Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 29 (21.7.1916)
- Date
- 1916-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Sir. 29 jy Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 479 Dollar gelautet. Mr. Heller lehnte den Auftrag aus Opposition gegen den Krieg ab. Einige Tage früher hat ein anderer amerikanischer Jude aus derselben Stadt, Theodor Phillips, eine Bestellung im Werte von 900.000 Dollar auf Maschinen zur Herstellung von Kartcitschen abgelehnt. Hat doch erst vor wenigen Tagen noch die „Morningpost" Sir Isaak Rusus (Lord Reading) einen Struck daraus zu drehen gesucht, daß er die deutschen Kriegsgefangenen z u milde behandelt habe, und diese Rücksichtnahme auf versteckte Sympathien des jüdischen Kabinettmitgliedes für Deutschland zurückzusühren gesucht. Oder glaubt jemand im Ernst, daß der bisherige Postminister Herbert Samuel, der als Nachfolger Churchills zum „Kanzler des Herzogtums Lancaster" ernannt worden ist, ein besonders fanatischer Deutschenhasser ist? Er, der noch im Herbst 1912 schrieb: ,.Es gibt jetzt hier nicht und hat nie gegeben irgendeine Absicht oder irgendeinen Wunsch, Feindseligkeiten mit Deutschland zu provozieren. Denn die britischen Staatsmänner und das britische Volk wissen sehr wohl, daß ein bewaffneter Konflikt zwischen jenen zwei Nationen, die zu den Hauptpionieren der Zivilisation gehören, die in der vordersten Front der aufwärtsstrebenden Menschheit marschieren, das größte Unglück darstellte, sowie daß jene, die ihn verursachten, tausendfach verbrechrischer handelten, als irgendein Mörder, der seinen Nachbar auf der Straße niederstäche." Nur einer Bemerkung der „Rejchspost" müssen wir uneingeschränkt beistimmen: „Wir sollen im Weltkrieg nicht bloß kämpfen und dulden, sondern auch lernen. Je mehr es uns gelingt, den Kern der Dinge, die Verkettung der kulturellpolitischen Ursachen und Wirkungen zu erfassen und aus dem Erfassen gu entsprechenden Vorsätzen emporzusteigen, umso besser unsere Arbeit für die Zukunft." Die Wahrnehmung aber, die sich während des Weltkrieges jedermann unwillkürlich aufdrängt, ist die bezeichnende Erscheinung, daß in allen Ländern des Vierverbandes, in Rußland, in Frankreich, in England und in Italien, es die publizistischen Herolde des Judenhasses sind, welche als Kriegshetzer sich unablässig bemühen, durch Lüge und Verleumdung alle bösartigen Instinkte^ der Massen gegen die Zentralmächte aufzupeitschen, um den Krieg immer weiter zu verlängern. (Schluß folgt.) Die Kalkanuni» Orienlsrktion des lr. k Handelsmuseums. Vorige Woche fand in Wien die gründende Versammlung der Balkan- und Orientsektion des k. k. österreichischen Handelsmuseums statt. Der Zweck dieser Neugründung ist vornehmlich die Förderung der wissenschaftlichen und kulturellen Erforschung der B a l k a n l ä n d e r (e i n s ch l i e ß l i ch R u - m ä n i e n s) und d e s O r i e n t s, s o w i e die Pflege u n b Ausgestaltung der wirtschaftspoliti - schen Beziehungen zu diesen Gebieten. Entsprechend diesem breiten, weit ausholenden Arbeitsprogramme war auch der Kreis der Persönlichkeiten, welche durch ihr Erscheinen ilnd ihre Bereitwilligkeit, an der Erreichung dieser großen Friedensziele mitzuarbeiten, die Wichtigkeit der Schaffung dieser Balkatt- und Orientsektion noch tnehr unterstrichen. Neben den Vertretern der Regierung, der Fachministerien, der Handelskammern, des Großhandels und der Industrie, konnte man den Berufspolitiker und den gelehrten Balkan- und Orientsorscher sehen. Wenn wir uns in diesen Blättern mit der Gründung dieser neuen Sektion des österreichischen Handelsmuseums und ihren Arbeiten und Endzielen eingehender befassen, so geschieht dies aus dem Grunde,, weit Die Balkan- und Orient)enion im Grunde jene Arbeiten auszugestalten und in ein System zu bringen unternimmt, weiche bis zum Ausbruch des Weltkrieges und zum Teile auch während desselben fast ausschließlich von Juden sowohl der in Betracht kommenden Bairan- und Orientgebiete, wie auch der Monarchie geleistet wurden. Die neue Arbeitsstelle des österreichischen Handelsmuseums wird dort anknüpsen müpen, wo die auf eigener Gefahr — in des Wortes wahrstem Sinne — geieistete Pionierarbeit jüdischer Kaufleute, jüdischer Unternehmer und jüdischer Forschungsreisenoer durch den Krieg unterbrochen wurde. Manche der hohen Persönlichkeiten, welche in jener gründenden Versammlung anwesend waren und das Wort ergrifsen, mochte es jetzt bedauert haben, daß diese jüdischen Pioniere österreichischer Kultur- und Handelsbeziehungen zum Balran und dem nahen Orient, die mit großem Aufwand an Arbeit, Geldmitteln, tau,männischer Zähigkeit und erfinderischem Geiste, gar oft unter Gefährdung persönlicher, materieller Interessen, österreichischen Produkten den Weg nach dem Orient ebneten, seitens der Staatsbehörden nicht die entsprechende Würdigung und Förderung gesunden haben. Von jeher lag der Handel im Orient in den Händen der Griechen und Juden. Der zuweilen sehr erbitterte Konkurrenzkampf dieser beiden Voltsstämme marin letztem Ende auch die Ursache des unüberwindlichen Hasses der Griechen gegen die Juden, der an Orten, wo die Juden den wirtschaftlichen Sieg davonzutragen drohten, trotzdem die Griechen numerisch die Uebermacht besaßen, in Judenverfolgungen und Judenmassakres sich Luft machte. Eine Wirkung dieses griechischen Judenhasses mar, daß die Juden des Orients vornehmlich mit jüdischen Kaufleuten des Auslandes in Geschäftsbeziehungen traten, und da diesem Bestreben die geographische Lage der Monarchie noch besonders zustatten kam, so waren es österreichische und ungarische jüdische Kaufleute, welche in erster Reihe den Wünschen der jüdischen Kaufleute im Orient Rechnung trugen. Die allmähliche Emanzipation der orientalischen Juden vom griechischen Handel, ganz besonders auf jenen Gebieten, auf denen die Monarchie konkurrenzfähig war, zwang auch den griechischen Konsumenten nach und nach den österreichischen Markt auszusuchen. Diese Tatsachen, sowie die weitere, daß die Juden im Levantehandel eine für die Monarchie sehr wichtige Rolle spielen, sind den meisten der Persönlichkeiten, welche sich in der Balkan- und Orientsektion des k. k. österreichischen Handelsmuseums zu gemeinsamer Werbearbeit zusammentaten, sehr gut bekannt. Die jüdischen Kausleute aus dem Balkan und im Orient sind nahezu in ihrer Gesamtheit spaniolische Juden, die aus ihrer alten Heimat einen ausgeprägten Geschäftssinn, treffsichere politische Voraussicht, verbunden mit eineni gesunden Egoismus und einer Mäßigkeit in der Lebensweise mitgebracht und bewußt kultiviert haben. Aus diesen ihren Eigenschaften ist es zu erklären, daß, trotzdem sie, infolge politischer Kurzsichtigkeit der Juden — übrigens nicht nur der Juden — der Mittelmächte, jahrzehnte hindurch die Kostgänger französischer Kultur waren, sich dennoch den Werbungen jüdischer Handelsreisender au» den Mittelstaaten zugänglicher zeigten, sobald diese sich ihnen näherten und den spezifischen Anforderungen gewachsen zeigten. Aber, wie gesagt, diese Bemühungen jüdischer Handelsreisender und ihrer jüdischen Auftraggeber haben hierzulande nicht die erforderliche Unterstützung gesunden. Der Schreiber dieser Zeilen hatte, als er zur Zeit des antiösterreichischen Boykotts in der Türkei in wichtiger