Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 28 (14.7.1916)
- Date
- 1916-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 28 Dr. Bloch’s iaßrflanö XXXIII 4 Zentraloraan kür die gesamten Interessen des Judentums. Dü- — -~~D o p K. ft. Postfparftassenamt Q Sieartng-VerKebr Nr. 810.976. i Redaktion und Administration:; Bi) t e n © II/i, Praterstraße 9. I, Telephon 45.359. I oP -- Qo Wien. 14. Juli 1916 : Erscheint jeden Freitag, m Brief-Adresse: Wien, H/i. Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. Olr - .- =DO p Vrrugoprris für Vesterrrirli: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig lO Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Ä Anzeigen: Die -'mul gespaltene Petitze'.le 4L Heller. O Pr- —O n Inhalt: Leitartikel: Keltisch-arische »Kulturarbeit". — Adolf Schwarz. — Kriegsdckorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Ernennung eines Feldrabbiners. — Jüdische Familien im Felde. — Tie Familie Groszmann. — Ter Vater mit den drei Sühnen. — Vor dem Feinde gefallen. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Auszeichnung eines gefallenen Kriegsfreiwilligen. — Heldentod eines jüdisch-polnischen Legionärs. — Die Blutopfer der russischen Inden. — „Judenbagage voran!" — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Korrespondenzen: Bankjüngling und Groffgrnndbesitzer. — Hosrat Prof. Dr. Eduard Lang gestorben. —Aufruf! — Die Preisträger der Elisabeth-Tenkmal-Konknrrenz. — AuSzcichming des Knltusvorstehers von Karlsbad und seiner Gattin. — Kalin. — Lemberg. — Tragödie eines hebräischen Lehrers. — Pros. Albert Fränkel. — Ve r m i s ch t e s. — F e n i l l e t o n: Die Jungfrau von Ludomir. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Keltisch-arische „Kulturarbeit". Zum zweiten Lnftbombardement auf Karlsruhe am 22. Juni 1916. Das auf die arme ungeschützte Stadt Karlsruhe von C h r i st e n an einem F e i e r t a g nachmittag, dem F r o nl e i ch n a m s t a g, verübte Bombenattentat, dem .Meilen seiner Art, gibt'Zeugnis von der Verirrung des französischen Volkes. Man muß weit zurückblärtern in der Geschichte, um den Schlüssel für dieses furchtbare Vorkommnis zu finden, das einen Rückfall in die graufalnste wie ganz zwecklose Barbarei bedeutet. In jene noch immer nicht überwundenen Unduldsamkeit und Grausamkeit, wie sie sich eillst in der keltisch-gallischen Rasse in verschiedenen GeschichtS nbschnitten wiederholt unverhüllt gezeigt hat: den Krenzzügen, den Watdenser-(Atbigenser-)Greuelll, deli Illdelt- und Ritterordenverfolgungen, der Hugenottennnd Camisardenausrottnng (1706), der französischeli Revolution, den Rapoleonischm Eroberungskriegen und dem vom chauvinistischen Dünkel angezettelten „Revanche"- Krieg von 1870/71. „Revanche". Wo bleibt Die christliche Vergebung? Müssen Unschuldige für eilt '.vermeintlich zugesngtes Unrecht leiden? Müssen, nach jahrelang geschürtem', durch gefälschte Tatsachen zum Wahnwitz gesteigertem Haß, einer Lawine gleich, mordende und sengende Horden über den friedlichen Nach-- -bar hersallcn, der doch sicherlich nicht für seine Diplomaten früherer Jahrzehnte verantwortlich sein kann?! Den verläßlichsten Wertmesser für die innere Natur der Völker bilden die Judenverfolgungen, als die gegen die Schwächsten unternommenen Angriffe.. Die ersten Spuren starrer Unduldsamkeit zeigen sich im Süden Frankreichs in der Gegend von Rarbonne in Uzes, ilidem im Jahre 558 n. Ch. die dort anz süssigen Inden aus Religionsmotiven ansgetrieben wurden; desgleichen 576 in Clermont, 579 an verschiedenen Orten Frankreichs, 675 in Rarbonne, 830 in Lyon, 880 in Sens, 996 in diversen Orten. 1010 in Limoges: furchtbare Schlächtereien ereigneten sich 1095 -99 in vielen Orten ganz Frankreichs, desgleichen 1100 und 1147; 1171 in Blois, 1180—81 in Paris und Um-, gebung; 1185- 86 in vielen Orten; 1191 in Bray (Ror mandie); 1209 in BvzierS; 1236 in diversen Orten Süd srankreichs (es wurden etwa 3000 Personell erschlagen gelegentlich des.Kreuzzuges gegen die Albigenser,; 1247 iu Valrüas; 1250 -70 in diversen Orten, desgleichen 1283: 1288 in Trohes; 1306 in diversen Orten; 1309 in Lyon; 1320 21 in Toulouse, Bordeaux, Verdun. Atbi. Guienne. Chinon und iu diversen Orten (durch die sogen. Pastonrets und wegen angeblicher Brunnenvergistung,; 1380 in Paris; 1394--95 in verschiedenen Orten Mittelfrant-- reichs -- von lvo die Vertreibung stattsand : 1430 in Aix; 1435 in Savoyen, desgleichen 1461; 1484 in Arles: 1498 in diversen Orten der Provence, 1.501 desgleichen: 1505 in Orange; 1569 in Avignon und diversen Orten der Provence; 1605 in den französischen Kolonien Amerikas; 1789 zu Beginn der französischell Revolution: 1898 und 1899 in Algier; endlich der Dreysns- Prozeß! Während in den ersten Jahrhunderteit wesentlich der religiöse Fanatismus die Ursache der Verb reu' unngen, Torturiecungen und Austreibuug.il bildet, färrgt mit dem zwölften Jahrhundert die unverhüllte Raubgier an, das Leitmotiv zu werden, so ganz besonders bei den in den Jahrerl 1185 86 ans ganz Frankreich sich erstreckenden Judenverfolgungen, ivenngleich „Hostien schändungen" auch hier Vortäuschen mußten. Alteill auch gegen Christen richtetell sich zll dieser Zeit die Angriffe wütendsten Zelotismus, ivelche dem Glauben linr als Vorwand nahmen, um dann den Raub mit desto reine rem Gewissen begehen zu können. Am traurigsten gestaltete sich das Schicksal der Waldenser oder Albigenser, xiner durch ihre Reinheit der Sitten und der religiösen Anschauungen mißliebig gewordenen Sekte in der Gegend von Toulouse in Rordfrankreich, von iumtni im Fahre