Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 30 (28.7.1916)
- Date
- 1916-07-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Ploch ä Wochenschrift Seite 501 Einführung des HSerraßbiners in Klraßßurg. Am 9. Juli fand in der Konsistorial-Synagoge zu Straßburg i. E. die EinsührtMg des neuen Oberrabbiners Dr. Emil Levp statt. Ein Vertreter des Statthalters sowie die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden waren dazu erschienen; ebenso der Präsident der Augsburger Konfession und der reformierten Kirche. Vorn Bischof Dr. Fritzen war ein herzliches Glückwunschschreiben eingelanscn. Krauen als Kraßredner. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde hat die Entscheidung getroffen, daß künftig Frauen ans besonderen Antrag hin bei Beerdigungen als Rednerinnen am Grabe zngelassen werden dürfen. Am Grabe einer kürzlich verstorbenen Berliner Dame hat mit Erlaubnis des Gemeinde Vorstandes die Vorsitzende eines Wohltätigkeitsvereines die Grabrede gehalten. Ikcorrespondenzen. 200 verlassene österreichisch-ungarische Kriegswaisen in Saftd! Durch das österr.-ungar. Konsulat in Sased geht uns soeben der folgende Hilferuf der dortigen Gemeinde zu: Ein jüdisches Waisenhaus für Safed. Mit unerbittlicher Grausamkeit hat der Tod in den letzten Monaten unsere Stadt durchwütet. Ganze Familien sind ausgeslorben, ganze Häuser verödet. Gegen 200 Waisen sind hungernd zurückgeblieben. Fast die Hälfte von ihnen hat weder Vater noch Mutter, und schutzlos. hilflos wälzen sie sich in den Gassen. Und viele dieser Unglücklichen gehören zu den vesten, begabtesten Kindern der Stadt! Sollen sie im Elend verkommen? Schon hat die „Hilsskommißion 1915 für Palästina" den ersten Schritt der Hilfe getan, indem sie etwa 400 Kronen wöchentlich für diese Waisen zur Verfügung stellte. Aber das ist nur ein Anfang. Wir müssen eine Küche für alle Waisen und ein Heim für diesenigen Kinder eröffnen, welche gänzlich verlassen sind. Brüder in Oesterreich! Von gar vielen Seiten wird an Euer mildes Herz appelliert. .Vergeht aber darum nicht die armen Waisen in Safed! Sendet uns Unterstützungen durch die Wiener „Hilfskommission 1915 für Palästina"! Helfet den armen Waisen! Adresse für sämtliche Zuschriften: Dr. A. Kap r a l i k, Wien, 4. Bez., Frankenberggasse 1t. Sämtliche Spenden sind an das BanHaus S. M. o. Rothschild, Wien, 1. Bez., Renngasse 3, zu senden. Zahlstelle: für O e st e r r e i ch : Bankhaus S. Ai. v. Rothschild, Wien. 1. Bez., Renngasse 3; für Ungarn : Magyar Altalanos Hitelbank, Budapest,- für Deutschland: Deutsche Bank, Berlin. Postscheck-Konto dir. 1000.— (auf das Konto: „Hilfskommission 1915 für Palästina" für Waisenhaus in Safed. Aufruf! Die zirka siebzig ücrmunbeten und kranken jüdischen Soldaten im Reservespital Nr. 18, Wien, 12. Bez., Ruckergasse 40, bitten Glaubensgenossen um Zusendung jüdischer Zeitungen soivie älterer Journale, sei es in hebräischer, deutscher oder jüdischer Sprache. Wir bitten um diese geistige Stütze; die alten jüdischen Zeitungen, anstatt zu verbrennen, möge man uns spenden, damit lvir nicht nötig haben, Literaturerzengnissc wie „Reichspost", „Christlichsoziale Arbeiterzeitung" ustv.. die uns massenweise täglich Zugeführt werden, zu lesen. Wir sehen, daß die sieben Soldaten italienischer Nationalität und die drei Soldaten rumänischer Nationalität täglich Zeitungen in ihrer Muttersprache erhallen. Nur wir Juden werden von unseren Glaubensgenossen vernachlässigt; wir erhalten keinerlei Lektüre und müssen dankbar sein, wenn man uns eine christlichsoziale Zeitung zum Lesen bietet. Deswegen bitten wir Glaubensgenossen um Zusendung von Lektüre, und zwar an die Adresse: Militärpflege im k. k. Reservespital Nr. l8, Wien, k2. Bez., Rücker gasse 40. _ Hilferuf. In der Gemeinde Wsetin sind in der letzten Woche über 300 galizische Flüchtlinge eingetroffen, die all ihr Hab imb Gut im Stiche lassen mußten, nur vor dem grausamen Feinde wenigstens das nackte Leben zu retten. Der i s r a e l i t i s ch e Si nltnsverei n in Wsetin Hai sich dieser Aermsten angenommen, um ihnen nach besten Kräften lvenigstens über die ersten Tage der ärgsten Not hinwegzuhelfen, doch sind die zur Verfügung stehenden Mittel nur beschränkt. Die Kultus gemeiude richtet'daher an alle edlen Menschenfreunde die dringende Bitte, zur Linderung dieser Not durch Spenden beitragen zu wollen. Auch die kleinsten Spen den werden gern angenommen. Sendungen in barem Getde sowie in allen Kleidern. Schuhen und Wäsche wollen an Herrn Map Reiß, Schriftführer des isr. Kultusvereines in Wsetin, gerichtet werden. Aufru s! Einer schweren Not Abhilfe zu bringen, bat ein Damenkomitee sich die Ausgabe gestellt, jüdischen Soldaten in der Festung Krakau im ailgemeinen, namentlich Soldaten und Zivilpersonen, welche sich als Häftlinge in den Feldarresten der k. n. k. Feldgerichte in Krakau befinden, unentgeltlich rituelle jüdische Kost zu verabreichen. Die Notwendigkeit d-'eser Maßnahme erwies sich als überaus dringend. Es zeigte sich, daß jüdische Soldaten, welche die Menage nicht essen wollten, und infolge der ganztägigen Beschäftigung keine Gelegenheit hatten, ein Lokal aujznsuchen, wo rituelle Kost zu erhallen wnr, und wegen Mangels an Geld überhaupt an die Beschaffung ritueller Kost nicht denken konnten, an ihren Kräften schwere Einbuße erlitten, den Dienst nicht versehen konnten und sich obendrein den Verdacht znzogen, daß sie sich dem Dienste mutwillig entziehen, was ans das Judentum im allgemeinen ein schlechtes Licht zu werfen geeignet war. Es kam aber soweit, daß das Leben der jüdischen Häftlinge, welche sich aus Brot und Wasser beschränkten, ernstlich bedroht war. Es schien uns darum Menschenpflicht, eine Aktion einzuleiten, um diese Häftlinge beim Leben zu erhalten. Dieser dringenden Ausgabe haben mir uns gewidmet, indem wir auf Grund der Zustinunnng des Festungs kommandanten in Krakau zivei Volksküchen in Krakau errichtet haben, eine bei der Mazowieckigasse, 'wo wir täglich IM bis 200 Soldaten die Mittagskost verabreichen, und beim Matejkoplatz, wo nur einstweilen nur Freitagabends nnt> Damstags jüdische Soldaten ansspeisen. Durch die gesunde rituelle Kost gestärkt und bei Kräften erhalten, erfüllen heute die jüdischen Soldaten ihren Dienst zur Befriedigung der Vorgesetzten. Außerdem erwirkten lvir die Bewilligung der täglichen Beistellung der rituellen Kost an die jüdischen Häftlinge der Feldgerichte in Krakau, lvo wir täglich unentgeltlich 80 bis 100 Mittageportionen bnfU'ltnt. Diese humanitäre Tätigkeit des Komitees, durch die mehrere Hundert Menschen geradezu dein Leben erhalten bleiben, erfordert sehr bedeutende Kosten gegen 2000 K. wöchentlich die gesammelten Gelder sind nun erschöpft und droht dieser humanitären Aktion eine Katastrophe. Wir sehen uns daher veranlaßt, uns all die öfteru Uche Wohltätigkeit mit der Bitte zu wenden, uns in der