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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-07-07 · 27 (7.7.1916) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 450 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 27 sctzung unserer Brüder auf manchem Gebiete bedeutet. Jede? Fortschritt zum Besseren ist ein Sieg der Gjerechtigkeit, somit ein moralischer Sieg, all dem nicht wir allein beteiligt sind. Wenn also in den jüdischen Zeitungen diese Auszeichnungen sorgfältig aufgezählt werden, so ist es nicht Eitelkeit (imfc Ruhmredigkeit, die hier die Feder inspiriert. Es ist aber auch eine doppelt^ Aufgabe, zu der die jüdischen Krieger berufen sind. Sie kämpfen für des Vaterlandes Ehre in erster Reihe, bann aber auch für die Ehre des Judentums und dessen gerechter Würdigung. Dessen sind sie sich voll bewußt, und diese Erkenntnis erhöht ihren Mut und stählt ihre Kraft. Nicht mögen wir auch zu gering den Heldenmut jener bewerten, die auch draußen inr Felde unter dem furchtbarsten Donner der Geschütze, unter den schwierigsten Verhältnissen, unter den schwersten Entbehrungen an den Religio ns ge setzen in Treue festhalten. Von einem der jüdischen Helden, der das Eiserne Kreuz 1. Kl. erhalten hat, ist es bekannt, daß er während der langen 22 Kriegsmonate keine rituell verbotene Speis eit genösse n. Mer wird diesem Zweifachen Heldenmut nicht seine vollste Anerkennung zuteil werden lassen? Das ist ein hohes Zeugnis für die innere Ueberzeugungskrast des religiösen Gedankens und der Selbstüberwindung, zu welcher die Religion die Bekenner fähig macht. Jüdische Karnilien im Jetde. Getzel KLrschner, Kaufmann in Przemyslany, war ein vermögender Mann und ein großer Unternehmer. Er hatte eine große Ziegelei und auch ein schönes Haus. Als die Russen in die Stadt eingedrungen sind, haben sie . das Haus und die Ziegelei niedergebrannt und der Mann muß.setzt schwer arbeiten, um sein kümmerliches Dasein zu fristen. Er hat jedoch die Hoffnung und das Vertrauen nicht verloren und hat nur einen Wunsch: Sieg über die Russen. Vier seiner Söhne stehen inr Felde, von denen einer bereits verwundet inr Spital in Wien liegt; einen zweiten ereilte die Nachricht ins Feld, daß seine Frau aus Schrecken vor den Gewalttaten der Russen gestorben sei; die anderen zwei versehen noch ihren Dienst. Sein Schwiegersohn Abraham Kohl wurde von den Russen als Geisel nach Rußland verschleppt und trotz eifriger Nachforschungen ist bisnun keine Nachricht über ihn eingelangt. Dieses tragische Schicksal hat viele jüdische Familien in Galizien getroffen. und es ist rrur ihre unverwüstliche Hoffnungsfreudigkeit zu bewundern. Es ist die Stärke unseres Volkes und darin liegt die Gewähr seiner dauernden Erhaltung. Berthold Lissauer in Sajokazinc hat 6 Söhne beim Militär: Heinrich, Landsturmmann; Wilhelm,-Leutnant, Besitzer des Signum laudis: Geza, in russischer Kriegsgefangenschaft; Nikolaus, Honved-Gefreiter,- Invalide; Julius, Einj.-Freiwilliger; Ladislaus,- Kanonier. Der Großvater der sechs Brüder hat die Revolution inr Jahre 1848 als Honved mitgemacht. N. Kaufmann in St. Endre hat acht Söhne und einen Schwiegersohn eingerückt. Der älteste Sohn ist Arzt im Offiziersrang, die übrigen gehören dem Mannschaftsstande an. Von den acht Söhnen ist einer in Serbien verschollen, einer ist in russischer Kriegsgefangenschaft, zlvei wurden invalid, einer wird, zuin drittemnalc verwundet, im Kaschauer Spital gepflegt, vier kämpfen an der Front. Einer lier Söhne (Josef' wurde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ^veiter Klasse ausgezeichnet. Leopold Sommer in Kalozna (Komitat Tolna) hat 3 Söhne an der Front. Ernst dient jetzt das fünfte I a h r. Er hat den serbischen und den ersteil russischen Feldzug mitgekämpft. Andor macht als Mediziner auf dem russischen Kriegsschauplätze Dienst und Defider ist als Freiwilliger des Hindenburg-Regiments -an der Front. ' („Egyenlöseg.") Der Kröauer der Iekdgottesyäuser. Rudolf Klein, Bauunternehmer in Stuhlweißenburg, Freiwilliger,- Feldwebel, hat an der italienischen Front die katholischen, rumänischen,- reformierten und ' jüdischen Militär-Gotteshäuser erbaut. Ueber sein interessantes Wirken auf diesem Gebiete erstattete er, wse „Egyenlöseg" berichtet, seinem heimatlichen Seelsorger. Oberrabbiner Dr. Jakob Stein her z, in nachfolgendem Briefe Bericht: Koticsi, 15. Juni 1916. Euer Ehrwürden! In den ersten 3 bis 5 Monaten des langen Krieges blieb mir kaum die Zeit, an die Heimat zu denken.... Die Zeit verstrich und vergeht noch.... Der Krieg ist geblieben.... bleibt leider fort.... Aus den Erfahrungen der ersten Zeit lernend, habe ich vor etwa 10 Monaten bei unserem Regiment mit der Einführung und Errichtung von Hilfsplätzen, Verbandsställen größeren Stils, „friedlicherer" Art, begonnen. Nicht aus Selbstlob erwähne ich es, daß es mir gelungen ist, diese Hilfsplätze zu solcher Vollkommenheit zu bringen, daß sic in der ganzen Jsonzo-Armee zum Muster genommen wurden.... Nichts ist dabei vergessen worden.... ich habe an alles Leibliche und Seelische gedacht.... Es gibt also auch eine jüdische Synagoge.... sie ist wohl bescheiden, aber an jedem Freitag- Abend, Sabbath und Feiertag sind die jüdischen Offiziere und Mannschaften der in Betracht kommenden Verbandsplätze sowie die Kranken und Verwundeten anwesend. Feldrabbiner Schwarz (Divisions-Geistlicher) ist unser Seelsorger und Dr. Sigmund Klein, Regiments-Chefarzt des 4. Regiments, ist der Kantor.; 20 bis 40 Betende sind immer da. Alles ist vorhanden, was notwendig ist; so haben wir auch 50 Gebetbücher, einfache, bescheidene.... Hier kann man so recht die Frömmigkeit der Menschen beobachten.... Selbstverständlich habe ich in erster Reihe die katholischen und rumänischen Gotteshäuser errichtet, man kann nicht mit den jüdischen beginnen, jetzt ist auch das reformierte fertiggestellt. Wir haben auch eine Orgel, ich schaffte sie von einem Bethaus in das andere.... Wenn ich, zu welcher Tageszeit immer, in irgend ein Bethaus nachschauen gehe, treffe ich immer betende, eifrige Gläubige an. Meine, unsere Ansichten haben sich also geändert.... Die Menschen sind während des Krieges hier eher frömmer geworden, als sie ehedem waren. Die Seelsorger sammeln, seitdem ich die Bethäuser errichtete, fleißig die Gläubigen, sie veranstalten jetzt — wie ich es ihnen zu sagen pflege — ihre Gottesdienste alle zur selben Zeit, damit nicht irgend ein Gläubiger im Bcthausc des anderen zu beten gezwungen sei.... Nun will ich schließen. Es leben Noch viele von uns; wir befinden uns wohl. Alles ist in Unmengen vorhanden: Kleider, Lebensmittel. alles. Wir verteidigen den Monte San Michele.... der Italiener wird ihn uns auch niemals entreißen. Die Unsrigen sind sogar imnier im Angriff.... Juden sind hier nirgends im Nachteil, im Gegenteil. Nur der Friede fehlt, der alles erlösende Friede, den zu erleben hoffend, ich bleibe, Ihr dankbar ergebener Rudolf Klein, M. p., Freiw.-Feldwebel. Out und Akut. Eine ergreifend schöne Offenbarung der Mutterliebe ist — so schreibt ,.Egyenlöseg" — der Brief, den Frau Bernat Tannenba u in in Putnok in Begleitung einer L-pende von 200 Kronen an den Obergespan des Komitates Gömör, Geza v. Kubinyi, gerichtet hat. Der Brief lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt: „Euer Hochgeboren! Als die Pflicht gegen das Vaterland und unseren König meine fünf Söhne von mir rief, bin ich jedesmal der Eingebung meines Mutterherzens gefolgt, indem ich wohltätigen Zwecken Spenden Widmete, auf daß der gütige Gott sie beschütze. Jetzt, am 29. Mai, ist der sechste, der jüngste Sohn eingerückt und ich habe keine weiteren, er ist noch ein halbes Kind. Wollen daher Ew. Hochgeboren diese Kleinigkeit für jene Institution freundlichst entgegennehmen, deren Präsident unser gerechtigkeitsliebender, hochsinniger Obergespan ist!.

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