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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-08-04 · 31 (4.8.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 510 Dr. Bloch'S Wochenschrift Sir. 31 27. Juni 1915, an welchem Tage die Oesterreicher bei ihrem Durchmarsch gegen Przemyslany wieder in Bobrka einzogen. Ihn, den rechtmäßigen Bürgermeister, verhaftete man, setzte ihn bald aus freien Fuß, aber nicht mehr in sein Amt ein. Auch der Bürgermeister erklärt, daß! Zivilisten die Waren genommen haben, welche die Russen auf die Straße geschasst. Ein einziges christliches Haus ist abgebrannt. Der russische Kommandant Baron von Rohd-e, der bei Grodek gefallen .und in Lemberg be-r graben sein soll, habe gesprochen: „pochulaitje rabiata!" «Spielt, Kinder.) Der Natschelnik powiato von Zydaczow (russischer Bezirkshauptmann) kommt beim Rückzug .mit dreißig Wagen geplünderter Gegenstände an. Er wohnt mit zwei Beamten beim Bürgermeister und serviert Champagner aus Gläsern des Grasen Szepticki, des Großgrundbesitzers in der Gegend von Stryj. Auf Klage des Grasen beim Etappcnkommando Revision. Einige Wagen werden dem Bczirkshauptmann abgenommen, sechzehn hat er im Garten versteckt, die ihm, wie das meiste Uebrige, bleiben. Nach kurzer Zeit des russischen Einzuges wird der Bürgermeister vor das Kommando geladen. „Wer hat die Stadt angezündet?" ist die erste Frage. „Ich, weiß es nicht, ich war nicht da." „Was ist, die Meinung der Leute?" die zweite. „Ich bin nicht gesund und gehe nicht aus, verkehre mit niemand und weiß es nicht." „Unterschreiben Sie hier, daß die österreichischen 'öolöateu den Ort in Brand gesetzt!" befiehlt der Beamte. „Das kann ich nicht unterschreiben, da ich es nicht weiß." „Sie sind ein Esel, packen Sie sich," schreit der Beamte und greift nach der Peitsche. Drei Leute der Gegend sollen die Erklärung unterschrieben haben. Als der Bürgernreister aus Rosdol zurückkam, war alles Unglück geschehen. Die Stadt war beim Einzug der Russen fast leer. Sie sollen euren Zündstoff (Pyrdlin) gebraucht haben. Andere sagen, sie bespritzten die Häuser mit einer Flüssigkeit, gaben daraus einen Schuß ab und sogleich brannte es lichterloh. Beim Brande herrschte Windstille. Der Bürgermeister glaubt, die Plünderung der Judenhäuser in Bobrka und deren Brandlegung sei gewissermaßen ein Preis für den Sieg bei Przemyslany gewesen. Die Jüdin H. F. sagt, das österreichische Militär hat den Juden Montag, 31. August, zur Wucht geraten. Als sie am Freitag heimkehrten, fanden sie ihre Häuser niedergebrannt. Auch sie weiß von den Bauern, welche geraubte Güter abfahren. Eine Jüdin sah während der Russenherrschast die ihr geraubten Kleider am Leibe von Bäuerinnen. Das war 1914. Die Juden haben sich über Winter etwas erholt und obwohl sie ihre Häuser 'nicht wieder ausbauen konnten, haben sie in den Ruinen und unter brüderlicher Aushilfe ihren Handel und Wandel wieder ausgenommen. Um den 25. Juni 1915 mußten die Russen Bobrka räumen. Freitag, 25., sagt H. F., kamen zehn Kosaken mit roten Streifen und begannen zu plündern. Ein Zwölfjähriger fuhr mit dem Messer aus sie los, als sie abwehren wollte. Am Samstag kamen sie wieder und bedrohten diesmal die Mutter mit dem Messer, weil sie Vorräte wegzuschaffen suchte. Freitag, 25. Juni, iwurde der Jude 'S. G. von Tscherlessen mit Säbeln geschlagen, weil er zwei fremde jüdi-i sche Mädchen gegen ihre Geivaltabsichten verteidigte. Mit zehn Rubeln konnte er die beiden Mädchen loskausen. Den verletzten Mann habe ich, gesehen. Frau Witwe H. B. wehrte sich für die Ehre ihrer beiden Töchter. Sie erhielt Nagaikaschläge ins Gesicht - und Säbelhiebe aus Kopf, Arnre und Beine. Dazu einen Stich in den Leib. Und eine der Töchter wurde geschlagen. Ihr Auge ist von einer schwarzen Beule .über-; dacht. Die wackere Frau deckte die Mädchen mit ihrem Leib wie eine Hennenmutter. Die Scheusale mußten unverrichterer Dinge abziehen. Den Nowerband legte Frau B. ein russischer Sanitätssoldat an, den späteren ein österreichischer Militärarzt. Ich sah die schrecklich Zugerichtete Frau, von der ich ein Bild nahm. Erhaben aus felsigem Rücken, weit über die Lande schauend, liegt Szczerzec. Im Herbst widerfuhr ihni das gleiche Schicksal wie Bobrka. 'Hier wie dort Raub und Einäscherung. Niemand weich warum. Die Kirchenkuppel aus dem Berge haben die Oesterreicher in den letzten Tagen zusammengefchpssen, weil die Russen dort ein Maschinengewehr angebracht hatten. Am 22. Juni 1915 mußten die Russen abziehen. Seit Freitag-, dem 18., hatten sie mit der zweiten Plünderung begonnen- Auch trieben sie alle christlichen Männer vom 18. bis 50. Jahre zusammen, um sie nach Rußland abzusühren. Die Oesterreicher muffen unerwartet rasch gekommen sein, denn den zurückgelassenen Juden geschah kein Leid mehr nach der Beraubung. In Bobrka und Szczerzec zählen die beraubten Familien nach Hunderten. Ich kann auf Einzelheiten gar nicht eintreten. In Komarno setzte ich mich mit dem Militärkommando, einem Bezirtsrichter, einem Geistlichen, einem Gymnasialprofessor mtb der jüdischen Bevölkerung in Verbindung. Die hier begangenen Scheußlichkeiten erfolgten am Schlüsse des Rückmarsches der Russen an der Linie Dnjestr-Sambo »Drohoby cz gegen Bobrka- Przemyslany. Die ersten Russen überhaupt waren in Komarno Gendarmen. Als am 23. Mai die ersten Soldaten eingezogen, entfernten sich, die Gendarmen, kehrteu aber am 24. Mai zurück. Am 25. Mai bezog ein Divisionstommando des 11. Kosakeniorps, wahrscheinlichOrew burger (blauer Streifen an den Hosen) in Komarno Quartier, die Infanterie nahm Stellung bei Konrirrsei. Nach der Eroberung'von Przemysl kam das 10. Kosakentorps nach Komarno. Ein Divisionsstab belegte das Pfarrhaus. Die Truppe rückte dann nach, Tuliglowy vor. In der Nacht vom 15. aus den 16. Juni kam Artillerie und Infanterie nach, die schon früher in Komarno gesehen wurde. Komarno war auch Etappenstation gewesen. Um 11 Uhr morgens begannen Sappeure zu plündern. Uni 3 Uhr traf die Queue der Kosaken ein. Zuerst zündeten sie den Meierhos in Chlopy an, gleich darauf die Häuser. Das Feuer wurde fast überall gleichzeitig gelegt. Es erschienen je zwei Reiter. Während einer die Pferde hielt, ging der andere ins Haus und legte den Brand, mit Stroh und Benzin. Er zerschlug die Lampen, daß das Del ausfloß. Die Leute wurden gezwungen, Brennmaterial herbeizuführen. In der Vorstadt sind viele Strohhüttchen gestanden, in der Mitce, besonders am Ring, gemauerte Häuser mit harter Bedachung. Auch von außen zündeten sie an, mit einen: benzingetränkten Schwamm an der Lanzenspitze. Sie sollen geschossen haben. Vielleicht mit Leuchtkugeln. Auch ein weißes Pulver (Lycopodium?) soll angewendet, worden sein. Es ging sehr rasch. Am Ring, wo die Juden wohnen, erlag fast jedes Haus dem Brand. Bei der ersten Gefahr im Herbst floh der jüdische Bürgernreister. Die Russen setzten den Polen Advokat Picersky ein, welcher die Juden als Verräter denunziert haben soll. (Das Letztere laut Mitteilung des Israeliten I. P.) Der Jude Salomon B. war kaum aus dem Spital von Rudki entlassen (28. Juni) und wohnt bei Bekannten nähe der Meierei. Ich sprach! ihn am 30. Die Not unter den Juden von Komarno ist groß. Am 17. Juni vermißte man 65 Männer ihrer Gemeinde. Am 22. waren 19 Leichen auf den unrliegenden Feldern gefunden, am 30. Juni 27, am 1. Juli laut mündlicher Aussage des Herrn Zivilkommissärs S., zugeteilt dem .... Korps, 50!

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