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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-04 · 31 (4.8.1916) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Bloch'S Wochenschrift Sette 511 Dem Ausweis über die ersten 19 von den Russen ermordeten Juden entnehme ich: sechs waren ledig, einer Witwer, Zwölf verheiratet. Der Aelteste zählte 63 Jahre, der Jüngste 19, die anderen 53, 51, 51, 47. 46, 44, 42, 40, 38, 37, 37, 37. 36, 25, 22, 22 und 20. Der Witwer hinterläßt drei Kinder, die Verheirateten: Frau und 7, 6, 5. 4, 4, 4. 3, 3, 2, 2, 2 und 2 Kinder. Die Verwuiw düngen bestehen in Schnitten von Säbelhieben, Quetschungen, Stichen, Brüchen, Schußwtmden. Einige Beispiele: u) Schädel kreuz und quer gespalten. Linke Hand dreimal gebrochen. In Brust und Bauch Spießstiche. Eingeweide ausgetreten; in 'blutunterlaufenes Gesicht; c) linke Hand verbunden, rechte abgeschuitten. Linke Brustseite mit erstarrtem Blut bedeckt; d) Blut auf der Brust; o) Kopf schwarzblau und angeschwollen; t > Schußwunde linke Scheilelseite, Auge ausgetreten; g) Schußwunde durch den Kopf. Laut des von einem Truppenoffizier und dein genannten Zivilkommissär (Militärbeamter, in Zivil Bezirks kommt ssär) auf Grund der beeidigten Zeugenaussagen aufgesetzten Protokolls mit Erklärungen von a) zwei Christen, die die Kosaken nach Gefangennahme freigaben; b) zwei Juden, die die Kosaken nach Gefangennahme freigaben, die wieder ergriffen lvurden, aber entfliehen konnten; c) einem Christen,!der tpach der Gefangennahme entkam; cl) einem Juden, der gefangen, entflohen, wieder ergriffen wurde, erschossen werden sollte; e) einem Juden, ähnlich wie b); f) einem Juden, der entkommen; 8) einem Juden, der nach Gefangenriahme als zu jung entlassen wurde; h) einem Christen, der am Zweiten Tage freigegeben wurde, haben die Russen am 16. Juni 1915 den Rückzug aus Komarno angetreten. Sie ließen eine Kosakenabteilung als Nachhut zurück. Diese veranstaltete auf die männlicher Bewohner von Komarno, die im kriegsdienstfähigen. Alter standen, eure förmliche Jagd,- indem sie die Häuser nach solchen durchsuchte und die auf der Straße weilenden zu einem Rudel zusammentrieb. Auf diese Weise hat sie ungefähr 80 Juden und 40 Christen fortgeschafft. Von diesen hat sich ein Teil später flüchten und zurückkehren tönnen, ein Teil wurde weiterbefördert, wahrscheinlich nach Rußland, ein Teil, hauptsächlich Juden, wurde ermordet. Eirre Anzahl von Leichen dieser Ermordeterr wurde in der Urugebung von Komarno im Gebüsch und auf den Felderrr in furchtbar verstümmeltem Zustande aufgefunden. Die irr Komarno zurückgebliebene Kosakenpatrouille hat nach der oben erwähnten Fortschaffung von Zivilgefangeneu die bisher von den Kriegsereignissen vollkommen verschont gebliebene Stadt, in welcher sich auch keine militärischen Objekte befanden, in der Weise in Brand gesteckt, daß fast alle besseren Häuser der Ortschaft auf einmal unter Benützung eines speziellen Zündmaterials angezündet wurden, wobei es such auf die vollständige Vernichtung des mobilen Eigentums! der Bewohner abgesehen war, da diese an der Bergung auch des allernötigsten Hausrates durch Nagaikahiebe gehindert wurden. Faktisch ist auf diese Weise der allergrößte Teil von Komarno vernichtet worden, und der überwiegende Teil der Bevölkerung obdachlos und aller Lebensmittel beraubt; die Größe des jedenfalls mehrere Hunderttausende 'Kronen betragenden Schadens läßt sich dermaßen nicht abschätzen. Von der Gefangennahme tut läßt sich der Hauptvorgang folgendermaßen schildern: Die dreißig Gefangenen wurden abends in Jastrzebki, 6 Kilometer von Komarno, in eine Scheune gesperrt. Gegen 10 Uhr holten einige Kosaken fünf Juden ohne weiteres ab. Um Mitternacht führten sie wieder stillschweigend sechs Juden weg. 8 Uhr früh kamen zwei Kosaken, entließen den Rest mit dem Befehl, nach Hause zu kehren. Was mit den elf ersten geschehen war, wußte noch niemand, erst später stellte sich heraus, daß sie ermordet, wurden. Auf der Brücke bei Komarno hielt eine Kosaken- Patrouille die Leute an. Sie beriefen sich auf ihren Befehl. Ein Kosak befahl den .Juden, zu bleiben. Er zählte fünf davon ab, stellte sie hintereinander auf, nahm das Gewehr, schlug an und besaht, zu beten. In diesem Augenblick kam ein zweiter Kosak herzu und bedeutete dem ersten, die Juden nicht so öffentlich zu erschießen, sondern in einer Scheune. In diese lvurden zwei Juden geführt, deren Schicksal damals noch, unbekannt lvar. Inzwischen waren Oesterreicher erschienen, es entspann sich, ein Schießen hin- und herüber, während lvetcheili ein Teil der Gefangenen entkam. Ein christlicher Zeuge sagt, daß bei der Brücke der gleiche Offizier zugegell ge wesen sei, unter dessen Kommando und Abteilung etwa zehn Kosaken mit Spritzen (Petroleum, Benzin'?' die Dächer benetzt haben. Er sah den Erschießungsvorbereitungen ruhig zu. Man führte sie dann nach Rumno, wo ihnen nach ihrer Durchsuchung ein russischer Offizier riet, sofort nach Rußland zu gehen, ansonst sie zur österreichischen Armee eingezogen würden. Durch Flucht entkamen auch diese. Von den bei der Brücke Entkommenen erzählt ein jüdischer Zeuge, daß sie elltdeckt wurden und eilt Feld- Feldwebel sie zuerst mit der Pistole erschießen wollte. Sie beteuerten ihre Unschuld, und kamen vor einen Offizier, der sie ebenfalls erschießen lassen tvollte. Doch brachte man sie zu einem Kommandanten, der sie mit sechs verwundeten österreichischen Soldaten nach Horzan abschieben ließ. Unterwegs rief man sie zurück und befahl sie vor eine Anzahl Offiziere (er glaubt Divisiousstab 16). Ein Kosakenofsizier gibt Auftrag, sie zu erschießen. Der damit betraute Soldat, ein Russisch-Pole, läßt sie auf ihre. Bitten laufen. Als Nummern der beteiligten Russen werden angegeben: 90 er Donkosaken und 10 er und kl er Orenburger. Einzelne Zeugen fanden Leichen, leicht verscharrt auf den Feldern. Dies ein Auszug der wichtig sten Zeugenangaben. Ich überlasse das Urteil der Welt. Es hat niich immer interessiert, zu erforschen, aus was für tieferliegenden Gründen der Soldat kämpfen zu sollen sich vor stellt. „Der Zar hat befohlen," hieß es, genügt dem russischen Soldaten. „Der Zar hat befohlen" gilt ihm alles. Auf die Parole „der Zar hat befohlen" tut er alles. Das wäre der Gipfel der Disziplin für die Arniee einer Monarchie. Wenn diese herrscht, so ist auch die Verantwortlichkeit da für alles, was die Truppe tut. Die Armeeleitung muß wissen, daß sie gemeine Mörder und Räuber im Heere hat. Wenn sic sie nicht ausmerzen zu können glaubt, daun muß sie die Macht haben, sie zu verhindern, als Organisation auszutreten. Bis dorthin kann die Leitung keine Schuld von sich abwälzen und muß es heißen vor aller Welt: „Der Zar hat befohlen"^ >P. S. Nach den Schreckenstagen von Komarno wurden bei dem erwähnten Armeekorps ein gefangener Kosak eingeliefept. Die Versuchung lag nahe, Bergeltutlg zu über. Die Oesterreicher verhörten ihn, fanden ihn nicht strafbar und beförderten ihn nach rückwärts, wie sichs gehört."

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