Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 27 (7.7.1916)
- Date
- 1916-07-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 455 einbarten Betrar; die Fürsorge für die Kinder übernahmen. Jetzt befinden sich eine große Anzahl Kinder im vorschulpflichtigen und schulpflichtigen Alter in Vormerkung des Vereines; es mangelt jedoch all geeigneten Pflegeparteien. Der Verein bringt die möglichsten Opfer zugunsten der Kinder und ist bereit, in feiner Kanzlei, 1. Bezirk, Seitenstettengasse 2, Tür 22. vormittags zwifcherr 9 unb 12 Uhr Anmeldungen entgegenzunehmen uitb Auskünfte zu erteilen. Vielleicht finden sich aus dern Mittelstände wohltätige Familien, die in der Kriegszeit gerne ein Kind eines im Felde stehenden oder bereits gefallenen Soldaten aufnehmen würden, um es vor Not und Verwahrlosung zu bewahren. Der Vorstalld des „Wiener Frauenvereines zum Schutze armer, verlassener Kinder". Aufruf! Da!s -Elend, das der Krieg neuerlich über unsere Mitbürger aus dem Osten brachte, ist namenlos. Flüchtig von Haus lind Hof und aller Mittel entblößt, siich sie zu uns gekommen und nahezu 600 dieser Unglücklichen mußten über behördlichen Auftrag in unserer Gemeinde ausgenommen werden. Rasche Hilfe ist dringend nötig, aber leider ist unsere Gemeinde bei ihrer notorischen Armut außerstande, das Elend dieser Unglücklichen auch nur teilweise lindern zu können. Es ergeht daher an alle opferfreudige Menschenfreunde. und Korporationen die innigste Bitte, das traiitz rige Los dieser ärmsten der Armen durch entsprechende Unterstützungen zu erleichtern und ist auch die kleinste Gabe vom Herzen willkommen. Die Unterstützungen erbitten mir an die Adresse des Herrn Heinrich Weigl, Kostet (Mähren). Für das Flüchtlingskomitee: S. E i s i n g e r, Bürgermeister. Rabb. Adolf D e u t s ch. Aufruf! Die weitgehendst«, permanente Opfcrwilligkeit der Bewohner unserer Genwinde vermag es nicht, das namenlose Elend der bei uns unerwartet auf behördl. Verfügung untergebrachten Kriegsopfer zu lindern. 350 Kriegsflüchtlinge aus Galizien schmachten in verzweiflnngsvoller Lage in unserer tücfjt 1 ingbftation. Hier ist rascheste, wirksame Hilfe nötig. Wir richten daher an alle Menschenfreunde, insbesondere aber an jene Wohltäter, die in unserer Gemeinde ihren Geburts- oder Heimatsort liebend verehren, die eindringliche Bitte, um Gewährung eines Beitrages, auch der geringsten Gaben, zu unserem Hilfswerke. Straßnitz, am 26. Juni 1916. Für das Hilfskomitee für Flüchtlinge der politisch-israel. Gemeinde Straßnitz (Mährens: Der Obmann: Sig. R e b e n m u r z e l. Rabbiner Dr. Freifeld. David Weiß, Gemeinderat. Moritz Deuts ch, Gemeinderät. Aufruf! Durch die Räumung der Bukowina und eines Teiles Galiziens haben >vir leider einen starken Zuwachs von neuen Flüchtlingen zur Ausspeisung bekommen, ivelche uns angesichts der ohnedies herrschenden Teuerung kolossale Spesen verursachen. Wir sind deshalb genötigt, an edelsühlende Wohltäter zu appellieren, zur Linderung der Not unserem Verein munifizente Zuwendungen zukoMMen zu lassen, damit wir in der Lage find, das edle Werk der Nächstenliebe fortzusetzen. Wir sind gewiß nach Kräften bestrebt, unser Bestmöglichstes für die 'Allerärmsten aller Armen zu leisten, und ist uns jede Gabe stets willkommen. Verein „Machsike hadath", 2. Bez., Obere Augartenstratze 40. Die Gedenkfeier auf dem Strafchnitzer Friedhof in Prag. Sonntag, den 18. Juni,- fand die erste vom Verein „Schwarzes Kreuz" veranstaltete Gedenkfeier bei den Soldatengräbern des isr. Friedhofes in Straschnitz statt, die einen überaus würdigen Verlauf nahm. Sie wurde eingeleitet mit dem Choral „Da unten ist Frieden". Sodann hielt Feldrabbiner Dr. phil. Arpad Hirschberger die Gedenkrede. Die geistvollen Worte des Redners machten auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Hierauf sang Oberkantor D. Czernovsky mit seiner herrlichen Tenorstimme ergreifend „El mole rachamim", worauf Feldrabbiner a. D. Prof. Dr. K i s ch eine 'Ansprache hielt. Zum Schluß sprach Feldrabbiner Dr. H irsch.be r g e r das Kaisergebet, worauf von der Militärkapelle die Volkshymne gespielt wurde. Der Feier wohnten u. a. bei in Vertretung des Militärkommandanten GM. R a u dnitz, Statthaltereivizepräsident Dr. Ritter v. Herget, Offiziersabordnungen alter Prager Truppengattungen, ferner starke Abordnungen der Kultusgemeinderepräsentanz, der Chewra-Kadischa und der B'nai B'rith-Vereine „Bohemia" und .,Praga" sowie eine Unübersehbare Menge Andächtiger, darunter auch zahlreiche Angehörige gefallener Krieger. Bei den Ehrengräbern bildete eure Rekonvaleszentenkompagnie Spalier. Die Stiftung des Feldwebels. Feldwebel Moriz Werner wurde in Anerkennung seines tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse ausgezeichnet. Feldwebel Werner hat, wie ioir dem „Egyenlöseg" entnehmen, die ihm auf Grund der Auszeichnung zukommenden Gebühren dem Kriegsministerium mit der Verfügung gewidmet, dieselben einem in diesem Kriege invalid gewordenen Soldaten dauernd zukommen zu lassen. Das Kriegsministerium hat die Stiftung bereits angenommen und den Konkurs auf den jährlich 90 Kr. betragenden Stiftsplatz ausgeschrieben. Auf Wunsch des die Stiftung errichtenden Feldwebels haben in erster Reihe erblindete Soldaten Anspruch auf den Stiftnngsbetrag. Anerkennung im Auslande. Ein junger Wiener Künstler, Fritz Schwarz- Wal d e g g, der in Wien unter anderen die Porträts der Philanthropinnen Rosa Ziffer er und Philippine Dalmbert Bauer, des Präsidenten Kornett Spitzer gemalt hat, wurde bei einem zufälligen Aufenthalte in Berlin durch einen monumentalen Staatsauftrag geehrt. Er malte für das Stiegenhaus der weltberühmten Technischen Hochschule das überlebensgroße Porträt ganzer Figur des Begründers der Hochschule, Geheimrates R. O. Witt. Bei der feierlichen Enthüllung wurde dem jungen Wiener die schmeichelhafteste Anerkennung von seiten des Unterrichtsministeriums, der Hinterbliebenen und der Berliner Künstlerschaft zuteil. Miltenberg. <V e r m ä chtnis s e.) Der in London verstorbene Ehrenbürger unserer Stadt, Wilhelm Klingenstein, hat für Miltenberg 1000 Pfund Sterling für jüdische wohltätige Zwecke bestimmt und die gleiche Summe für Instandsetzung des alten jüdischen Friedhofes und für Schulen.