Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 27 (7.7.1916)
- Date
- 1916-07-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 454 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 27 Kinder selbst unterrichten. Die Handarbeitsausstelluug am Stubenring zeigte uns, daß die polnischen Frauen Stickereien, Spitzenarbeiten, Nadclmalereien von wunderbarer Schönheit fertigen können, in dieser Beziehung gewiß nicht hinter den deutschen Frauen zurückstehen. Es ist also zu befürchten, daß die Kinder der polnischen Flüchtlinge ein Ballast für die Familien sein werden, die ihnen ein Heim bieten wollen; im Gegenteil, die Guttat tvird reife Früchte tragen, denn die eigenen Kinder werden schon in jungen Jahren die Freude (tut Wohltun kennen lernen und Edelmenschen in der besten Bedeutung des Wortes werden. Wir bitten alt diejenigen, die in der glücklichen Lage sind, ein armes Flüchtlingskind bei sich aufzunehmen, ihre Adresse der Redaktion unseres Blattes bekamt tzugebeu. Biel Elend könnte hintangehalten werden, wenn es gelänge, die hungermden elternlosen Kinder int Heime edler Menschen unterzubringen, Rur in der Familie könnten sie Ersatz für das große Unglück finden, das sie betroffen hak. Bor der kleinett Unbequemlichkeit, ein Kind zu betreuen, werden unsere pflichteifrigen Frauen nicht zurückschrecken, und 4vas die Kosteufrage aitbelattgt, da lotffcn ja diese braven Frauen überall an allem zu sparen, was sonst für ihre Luxusbcdürfnifse angcfchafft lucrbcit müßte. Mögen diese Ersparttisse beit armen, von allem entblößtett Fküchtlingskindern zugute kommen, die auf die Hilfe edler Menschen angewiesen sind. Jda Barbe r. Wien. Die Sammelstelle für Lektüre für unsere Kriegsgefangenen in den feindlichen Staaten hat sich von allem Anfänge zum Ziel gesetzt, den möglichsten Ersatz für die mangelnde Seelsorge besonders in den russischen Lagern zu bieten. Durch die Versendung größerer Mengen von Gebetbüchern aller Konfessionen iit eigenen Kisten chofft matt allmählich, daß jeder Gefangene in den Besitz eines eigenen Gebetbuches gelangt. Größere Mengen Gebetbücher und Evangelien wurdett in dankenswerter Weise von dent Canisiusvereine in Wiett, 9. Bez., Canisiusgasse 14, und dem Kakechetenvereine durch Pater Müller tu Wien und von einer Reihe anderer Spender aus allen Kreiselt gewidmet, so daß die derzeit fertigzustellendett Sendungen genügend mit diesen Trostspenden versorgt werden konnten. Für dieses Betätigungsgebiet wirken im Rahmen der Samntelstelle Hofrat Professor Dr. S w o b o d a als Beirat und mehrere Herren des Stiftes Schottett als Mitarbeiter. Für die israelitische Konfession sorgt Herr Beirat Rabbiner Bela Fischer als Mitarbeiter. Die israel. Kultusgemeinde Wien hat in anerkennenswerter Weife die Samntelstelle ausreichend mit Gebetbüchern und Malmen versorgt. Die .Versenduttg protestantischer Gebet- und Erbauungsbüchcr ist in die Wege geleitet. Fürsorgekontitee des Rotett Kreuzes für Kriegsgefangene. (Lektüre für Kriegsgefangene.'! Wiett, 4. Bezirk, Karlsplatz Nr. 13. Mitteilung des „Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. Kuttusgemeinde Wien", I., Seitenstettengasse 2. Es ist für den Verein von Interesse, ein Verzeichnis der im Alter von 6—11 Jahren zurückgebliebenen Waisen nach gefallenen oder im Kriege gestorbenen israelitischen Militärpersotten anzulegett, die in Wiett ständig wohnhaft waren und sich für die Versorgitng außerhalb der Fantilie in einer Anstalt eigtten. Die Mütter oder Vormünder dieser in Betracht kommenden Kinder werden ersucht, sich schriftlich bei dem gefertigten Vorstände zu melden. Jtt der Eingabe, welcher vorerst keinerlei Dokumente beizulegen sind, wäreit die genaue tt F amiliendaten dieser schulpflichtigen Kriegswaisen sotvie bereit Angehörigen, die derzeitige Wohnungsadresse und der bisherige Schulbesuch anzu führen. Die Mütter und Vormünder werden ersucht, diese Eingabe bis 31. Juli 1916 zu überreichen. Der V o r st a n d. Vereinsbriefkasten: I., Seitenstettengasse 2, int Hausflur. Aus dem österreichischen Okkupationsgebiete. Das Armeeoberkommando hat gemäß den Anträgen des Militär-Gouvernements Lublin die Schaffung eines G o u v e r n e m e n t s s ch u l r a t e s für d a s okkttpierteGebiet genehmigt. In diese Körperschaft, welcher die Beratung des Militär-Gouvernements auf dein Gebiete des Unterrichts- und des Erziehungswesens sotvie die Schulaufsicht zur Aufgabe gestellt ist, sollen außer beit amtlichen Funktionären unter anderen Vertreter der jüdischen, katholischen und protestantischen Religiott, Delegierte der zu schaffenden Stadtgemeindevertretungen sotvie des Vereines „Polska Macterz szkolua" berufett iverden. Wie nun das „Warschauer Tageblatt" meldet, soll der Rabbiner Klatzkin in Lublin zum Mitglied dieses GouvernementsschulrateS ernannt worden sein. Wir brachten vor kurzem die Melduttg der Tagesblätter betreffend die Ernennung des Dr. Tobias Aschkenase zum Referenten für die jüdischett Angelegenheikeit beim Generalgouvernement des österreichischen Okkupationsgebietes. Nach nunmehrigen Mitteilungen, beruht diese Nachricht auf Unwahrheit. Eine solche Ernennung des Dr. A s ch k e n a s e i st nie erfolgt. Ein Wahlkompromisz in Warschau. Der „Czas" meldet aus Warschau: Für die demnächst itt Warschatt zum erstenmäle stattfindenden Gent e i n d e r a t s w a h le n unter der deutschen Herrschaft wurde zwischen alten Wahlkonti! ees eine Einiguttg bezüglich einer gemeinsamen Wählerliste in den fünf ersten Wahlkurictt vereinbart. Auf Grund dieses Abkommens werden aufgestellt: 26 Kandidaten des zentralen Nationalkomitees, 19 des zentralen demokratischen Komiitees und 15 Kandidaten des jüdischen Wahlkontitees, itt der dritten Kurie iverden alle 15 Kandidatett den einzelttett Jntelligenzgruppen entnommen werden. Itt der sechsten, der allgemeinen Wahlkurie, werden 10 Kandidaten der Arbeitervereiniguug ttttd 5 Kandidatett des jüdischett Wahlkontitees gewählt werden. Die Warschauer Blätter heben die Bedeutung dieser Einigung während des gegenwärtigen, für Polett so schwierigen Augenblickes hervor. In der Wahlliste erschein ett alle Mitglieder des polnischen Bürgerkontitees mit dem Stadtpräsidentett Fürsten Zdzislaiv Lubom i r s k i att der Spitze, unt die Kotttinuität itt der Stadtverwaltung zu markieren. „Dzicnnik Narodowy" schreibt, daß auf Grund dieses Wahlkompromisses auch ein polnischer Nationalrat Kit Warschau für Polen gegründet werden soll. Aufruf zur Meldung von jüdischen Familien, welche Pflegekinder übernehmen wollen. Der „Wiener Frauenverein, zum Schutze armer, verlasseiter Kinder" hat es sich zur Aufgabe gemacht, jüdische Kinder, die der Behörde behufs Versorgung überstellt iverden, in Fatnilienpflege zu bringen. Mit größter Mühe war es bisher möglich, eine Anzahl Kinder zu versorgen, da gutherzige Familien sich fanden, die gegen einen ver-