schon daraus hervor, daß . das „Zionistische Zentralbureau" in Berlin die ,,Kriegsspitalshilfe für Palästina" in Wien [um Vermittlung! von Aerzten und Pflegerinnen ersucht hat, woraufhin sie leider vorläufig nur eine hier ausgebildete Schwester beizustellen in der Lage war. 'Nicht unvermerkt ist. es geblieben, daß der Frankfurter Vorstand des Krankenhauses .^Schaare Zedek" in Jerusalem seine „Bedenken" gegen die Hilfsaktion für die notleidenden österreichischen Staatsangehörigen im Heiligen Lande mit der gegenwärtig „so außerordentlichen Inanspruchnahme der Spenderkreise für heimische und für der Heimat nahestehende Zwecke" unterstützt und nicht unterläßt, auch auf „die notwendige Genehmigung" eines Aufrufes zur Spendensammlung hinzuweisen. Auch über die „Anwendung der gesammelten Gelder" können wir die Frankfurter Herren beruhigen; die Uebermittlung nach Palästina erfolgt durch unser Auswärtiges Amt und die „Anwendung" unter der Kontrolle der k. k. österreichisch-ungarischen Konsularbehörden. Die Flüchtlinge in Marienbad. Gleich bei Beginn des Krieges haben edle Menschen eine großartige Organisation geschaffen, um die zurzeit in Marienbad weilenden 1400 Flüchtlinge zu versorgen. Man wies ihnen. Wohnungen an, ihre Kinder wurden in Schulen untergebracht, Kleider und Wäsche standen den Flüchtlingen zu Gebote. An der Spitze des Hilfskomitees war der unermüdlich tätige Bankier Buchsbaum, dem es Herzenssache war, den Unglücklichen, wo immer möglich, zu helfen, tätig. Das war nicht leicht; man mußte in der Umgebung Marienbads Unterkunft schaffen, die Flüchtlinge wurden in Einsiedl, Königswart. Landau. Altwasser untergebrach't, eine Tälmnd-Thora-Schnle, ein Bethaus. eine Volksschule, an der erstklassige Lehrkräfte wirkten, wnrben erhalten. Als in diesem Jahre das Unglück 'über die Bukowina von neuem hereinbrach, kam ein neuer Zuschub von zirka 370 Flüchtlingen. Man sieht sie, die Zermürbten, von Haus und Hof Vertriebenen, hier inmitten all der Marienbader Kurgäste, die, auf der Sonnenhöhe des Lebens stehend, nichts von Not und Entbehrung wissen. Ahasver, der "Heimatlose, unstät Wandernde, scheint uns zu fragen: „Was haben wir gesündigt, daß uns so schweres Leid getroffen?" In den grawdurchfurchten Zügen der gebückt Dahinschleichenden lesen wir, daß sie mehr geduldet, als ein Mensch ertragen kann. Vor dem Schnlhaus, das dem Komitee für die Ftüchtlingskinder eingeränmt worden ist, sehe ich eine junge Frau, die sich müde an die Mauer des Schulbauses lehnte: ihre Wangen sind bleich, eingefallen, die Augen vom Weinen gerötet. „Ich warte aus mein Kind," sagt sie, wohl meinen fragenden Blick verstehend; und schon kommt ein Munterer Bub auf die Frau zugesprunaen, herzt und küßt sie und sagt: ^Der Lehrer war zufrieden mit mir, ich darf auch morgen den Ausflug nach Königswart mitmachen." — „Der Lehrer ist so gut," sagt die Frau, und'erklärend setzt sie hinzu: ..Er kannte meinen Mann und meine Brüder; die Rüssen haben sie, als sie in Czernowitz eindrangen, erschlagen." 8