Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 29 (21.7.1916)
- Date
- 1916-07-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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r»r. 29 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 4SI dauer, sondern aus drei Jahre beschränkt wurde. Am 29. April 1813 ist die Abschaffung der Toleranzsteuer von der Regierung beantragt worden und im folgenden Jahre auch genehmigt. Es gehört vielzuviel Mut dazu und ein großes Selbstbewußtsein, daß einer, der am Anfang des Jahres 1800 nach Wien kam, solche scharfe Vorhalte gebraucht Männern gegenüber, die seit langem in Wien wohnten und manche auch hier geboren waren! Wir begegnen ihm zuerst am 2. Mai 1803, wo er zusammen mit dem längst in Wien tolerierten, in Prag geborenen Weinhändler Jakob Tebeles**) als Beisteher bei der Trauung (seines Bruders?) von Jsak Sichrowsky mit (der Schwester seiner Gattin?) Esther Kuh, die von früher her bei Myses wohnten, füngierte. Merkwürdigerweise kommt er in keiner Steuerliste vor, auch nicht in der vom Jahre 1808, obwohl er 1808 das Büchelgeld per 12 fl. jährlich und eine einmalige Aushilse für das Spital (10 fl.) leistete; erst 1812 ist von ihm eine namhafte Summe von 550 fl. Requisitionssteuer notiert. Moses starb am 17. Juli 1822 im 59. Lebensjahre; den von ihm hinterlassenen Tuchwarenhandel führte seine Witwe Elisabet mit Hilfe ihres Geschäftsführers (vielleicht ein Sohn ihres Bruders) Leopold (Löbl) Kuh aus Prag fort, der am 25. November 1827 im Alter von 25 Jahren ihre im gleichen Alter stehende Tochter Katharina geheiratet hatte. Elisabet starb am 13. November 1832 im 72. Lebensjahre. Am Grabstein heißt sie Esther, Tochter des Löbl Kuh, wohl des Obgenannten, der am 25. April 1807 starb, da wir im Kassabuch vom 15. Juli a. c. eine Spende von 15 fl. finden, die Moses Sichrowsky für die Grabstätte seines Schwiegervaters (ohne Namen) entrichtete. Schon am 25. November 1831 ersuchte Leopold Kuh die Landesregierung um die Verleihung der Großhandlungsbefugnis und der damit verbundenen Toleranz, wozu man den 'Besitz eines Minimalfonds von 50.000 fl. nachzuweisen hatte. Er erhielt die Toleranz erst nach dem Ableben seiner Schwiegermutter laut Regierungsdekret vom 18. März 1833. Am 30. August 1835 dankte er den Vertretern der Kultusgemeinde für ihre Zuschrift vom 27. August und nahm die ihm dort angezeigte Uebertragung eines Bethausvorstehers mit der Versicherung an, diesem schmeichelhaften Beweis ihres Vertrauens gerecht zu werden. Leopold und seine Gattin starben nicht in Wien, sondern in Triest, wohin sie 1846 übersiedelten. Von seinen in Wien geborenen fünf Kindern sind besonders die zwei .ältesten zu erwähnen. 1. Emil (Moses), geboren am 13. Dezember 1828, studierte in Wien Philosophie und Geschichte. Sein Vater zog ihn ins Geschäft nach Triest, wo er aber kaum ein Jahr aushielt, und Ende 'des Jahres 1847 kehrte er zu seinen literarischen Studien zurück. Nachdem er 1857 in Berlin zur katholischen Kirche übertrat, kehrte er 1858 nach Wien zurück, war zunächst als Journalist und Literaturkritiker tätig und wurde 1864 zum Professor der deutschen Sprache und Literatur an der Wiener Handels-, akademie ernannt. Er verfaßte mehrere Schriften, darunter eine (nach seinem Tode herausgegebene) Biographie Franz Hebels in zwei Bänden. Er starb in Meran am 13. Dezember 1876. 2. Angelo (Joßl), geboren am 2. Juli 1830, ist der 1874 geadelte Dr. med. Ritter v. Kuh. Ferner **) Eine Tochter Tebeles war die Gattin des in Preßburg wohnhaften Dr. med. Leopold Kuh, der der Kultusgemeinde Wien ein Derteidigungsschreiben, dato 18. November 1829. gegenüber den Verleumdungen der Tebeles'schen Erben einsendete. 3. Philipine (Peßl), geboren am 4. Februar 1832; 4. Eugen (Tobia), geboren am 8. Dezember 1834, und 5. Solly (Salman), geboren am 15. Mai 1846. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Jahrbuch der Ung.-Jsrael. Literaturgestllschaft pro 1916. Mit entsprechender Kriegsverspätung ist das zweite Kriegsjahrbuch der Ung.-Jsrael. LtteraturgeseUichaft, das 41. seit ihrem Ge,lande, nunmehr erschienen. Unserer vorjährige.!, an dieser Brette geäußerten Voraussage, dieses Buch werde im ganzen dem Thema des Krieges gewidmer sein, entspricht es inso,erne nicht, als der bewährte Redakteur dieser Publikationen, Seminacdirertvr Dr. o°!ef Bän 6 czi bestrebt sein mußte, auch den sonstrgen Aftualitäten und Ansprüchen des öffentlichen ung.-jüoischen Lebens literarisch gerecht zu werden. Hierdurch enhrand größere Abwechslung, arlen,aUs auch manch innerer Wert. So fesselt uns gleich an teilender Steile eine fast fünf Druckbogen umfassende (Studie fd.es /Wiener Seminardozenten Prof. S. K r a u s z, die er der Charakteristik seines Meisters und Musters, des ihm geistig sowie familiärverwandten Pros. W. Bacher weiht. K r a u s z versteht es, durch eine ganze Neihe von zutreffenden, meist rein persönlich erfahrenen Zügen uns das anziehende, zugleich majestätische Bild eines großen Menschen und Lehrers in Zsrael erstehen zu lassen, dessen Werte dieselbe Ehrlichkeit und Vollkommenheit spiegeln, wie sie seine Persönlichkeit zierten und von dessen Leben der Darsteller die Konklusion ableiten darf: Die tüchtige Arbeit setzt sich stets durch und wird von Erfolg gekrönt. Das nächstfolgende Poem eines treuen Schülers, Rabb. Dr. Jsak Pfeifers (Pap), ebenso die Arbeit des jungen Seminarlektors, Dr. Mar Klein, befassen sich ebenfalls mit dem Wirken, resp. mit dem letzten Werke Bachers. Nun folgt eine anregende Abhandlung des Szekesfehervurer Rabbiners Dr. Jakob Steinherz über die Entstehung und Entwicklung des Messiasgedankens, dem er in der Bibel von Abraham angefangen bis über die letzten Propheten Schritt für Schritt nachfolgt. Meiner Ansicht nach, beleuchtet er jedoch dadurch — in rein wissenschaftlicher Weise — bloß das Anfangsstadium des sogenannten messianischen Jdeenkreises, den auf. die Zukunft gerichteten jüdischen Optimismus, während der „Messias" selbst jedenfalls das Produkt einer späteren Zeit ist. Rabbiner Dr. Lazar Schwaiger, Eger, läßt uns in vagen Zügen die ziemlich wenig sympathische Gestalt des philosophus vagaimniliis aus dem 18. Jahrhundert, des Kant-Erklärers Maimon, vorüberziehen, erst dann kommt der Krieg zu Worte. Redafteur Josef P a t a i setzt die im letzten Bande begonnene Darstellung der hebräischen Kriegspoesie nunmehr im nachbiblischen Zeitalter fort und erfreut uns besonders durch die gelungene Uebersetzung der ergreifend:» Kriegsgesänge des Samuel Hanagid. Als Pendant hiezu kann die Arbeit des Unterzeichneten gelten, der unter dem Titel: Kriegssagen in der biblischen Tradition, die schönsten Kriegslegenden der Agada und deren Fortentwicklung bei Josephus, Josippon und besonders in dem mittelalterlichen Kriegsromane „Sefer hajaschar" zusammenstellt. Der vor uns entstehenden Legende, den Stimmungen des jetzigen Weltkrieges entspringen die Gedichte der beiden Poeten: Aler. F'e l e k i und Avigdor Kova Feuer st ein; sanft verklärend abgerundet die ersten, eruptiv-frisch, formlos die letzteren. Auf die während der heutigen äußeren und inneren Umwälzungen öfter als sonst sich erhebende Frage: Tradition oder Progression, subjektiver Glaube und objektive Kritik — sind sie miteinander vereinbar? — antwortet der Publizist N. H a j d n mit einer „Antwort auf eine Interpellation" betitelten, mehr polemisch-persönlichen als wissenschaftlich überzeugenden Ausführung. Und nun folgen wieder Nekrologe — das Kriegsjahr hat auch zu Hause reiche Ernte gehalten! Rabb. B- V a j d a, Losoncz, würdigt den verdienstvollen Vorkämpfer des ungarischen Judentums Redakteur M. S z a b o l c s i, der Kolozsvarer Rabbiner-Dozent Dr. M. Eisler den gewesenen Leiter der ungarischen Kongreßjudenheit Josef von Simon, während der gelehrte Prof. B. Heller diesmal dem würdigsten Gegenstände, dem Andenken Moritz v. K ä r m ä n s, des als praeceptor llunsiar.ne anerkannten tiefschürfenden Kulturpädagogen, seine Feder widmet. Heller zeigt uns aus bisher fast unbekanntem Terrain, was in der Lehre, in den Leistungen und auch im Lebenslaufe Karmans jüdisch und für uns von besonderer Bedeutung war. Prof. B. K o h l b a ch, der eine Kustos des Ung.-Jüdischen Museums, gibt uns eine Ilebersicht über die Kultusaltertümer desselben, und nun können wir uns der Belletristik zuwenden, von der uns wenig, aber auserlesene Kost geboten wird. Der „junge S z a b o l c s i " übersetzt innige charakteristische Dichtungen von L. Gordon, E. M o l n a r, solche von I. L. Perez. Jlles K a c z 0 r, von dem wir auf Grund seines jüngsterschienenen Buches „Khafrit" auch seiner sonstigen Arbeiten wohl die Schaffung des altjüdischen historischen Romanes erwarten dürfen, ergreift uns mit der lebensvoll ver-