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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-07-14 · 28 (14.7.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 462 Tr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 28 1209 in ihrem Hauptorte zu Böziers an einem Tage — dem 22. Juli — unter dem päpstlichen Legaten Miio und dem Cisterzienserabt Arnold 7 000 Me n s che n in der Magdaleneu-K irche verbra n tt t und 2 0.O 0 0 ermordet w u r d e n. Nebstden: noch, :vie oben angedeutet, einige Juden, etwa zweihundert. Und in Sizilien herrschten die Franzosen während der Jahre 1266 bis 1285 so barbarisch, daß sich am 30. März 1282 die mühsam zurückgehaltene Wut in einer allgemeinen Vernichtung aller Franzosen Luft machte. Den scheinbar kleinlichen Anlaß zu dieser gründlichen Ausrottung bildet der Mangel an der sonst so vielgerühmten Galanterie der Franzosen, indem einer derselben Zur Besperzeit eine sizilianische Dame beleidigte, woraus ein blutiger Streit ausbrach, der sodauu in den totalen Aufruhr — die sizilianifche Vesper — überging. Dann kamen unter Philipp IV-, dem Schöner:, die Mitglieder des weitverzweigten Tenrplcrordens (13. Oktober 1307) daran, welche mächtige Vereinigung durch ihren Reichtum längst die Habsucht des Körrigs gereizt hatte. An einem Tage wurden sie alle gefangengenomrrren, auf die ungeheuerlichsterr Anklagen hin den gräßlichsten Martern unterworfen, um die gewünschten Geständnisse zu erpressen, woraus die Konfiskation der Güter, teils zugunsteir des Johanniter-Ordens, zum größeren Teile aber zugunsten der weltlichen Macht, erfolgte. Die Rücknahme der erzwungenen Geständnisse hatte nur das Lebendigverbrennen zur Folge! Hieraus brach eine Periode der fürchterlichsten Verwüstungen durch Bürgerkriege und durch die Einfälle der Engländer an, in der Münzverfälschung urrd Erpressungen sowie Lebensmittelwucher eine hervorragende Rolle spielten, derart, daß 1382 Paris und der ganze Norden in hellen Aufruhr gerieten, wobei die mit Hämmern bewaffneten Bauern und Bürger, Maillotins genannt, die Finanzbeamten erschlugen. Wieder begamreir die Großen im Reiche ihre Ansprüche maßlos zu steigern, sie verbanden sich mit den Erbfeinden, den Engländern, und mußten gedemütigt, d. h. vernichtet werde::, worauf ein Friede zu Arras 1482 geschlossen wurde, der zwar die Ansprüche Frankreichs aus Burgund sicherte, gleichzeitig aber den Grund zu dem 250 Jahre dauerirden Krieg mit dem Hause Habsburg legte. Dann Mitte des 16. Jahrhunderts die grausame Verfolgung der Hugenotten, die n:it Lebendigverbrennen, Güterkonfiskationen und Austreibungen einsetzte und zu acht förmlichen Bürger- oder vielmehr Vernichtungskriegen führte (1562—1675), wobei den: Meuchelmord und Wortbruch eine große Stelle eingeräumt war. Die Palme der Tücke erwarb sich der Hof in: dritten Kriege. Nack) listiger Hereinlockung und betrügerischer Vortäuschung der Sicherheit fand in der Nacht von: 24. zum 25. August (St. Bartholomäus) eine allgemeine Vernichtung der Protestanten state, wobei in Paris an 5000 ermordet wurden, in den Provinzen weiters an 30.000 innerhalb zweier Monate. Mit den: Jahre 1675 begannen abermals die Verfolgungen schärfer zu werden. Mönche begleiteten Truppen auf'ihren grausamer: Exekutionszügen, un: die Bekehrung gewaltsan: durchzuführen, was die Auswanderung von Hunderttausenden zur Folge hatte. Die Schweiz, Niederlande, England und Deutschland nahmen diese Blüte der Bevölkerung mit Freuden auf. Die Rücknahme des an: 13. April 1598 erlassenen „Ediktes von Nantes" durch Ludwig XIV. (23. Oktober 1685) trieb die Protestanten vollends in die Berge von Cevennes, wo sie zwar trotz der furchtbarsten „Dragonaden" lange Trotz boten, schließlich aber doch durch die Uebermacht gänzlich aufgerieben worden wären — da ein eigener Feldzug (1702 bis 1706) gegen sie mit unsäglichen Greueln eröffnet ivurde —, wenn nicht glücklicherweise der spanische Erbfolgekrieg dem Schlachte:: jein Ende bereitet hätte. 'Der Papst Clemens XI. erließ 1703 eine förmliche Aufforderung Zun: Kreuzzuge gegen diese, „Camisarden" Genannten, deren an 40.000 gerädert, verbrannt und gehängt wurden. Der Unterrverfung folgte die gänzliche Verwüstung des ganzen Gebietes und erst das Jahr 1848 brachte die wirkliche volle Gleichberechtigung — nach einigen Störungen (1721 und 1752) — den Protestanten. Inzwischen tvar aber über eine Million der fleißigsten und höchststehe.(den Bewohner aus den: Lande getrieben worden, wogegen etwa zwei Millionen den: protestantischen Glauben in der Heiumt treu verblieben waren. Gleichwie in Spanien durch die Austreibung der Juden, 1492, in Sizilien 1493, in Portugal 1495, zeigte sich nun auch Frankreich durch diese Aderlässe sowie die vorausgegangenen gänzlichen oder lokalen Judenanstreibungen (1171, 1185/86, 1306, 1394, 1498, 1501, " 1505, 1569, 1605 in Kolonien degeneriert und verödet, da Charakter- und Geistesstärke gewaltsam vernichtet worden waren. Zweifellos hätte die Unduldsamkeit gegen die Protestanten niemals derartig überhandnehmeu können, wenn dem jüdischen Element nicht vorher die Kraft gebrochen lvordeu lväre. Aus demselben Grunde hätte auch unmöglich die französische Revolution, die 1789 mit Judenkrawallen einfetzte, jenen rohen Charakter annchmen können, der sie trotz aller Errungenschaften doch oerabscheuungswert macht. Und müssen nicht die „Affären" Calas (1760), Drehsus (1898) als die lebendigsten Beweise einer keineswegs geschwundenen, sondern nur übertünchten Intoleranz und Unaufrichtigkeit gewertet werden? Auch die großartigste, aber zugleich törichteste Welttragödie, die Kreuzzüge, die, gleich der gegenwärtigen Massenabschlachtung, Europa Millionen Einwohnern das Leben kostete, allerdings in einem Zeiträume, der hundertmal so groß wie der gegenwärtige war (1095—1291), findet Ihre Wurzel in Frankreich — gleichwie, nebenbei bemerkt, die „Brunnenvergiftung". In der Kirchenversammlung zu Clerinont (Auvergne) an: 26. November 1095 war es, daß Papst (Urban II. der: Aufruf zur Befreiung des heiligen Grabes aus den Händen der Seldschuken /Türken) erließ. Derselbe löste eine ititcp, heuere Begeisterung aus, die ihren Ausdruck bekanntlich in den: Rufe „Gott will es!" fand. Diese Schwärmerei, von welcher sowohl der abenteuerlustige Adel wie auch das in dessen Fesseln schumchtendc niedere Volk in gleicher Weise ergriffe:: wurde, fand seine Nahrung durch die das ganze Land bereisendeu päpstlichen Emissäre, welchen es zu verdanken!var, daß sich Tausende aus den: Innern Frankreichs aufmachten, um dem .Halbmond im fernen Osten den Garaus zu mach»:. Sie leiteten würdig ihr Vorhaben, und zwar in: Verein mit zugelaufenem bei:tf ch e n Raubgesindel durch die bekannten entsetzlichen Judenverfolgungen in den Rheinlanden ein*) —1096 (13./V.) in Speier, Mainz, Worms, Köln, Trier und diversen Städten —, wobei Tausende von angesehenen Bürgern Leben und Eigentum verloren; raubten in Ungarn, raubten und sengten in Bulgarien und kämen dort elend um, worauf erst April 1097 von Konstantinopel aus vermittelst einer engeren „Entente", aus Gottfried von Bouillon, seinen Brüdern Balduin und Eustach, Hugo von Vermandois, Boemund von Tarent, Tanred von Apulien, Raimund von Toulouse und Robert von der Normandie bestehend, der erste reguläre Zug begann. In diesen: 600.000 Mann betragenden Heere geboten die lothringischen erstgenannten Fürsten, also Deutsch e, *) Welche in Heinr. Heine's „Rabbi von Bacharach" einen so schönen beredten Ausdruck fanden.

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