Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 29 (21.7.1916)
- Date
- 1916-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 478 Dr. Bloch's Wochenschrift Rr. 29 hat. Man will nämlich — ober will jemand nicht? — den Hader Zwischen den österreichischen Natioualikäteu beilegen. Man will ein altes und verheerendes Feuers löschen, bei den Juden aber läßt inan es ein bischen brennen. Hat man aber nicht schon hundertmal gesehen, daß das Feuerchen, das in einer Ecke brennt, plötzlich das ganze Haus ergreift? Um vom bildlichen Ausdruck in beu stofflichen zu kommen: Man hat seinerzeit in der Brütezeit der Judenhetze jedem Schmierfinken und Demagogen erlaubt, gegen die Inden jeden beliebigen Grad von ° Roheit zu gebrauchen. Plötzlich jedoch fanden ein paar radikale nationale Blätter, daß man gegen die Deutschen oder Tschechen oder Slovenen oder gegen welchem nationalen Gegner immer den gleichen Don au-c schlagen könne, den man "seit Jahrzehnten gegen die Hilden gebrauche. So entstand mit einemmale aus der inneren Politik eine Berserkerschlacht, in welcher gerade die niedrigsten Elemente die Oberhand gewannen. Die Regierung konnte diese Flut nicht plötzlich eindämmen. Sie mußte den gegen die Juden üblichen Radauton wohl oder übel allgemein gestatten, und die verhängnisvollen Folgen haben wir gesehen. Man hat vielleicht daraus etwas gelernt und nicht alles vergessen. Wenn man die alten Methoden lassen wird, so werden auch die früheren Folgen eintreten. Schon mehren sich die Anzeichen, daß die antisemitische Presse ihren alten Ton noch übertrefsen will, und man hindert sie <.icht an ihren mehr oder minder geschickten Verleumdungen und an ihrer Hetze. Gleiches Recht für alle — das werden die Provinzblätter später sagen, wenn sie nicht gegen Juden, sondern zufällig gegen Nationalitäten mit der Faust, statt in 'einem Wettstreit der Kultur kämpfen werden. Warum sollte gerade ihnen der Pogromton verwehrt werden. Wenn man ihnen wird wehren wölken, werden sie'den Staatsanwalt daran erinnern, was er der antisemitischen Presse gestattet hat. Die „Dluiokratie" als Urheber bes Weltkrieges. (Eine Enthüllung der „ReichZpost".) Die „Reichspost" vom Samstag, den 15. Juli, erwirbt sich das hohe Verdienst, in einem Artikel: „Plutokratie und Weltkrieg" über die wahren Urheber des grausamen Weltkrieges das christliche Volk aufzuklären. ,.Da redet und erzählt man breitspurig von Ministern und Diplomaten. man macht Spässe über die Nöten Salandras und Sonninos, philosophiert über die Macht Briands und Sastönows, aber sie sind doch nur Vorgeschobene, nur Drahtpuppen; statt von ihnen, sollte man, wenn politische Macht und politische Entschlüsse in Frage stehen, von Bankleuten, von Industrieverbänden, von Börsenmagnaten reden. Da bestaunt man Glanz und Kraftfülle der Fürsten; wie Götter scheinen sie über die Erde zu wandeln; die Entscheidung über Krieg und Frieden scheint in ihrer purpurgoldenen Toga, die Entscheidung über Paradies und Hölle für die Völker in ihrer Brust zu ruhen. Ob Georg von England, Viktor Emanuel von Italien — sie werden der Welt als die großen Macher und Entfchließer aufgeredet; in ihrem Namen werden Treugelöbnisse gebrochen, Hcece mobilisiert. Schlachten geschlagen — und wiederum sollte man statt von ihnen von Bankleuten, von Industrieverbänden, von Börsenmagnaten reden. Die großen Geldleute bestimmen heute die Geschickeder Welt!" „Auch der Weltkrieg kommt aus das Konto der Plutokraten. Wo den tieferen Ursachen der gegenwärtigen Völkerkatastrophe nachgegangen wird, redet die ernstere Kriegsliteratur des In- und Auslandes von den Führern des modernen Kapitalismus und Kommerzialismus." ,,Der Weltkrieg ist ein Krieg der Plutokratic. Er ist von London aus ins Werk gesetzt. Dort ist der Sitz der internationalen Plutokratie. Von dort erfolgt die Zusammenarbeit mit den Plutokraten in Paris, Newyork, Rom ufw. Ziel der internationalen Plutokratie ist die Weltherrschaft des „Händlers"; sein Hauptkämpf erfolgt dorthin, wo noch am meisten Widerstand gegen die Plutokratie, gegen Deutschland und Oesterreich, herrscht?... ^Wie es Chamberlain sagt: .Deutschland steht ihnen im Wege; um Deutschland wegzuräumen, haben sie von langer Hand alles vorbereitet und jetzt unter gewissenloser Ausnutzung der ungeheuren ihnen zur Verfügung stehenden Mittel heillose Begriffsverwirrung angestiftet und fast alle Völker der Erde in Wahnsinn gejagt." „Eduard VII. war als Prinz von Wales ein Mensch mit wenig Taschengeld und teuren Passionen. So wurde er erst Kreditnehmer, dann Duzfreund und Werkzeug des Barons Hirs ch, Sir Cassel, Lord Rothschild, Lord S a s s o o n usw. Diese und Männer wie Sir Alfred Beit, Cezil Rho des, Lord P a a r b r i g h t, Lord R o o s e b e r y. Sic Iainkef Jonas, Sir Elias Speyer, Sir C a r s o n usw. sind in neuerer Zeit die wahren Lenker der Geschicke Englands." Man sieht, die jüoi s ch eit Ptutotrate vt vor allem sind es, welche diesen Weltkrieg verschuldet haben; als Feinde Deutschlands haben sie den Haß .gegen die Zentralmächte geschürt und diesen Krieg entfesselt, weil gerade Deutschland der Plutokratie im Wege steht. Wie verhält es sich aber damit in Wahrheit? Kein einziger von diesen bekannteren Juden — mag es sich um Sir Ernest CasjHel, Sir Edgar Speyer oder Sir Ludwig Mond handeln — hat vor dem Kriege jemals irgendwelche unfreundliche Gesinnung gegen Deutschland an den Tag gelegt. Im Gegenteil: oir. Ernest Cassel ist der Urheber des großen deutschenglischen Studentenaustausches und der damit verbundenen, nach vielen Millionen zählenden Stipendienstiftung. Sir Ludwig Mi o n d hat seine Sympathie.für Deutschland erst noch vor wenigen Jahren durch großartige Stiftungen für gemeinnützige Zwecke der Städte Kassel, Heidelberg und München im Gesamtbeträge von 1,?00.000 Mark bekundet. „Die großen Geldleute", so verkündet Herr Funder von der „Reichspost", machen in neuerer Zeit die hohe Politik; sie bestimmen über Krieg und Frieden." „Rußland bemüht sich um eine Anleihe in England. Umsonst! Lord Rothschild ist gegen entsprechende Unterstützung des judenfeindlichen Rußland" — das scheint den Patrioten der „Reichspost" offenbar auch nicht recht zu sein.*) Lord Rothschild — das verschweigt die „Reichspost" — hat alle Ehrenämter, die er seit Jahren bekleidete, niedergelegt, weil er die geforderten scharfen Maßnahmen gegen die in England internierten Deutschen nicht billigte. Außerdem ist Lord Roths ch i l d aus der englischen Ornitologischen Union ausgetreten, weil sie den König von Bulgarien von ihrer Mitgliederliste gestrichen hat. Sehr bezeichnend ist der Entschluß Sir Edgar Speyers, angesichts der Deutschenhetze England zu verlassen und nach Amerika zu gehen. Als Japan den Krieg an Deutschland erklärte, hat Mr. Jakob H. Schiff, als Chef der Bankfirma Kuhn, Loeb & Co., laut Meldung der „Morningpost" vom 4. Dezember 1914, seine Mitgliedschaft an der Japanischen Gesellschaft niedergelegt. Mr. Oskar Strauß, vormals Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, hat gleichfalls auf seine Mitgliedschaft an der Japanischen Gesellschaft resigniert. Arische Amerikaner deutscher Abstammung, wie Charles Schwab, sind Großlieferanten an Kriegsmordwerkzeugen für die Feinde Deutschlands. Dagegen hat Georg W. Heller, der Besitzer eines Stahlwerkes in St. Louis, Anfang Juni 1915 einen unbegrenzten Auftrag der französischen Regierung auf Schrapnells abg e l e h n t. Die Bestellung hätte wöchentlich auf 90.000 *) In Nummer 513 der „Reichspost", Jahrgang 1915, wurde aber dem Jakob H. Schiff in Newyork vorgehalten, daß er sich an den Kriegsanlehen der Entente beteiligt habe. Das war allerdings eine Unwahrheit. Denn Herr Jakob Schiff hat auf eine Anfrage aus Wien direkt geantwortet, daß weder er, noch irgend ein anderes Mitglied seiner Firma an den Kriegsanleihen der Feinde Deutschlands sich beteiligt habe.