Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 30 (28.7.1916)
- Date
- 1916-07-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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gelte 500 %'t. Blüch'S Wochenschrift 'Jfi 30 Wachrnheim (Pfalz). Kriegsfreiw. David Herzberaer, im Jnf.-Rgt. Nr. 109. Walsrodt. Unteroffizier Moritz H i I d e s h e i in e r. Wetter (Hessen-Nassau). Tobias B a ch e n h c i m e r. Wilhermsdorf. Mar Strauß, Unteroffizier der Rcs. im 10. Feldart.-Rgt. Worms. Fritz Mayerfeld, Inhaber der Hess schen Tapserleitsmedaille. Würziburg. Ludwig Oppenheimer, Gefreiter im 5. bayer. Feldart.-Rgt. Zittau (Sachsen). Assistenzarzt Mar B r i n i tz e r, Inhaber des Ritterkreuzes 2. Masse vom Albrechts-Orden mit Schw. Züschen b. Fritzlar. Mar Katz, im Res.-Jns.-Rgt. Nr. 71. Km Jude auf dem Kandekstauchvoot „peulschkand". Auf dem berühmten Untersee-Handelsschiss „Deutschland" befindet sich auch ein Jude unter der Mannschaft. Es ist dies, wie man uns mitteilt, der zwanzigjährige Herr Ludwig Dchwarzsch ild, der als Elektrotechniker auf diesem Schiffe beschäftigt ist. Kokineau und Ktzamßerkain. In der „Ostdeutschen Rundschau" liest man iu der Nummer vom 22. Juli: „Gras Gobineau hat stets erklärt, daß er normannischer Abstammung sei und sich ganz als Germane fühle, wir gedenken seiner auch im Kampfe mit Frankreich als eines der Unseren, der als Begründer der neuen politischen Rassenlehre gerade im Sinne deutschvölkischer Gedankengänge bahnbrechend und wegweisend gewirkt hat. Ebenso ist H. St. Chamberlain ein Germane, der im Deutschtum die Krönung germanischer Weltanschauung sieht, wie Gobineau. Deshalb gehören die Beiden ganz zu uns. Die Hebräer der „Frankfurter Zeitung" und des „Berliner Tageblattes" aber trennt eia unüberbrückbarer Abgrund, trennt die Rasse von unserer germanischen Weltanschauung. Juda darf sich nie anmaßen, bei deutschen Anliegen mitreden zu dürfen. Das ist der Unterschied." lieber dieses Vorbild germanischer Edelrasse macht sich Dr. Albrecht Wirth iu seinem Werke „Nasse und Volk" mit Recht lustig: ,.G o b i n e a u verherrlichte den germanischen Norden und lebte am liebsten im Süden oder gar im Orient. Er pries die Schlachten der Normannen und er selbst hat g e s ch r i f tst e I l e r t und g e b i I d h a u e r t. Er sprach von der Köstlichkeit germanischer Sitte; er selbst hatte einen persischen Dien e r, hockte auf einem persischen Teppich und rauchte Nargileh. Er war stolz aus seinen edlen Stamm, aber er verkaufte sein Ahnenschloß. Laut Sai kliere soll er gar ein Gascogner gewesen sein." Von Folgerichtigkeit ist bei Gobineau feine Spur. Mit lauter Stimme preist er den Vorzug der Germanen; dann aber gesteht er den anderen Rassen ivesentliche Tugenden zu und rühmt Vorteile an ihnen, die bei näherem Zusehen gar nicht Stich halten. Für die Slauen hat er eine richtige Manie: er sicht sie überall, in Spanien, Frankreich, in den Gründern Venedigs, in den Aschkenasi der Bibel usw. H. St. C h a m b e r l a i n schreibt über Gobineau: Ich verehre den geistreichen Franzosen und freue mich über die originelle Physiognomie eines Mannes, der juristische, paragraphose Büchergelehr>amkeit mit den hyperphantastischen Träumereien eines apokalyptischen Weltuntergangsverkünder in seinem Kopfe zu vereinen wußte; doch bei dem Gobineau-Rummel der letzteren Zeit reiht mir die Geduld. Es ist ja ganz schön und nützlich und notwendig, daß gewisse Menschen sich der Juristerei, der Kunstgeschichte, der Literatur widmen, und es ist entschuldbar, wenn sie keine Zeit übrig finden, um von den Arbeiten auf dem Gebiete der Naturwissenschaft Kenntnis zu nehmen; doch ist es wirklich ein starkes Stück, wenn eine Vereinigung solcher Männer das Werk eines der ihrigen, der von Anatomie, Zoologie, Anthropologie, Prähistorie keine bl a s s e st e n Kenntnisse besaß, und der vor einem halben Jahrhundert schrieb, d. h. zu einer Zeit, wo die große Aera der Entdeckungen auf diesem Gebiete kaum angebrochen war — es ist, sage ich. ein starkes Stück, wenn ein solches Werk uns heute als der Inbegriff des Wissens und der Weisheit^ über die Rassenfrage aufgetischt wird, zugleich auch als ein treibendes Ferment in der neuesten Entwicklung unserer Vorstellungen über die Menschenrassen. Eine ernst zu . nehmende und nützliche Theorie der Rasse kann nicht auf die Märe von Sem, Ham und Zaphet und auf noch so geistreiche Institutionen, vermischt mit haarsträubenden Hypothesen aufgebaut werden, sondern nur aus gründliche und umfassende naturwissenschaftliche Kenntnisse. Ein Alan» wie Gobineau ahnt nicht einmal die enorme Vcrwickeltheit des Problems, das er so einfach und mit kindlicher Allwissenheit zu lösen unternimmt." Ob die Fanatiker der Rassen-Anthropologic, wenn sie sich jetzt zu Gemüte führen,' was englische und französische Gelehrte von Rang an dem Schädel und Blute der Deutschen vordemonstrieren, nachdenklicher gestimmt werden? Die ,.8oeiete jn-ehistorique francaise“, der die führenden Männer der anthropologischen Wissenschaft angehören, hat seinerzeit, wie Bechholds „Umschau" meldet, die Streichung der deutschen und österreichisch-ungarischen Mitglieder taut Protokoll (Bulletin XI. 8, S. 402) beschlossen, mit der Begründung, daß die Gestrichenen •j elic Geschöpfe ohne Menschlichke it feien, deren Kulturstufe wir vergebens suchen würden, st i e g e n mir a uch die Stufenleiter menschl ich er Entlv i ck l u n g.g a r b i s z u m P i t h e k a n t h r o p o s h e ra b." Sie seien als Abnormitäten, als Monstren zu betrachten, und einer der französischen Anthropologen, C a - Pitan, erklärt ausdrücklich, daß die Entwicklung des deutschen Gehirnes in mancher Beziehung monströs sei, „einige Funktionen siud außerordentlich stark entwickelt, andere dagegen ausfallend gering, sie fehlen sogar oder sind atrophiert". Neuerdings hat nun nach dem gleichen Blatte der Engländer Arthur Keith eine illustrierte Studie unter dem Titel: „S i n d wir Vettern der Deuts ch e n?" veröffentlicht, worin ganz nach dem Vorbilde der Rassenantisemiten unter Beigabe wissenschaftlicher Abbildungen der deutsche und der englische Schädel miteinander verglichen, als charakteristische Kennzeichen des ersteren hohes Schädeldach und flacher Hinterkopf (Typus: H i n d e u - b u r g), des englischen dagegen niederes Schädeldach und hervorstehender Hinterkopf „nachgewieseu" werden. Kulturarbeit im Hsten. Der „Jüdischen Zeitung", Nummer 29 vom 21. Juli 1916, wird gemeldet: Nach verschiedenen Nachrichten, die aus dem Okkupationsgebiet hierher gelangen, lvird dort jetzt aus vielen Gebieten mannigfache Kulturarbeit geleistet. Besonders teil hygienischen Zuständen wird rege Aufmerksamkeit zngewendet und die nötigen Maßregeln werden mit Energie durchgeführt. So haben wir in Nr. 22 unseres Blattes berichtet, daß alle Chadarim in Radom aus hygienischen Gründen gesperrt worden sind. Staatssekretär Keljserich in einer jüdischen Kyederschule. Bei seinem letzten Aufenthalte iu Warschau besuchte Herr Staatssekretär Dr. Helsferich unter Führung des Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas auch die orthodoxe Chederschule „Jessande-Hathora". Er besuchte alle Abteilungen, wohnte auch dem Talmudunterricht bei und interessierte sich für die eigenartigen Lehrmethoden. Der hohe Gast äußerte seine Zufriedenheit über die Ordnung und den Lehrerfolg dieser musterhaften Anstalt.