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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-04 · 31 (4.8.1916) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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>§r. 31 &r. Bloch'S Wochenschrift Seite bw Sie weint stille Tränen, nimmt den Buben an die Hand und geht nach Einsiedl, wo man ihr Wohnung angewiesen hat. Ein anderes Bild: Vor dem Approoisionierungsmagazin, in dem den Flüchtlingen Mehl, Fett, Butter verabreicht werden, stehen, Kopf an Kopf gedrängt, Männer und Frauen. Die österreichisch? Kriegs Geteeideverkehrsänstatt hat seinen .Waggon Mehl -gesendet, der heute zur Verteilung gelangen soll. Ein alter Mann, der den Arm in der Binde trägt, bittet flehentlich: „Mir unrein halbes Kilo Mehl! Mein Weib ist krank, deshalb komme ich selbst; sie liegt seit Wochen zu Bett." Er erhält das Gewünschte und erzählt uns: „Daheim in Suezmva hatte ich ein Haus, ein Geschäft, Dienerschaft. Mein Hans ist abgebrannt, die Diener, die es schützen wollten, wurden erschlagen; auf der Flucht hat inan uns die Kinder entrissen, eilte Kugel hat mir den Arm gestreift: aber mehr noch wie durch den körperlichen Schmerz leidet die Seele. „Wißt ihr, was Seelenleid ist?" fragt er und zwei große Tränen nässen die Ofcicfien Wangen. - Solchen Jammergestalten begegnet man überall: die Genußmenschen, die hierher gekommen sind, um einige Zeit .in Freuden und Frohsinn zu verleben, ahneil nicht, ivie schwer des Unglückes Hand auf den Flüchtlingen lastet. Wie eng begrenzt in Raum und Zeit ist Glück lind Leid! Tausende gehen teilnahmslos an den Armen, die wohl einst bessere Tage gesehen, vorüber, aber in all ihrer Not ist ihnen ein Helfer erstanden, dessen Namen von allen mit Andacht genannt wird. Der Name dieses Mannes ist wert, mit goldenen Lettern im Buche der Menschenliebe verzeichnet zu werden. Fritz Buchsb aum, der Obmann des Marienbader Hilfskomitees, sührt seit Kriegsbeginn ein ständiges Verwaltungsbureau; zu ihm kommt, lver Hilfe braucht. Jur Bureau lverden Aerzte- und Apothekerrechnungeu beglichen, Wohnnngsanweisungen verteilt, da werden' Lehrer für die Schulen geworben, Marken für Bäder, für das Approvisionierungsbureau ausgegeben, es wird für Kriegswaisen gesorgt, für Kranke, die kurbedürftig, aber mittellos sind. Die Frauen und Töchter der Flüchtlinge haben, lvie man mir erzählt, im letzten Winter einige Tausend Paar ivnrmer Socken und Hauben für die Soldaten gestrickt, eine Näh- und Strickschule rvurde erhalten, den Frauen Gelegenheit gegeben, ihre Kenntnisse zu verwerten. Mehr als 30 Kisten kamen an, die Kleider und Wäsche enthielten. Das rührige Komitee hatte um Sperr den gebeten und sie erhalten. Man glaubte es sich selbst schuldig zu sein, die Flüchtlinge nicht in dem bedanernstverten Zustande, in dem sie ankamen, einhergehen zu lassen. Die Männer tragen wohl noch ihren Kaftan, die Frauen sind zumeist modern gekleidet; wer sie aber ans den Bänken längs der Promenade sitzen sieht, erkennt trotzdem an ihren gramdnrchfurchten Zügen, daß sie Schweres erlitten. Und doch dieses Gottoertrauen, das in ihnen lebt! „Wandern! Wandern!" sagt mir ein alter Mann, (der in der altjüdischen Tracht, den großen aus Zobel gefertigten Stramel auf dem weißen Haupte, echt patriarchalisch aussieht), „es ist das Schicksal Israels." Sie nennen ihn den Großrabbiner aus Belzec, lauschen seinen Worten, wo er sich zeigt, und tragen wie er ihr Schicksal mit Würde, die unglücklichen Nachkommen Ahasvers. I d a B a r b e r. Die schmachvolle Fälschung der „Reichspost". Wir haben in unserer letzten Nummer darauf bin gewiesen, daß die „Reichspost" sich nicht entblödet hat. ein Rundschreiben der russischen Ochrana als einen Erlaß „der deutschen Regierung" zu publizieren. Sie sieht sich nun gezwungen, den „Irrtum" einzugestehen. Sie fügt hinzu: »Es handelt sieh also, wie wir wiederholen, um eine polizeilich-ministerielle Kennzeichnung der russischen Juden. Und weil der Bericht von den russischen Juden spricht, so gilt er für die anderen nicht, zumal — bekanntermaß» n - zwischen den russischen Juden und den anderen auch n;cht die Spur einer Aehnlichkeit besteht. Bekanntermaßen!« Mit Verlaub! Nicht um die Juden handelt es sich, sondern darum, daß sie die Niederträchtigkeiten der verrufenen russischen Ochrana der d e u t s ch e n R e g i e r u n g anlügt, dadurch das Ansehen, den Namen und den guten Ruf der deutschen Regierung auf das schwerste schädigte. Allerdings zwischen den russischen Juden und den an deren besteht so wenig eine Spur der Aehnlichkeit wie zwischen Gaunerbande der Ochrana und den ehrenwerten Herren der „Reichspost". Bekanntermaßen.

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