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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-07-07 · 27 (7.7.1916) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ölt. 27 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 451 Diese ist seiner Individualität gemäß am aktuellsten: die Fürsorge für das Kind. Möge ihre Wirksamkeit von Segen sein! Das Wohlergehen der armen kleinen Kinder und ihre Dankbarkeit wird den reichlich verdienten Nimbus Ew. Hochgeboren erhöhen!" Jetdpostörief. Der Zugsführer Armin Weiner des Infanterieregiments Nr. 44 schreibt am 26. Juni d. I. an seinen Cousin Sandor Weiner nach Wien folgenden interessanten Brief: „Ich erhielt Deinen Brief, worin Du mir berichtest, daß die Tapferkeit unseres Regiments vorige Woche von allen Tagesblättern, speziell aber durch die „N. Fr. Presse" sogar im Leitartikel, so schön geschildert wurde. Das war aber noch zu wenig, denn wir leisteten noch viel mehr, als dort zu lesen war. Als die Russen unsere Front durch eine neungliedrige Schwadron bestürmen wollten, erlitten sie fürchterliche Verluste und endlich vertrieben wir sie, ohne daß sie unsere Front beschädigt hätten. Unser Cousin Geza Weiner, Einjähriger-Korporal, hat viel geleistet. Als er wahrnahm, daß die Russen sich auf 1 Kilometer zu seiner Kompagnie näherten, hat er sein Telephon abmontiert, die Kassette am Rücken gehängt, zu einen: Gewehr gegriffen und tapfer und unerschrocken für Kaiser und Vaterland gefochten; drei Russen hat er erschossen, einen erstoch'N, aber endlich — mir blutet das Herz — erhielt unser armer Cousin Geza einen Bajonettstich in: Bauche und sank nieder. Seine letzten Worte waren: „Nehmt alles weg von mir, schreibet meiner teueren Mutter, daß ich fürs Vaterland sterbe. Ich weiß es ohnehin, wenn sie erfährt, (daß ich gestorben bin, wird sie die Schmerzen schwer überwinden." Unseren Onkel Jozsi, dem Vater des gottseligen Geza, habe ich von diesem schweren Schicksalsschlage nicht verständigt. Am 23. Juni hat der Bruder Gezas, Max, der als Kommandant zirka 30 Kilometer von uns in einer Reservestellung steht, die Leiche exhumieren und in einen: Orte, unweit von seiner Stellung, militärisch begraben lassen. Ich bemerke noch, daß der gottselige Geza wegen der Rettung des Telephons und wegen seiner Tapferkeit für die Tapferkeitsmedaille erster Klasse eingegebei: wurde. Herzlichst küßt Dich Dein Cousin A r n: i n." Kessach in Tschita nnd Ujetschanska. Pjetschanska, Mittwoch- 6./19. April (Pessach', 2. Tag, abends. Vielgeliebte Eltern und Geschwister! Trotzdem viele Schwierigkeiten zu überwinden waren, kann ich getrost die Worte der Hagadah auf den gestrigen Tag anwenden: e cliassal s:<ldi:r pessach Keliilchosan .... Gestern, an: 1. Pessachtage, war ich in: großen Tempel in Tschita bein: Talgebet und habe im Talmudthoragebäude zu Mittag gegessen, später nachmittags dort auch Tee genommen und war gegen Abend wieder hier. Die Stadt ist 7 Kilometer von hier entfernt; trotzdem es gerade gestern ziemlich stark geschneit hatte, in der Nacht und den ganzen Tag über Schnee und Wind sich fortgesetzt unangenehm fühlbar machten, bin ich mit dem gestrigen Tage überaus zufrieden. Die gestern gesammelten Eindrücke werden wohl lange Zeit lebendig bleiben und ich werde das Talgebet im Tschitatempel nicht so bald vergessen. Drei Mann und den russischen Posten, der mit Gewehr und aufgepflanztem Bajonett folgte, miteingerechnet, unserer vier, gingen wir ungefähr 11f± Stünden in ziemlich lebhaftem Tempo durch den verschneiten Wald, in dem vorerst keine Fußstapfen wahrzunehmen waren, nach der Stadt. Wir kamen bald auf den fahrbaren/ Weg, ivo es leichter ging, und es dauerte nicht lange, da sahen wir schon das Gebäude des großen Strafhauses, vor den: viele Wachen standen. In der ersten Gasse, die von: Wege in die Stadt führt, in der Jngodinskaya, nach dem hier vorbeifließenden Fluß Jngoda so genannt, steht auch der große, ganz weiß getünchte Tempel mit einer breiten, weithin sichtbaren Kuppel. Einige Treppen führen vom Fundament, das eine gewisse Höhe.hat, zum Eingang. Der Tempel selbst ist ziemlich hoch und trotzdem er jetzt nur eine Frauengalerie hat, schien er nur höher als der Tempel in Bukarest, auch etwas größer. Sehr einfache Malerei, alles in Weiß gehalten (auch drinnendas Licht flutet durch große, breite Fenster. Trotzdem war der Tempel zu Ehren des Tages elektrisch beleuchtet und alle Birnen waren entzündet. Recht viele Gefangene mit Posten und zahlreiches einheimisches Publiknn: waren erschienen, doch füllten sie nicht den großen Tempel: in: Vorbeigehen bemerkte ich Smokings nnd Fracks, viele breite Seidentalessim, wenige Zylinder. Das Talgebet verrichtete ein Kultnsvorsteher S chl ef i n g e r, der laut heutiger Zeitung den Annenorden in seiner ^Eigenschaft als Aufsichtsrat her russischen Staatsbank von Tschita erhalten hat. Mit dem Rabbiner Herrn L e w i n habe ich auch zwei Worte gewechselt, vielleicht schreibt er Dir noch. . . . Etwas müde zwar, aber mit gehobenen: Gefühl, durch Schnee zun: „Tal" gegangen zu sein, kam ich zurück. Auch hier wurde unter Oberaufsicht eines ungar. jüdischen Arztes, der heute das Mussaphgebet in: hiesigen Betlokal verrichtet hat, vorschriftsmäßig Pessach gefeiert. Am ersten Sederabend sang ich einen Teil des Seders vor. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Bisher wurden 6536 mitgeteilt, in der vorliegenden Nummer 35, zusammen 6571. Das Eiserne Kreuz 1. Klaffe. Breslau. Georg Iarecki, Assistenzarzt beim Landwehr-Inf.- Rgt. Rr. 11, R. des eisernen Kreuzes 2. Klasse. Rüde. Stabsarzt Dr. Auerbach. Das Eiserne Kreuz 2. Klaffe. Aub. Grenadier Emil H e i in a n n. Gros'-Berlin. Sanitätsunteroffizier Leopold K a r p, Bankbeamter. Freiwilliger Krankenpfleger Erich Friedländer, auch mit der Roten Kreuz-Medaille ausgezeichnet. Bero'.heim (Bayern). Mar Herz, Gefreiter im 1. bayerischen Rcf.-Inj.-Rgt., zurzeit beim Bezirkskommando München. Bigge '. W. Kanonier Fritz Frankenbe r.g. Braunfchweig. Obermatrose der Res. Bernhard I s a a c. Breslau. Berthold Zöllner, früher Musketier im 13. Res.- Fns.-Rgt., 9. Komp., dem das linke Auge ausgeschossen wurde. Unteroffizier Arthur C o h n, Ref. Assistenzarzt Dr. Franz Wiener. Kriegs,reiw.-Oberjäger Hans A u st e r l i tz. Charlottenburg b. Berlin. Dr. phil. Erich Mur m, Vizefeldwebel der Res. und Offiziers-Aspirant. Cose*. Vizefeldwebel Erich Sef bemann. Bad Tür.heim. Pionier Franz Lilienfeld. Eus-iribei». Albert Heu mann, Unteroffizier im Res.-Inf.- Rgt. Rr. 73. Frankfurt r. M. Saemy Rosenberg. Vizefeldwebel im Rcs.-Feldartillerie-Rgt. Rr. 14. Göppingen. Rabbiner Dr. A. T ä n z e r, Armeerabbiner der Bugarmee. Hamburg. Oberapotheker Paul Freundlich, Inhuber der Hansa-Apotheke. Hamm i. W. Julius Halle. Iserlohn. Lehrer und Prediger der Synagogengemeinde L. Hortmann, Leutnant der Reserve im Ref.-Inf.-Rgt. Rr. 18. Konstanz. Leutnant Sigbert W e l b h ä u s e r. Vizefeldwebel Joseph Weil.

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