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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-07-07 · 27 (7.7.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 446 Dt. Bloch's Wochenschrift Denkens, wie sie auch von nichtorientalischen Pflegern einer idealistischen Philosophie (z. B. den Neuplatouitern) oder Mystikern (Z. B. dem .. tyntoLOphu-; temouieuL" Jacob Böhme) eingeschlagen worden sind und zu ähnlichen Ansichten geführt haben. Für die Erweisung einer Art des Denkens, die von der sonst herrschenden Art abwiche, kann auch nichts durch beit Hinweis au,f die altgriechische Musik geleistet werden. Denn aus der Tatsache, daß in dieser besondere Faktoren dessen, ums als harmonisch entpsünden zu werden pflegte, existiert haben, ergibt M) nicht die Wirklichkeit eines von der sonstigen allgemein measchlichen Logik abweichenden „orientalischen Denkmechanismus". Daher kam: ich es nur bedauern, daß Eriche Bischofs im Vorivorte seines sonst verdienstlichen Werkes diese Theorie aufgestellt hat. Denn ohne einen tatsächlichen Grund bringt er einen Teil der auf jüdischem Boden gewachsenen Boxstellungen in den Geruch, daß sie durch eine andere Art des Denkens, als der von den anderen Menschen geübten, gefunden worden seien. So entsteht aber die Gefahr, daß auch die Gedanken des althebräischen Schrifttums schon deshalb abgelchnt werden, weil sic angeblich mit einer besonderen Art des Denkens zusammenhängen. Bringt man aber so die besten I d e e n s ch ä tz e Israel s i n Ai i ß k r e d i t, so schließt sich barem sleicht ein verächtliches Urteil über dieses Volk selbst. Eine solche Wirkung muß aber auf alle Weise verhütet und darf nicht durch basislose oder auch nur höchst zweifelhafte Aufstellungen begünstigt werden. 2. Diese meine Worte zielen aber scholl auf die Aeußcrungen, die erst ganz kürzlich in Martijn Bubers Buch „B o in Geist des I u d e n t u nt s" (1916) veröffentlicht worden sind. Dieser geht nämlich in seiner ersten grundlegenden Abhandlung über „'Der Geist des Orients und das Judentum" von dieser Meinung aus. Der große Völkerverband des Orients könne als eine Totalität erwiesen werdell, als „ein Organismus, in dessen Gliedern, nrögell sie funktionell noch so verschieden sein, eine gleichartige Struktur uild eine gleichartige Vitalität lvaltet", und er möchte beit orientalischen Menschentypus als „deil motorischen int Gegensatz zum sensorischen" ansprochen, lvozu er als Erklärung dies hinzufügt: „Der psychische Grundakt des motorischen Menschen ist zentrifugal: ein Alltrieb geht von seiner Seele aus und wird zur Bewegung. Der psychische Grundakt des sensorischen (okzidentalischen) Menschen ist Zentripetal: ein Eindruck fällt in seine Seele und wird zum Gebilde. Beide sind empfindsamie, beide handelnde Menschen; aber der eilte enrpftitbet in Bewegungen, der andere handelt in Bildern" (S. 10 und 12). Was uns aber hier besonders angeht, ist seine Behauptung, daß alles, was er vom Orientalen gesagt!)abe, mit besonderer Deutlichkeit vom Juden gelte. Dieser repräsentiere ben motorischen Meuschentypus in seiner reichsten Ausprägung (S. 22). Nun, ich bin doch auch weit durch die orientalischen Literaturen gewandert, und die Erforschung der Geistesprodukte Israels habe ich bekanntlich zu einem Lebenslverk gemacht. Aber ick) kairn mich weder nrit der iit den angeführten Worten liegenden Totalisierung, noch tnit der Charakterisierung des Orientalen und insbesondere des Israeliten einverstanden erklären. Denn ich habe bei meinen Studien keinen Grund gefunden, dem Geiste der Orientalen und sp^iell der Israeliten eilte besondere Psychologie zuzuschreiben. Viclnlehr habe ich» immer nur gefunden, daß auch diese Menschen an der allgemein menschlichen Art der Geelenbewegungen teilnehmen, daß auch für sie die grundlegliche Denkfähigkeit, die einen ersten Faktor der Gottesbildlichkeit des Menschen bildet, die selbstverständliche Voraussetzung aller Nr. 27 Denkoperationen ausmacht, daß diese aber durch die Eindrücke der Außenwelt angeregt werden, und aus diesen die Empsindungsreste oder Vorstellungen, dann die logischen Begriffe, weiter die Urteile und Schlüsse entstehen, mit deren Hilfe der Geist bis zur höchsten Abstraktion fortschreitet. Diese doch auch sonst allgemein angenommene Stellung des Orientalen und Israeliten zur Psychologie wird ja noch insbesondere dadurch empfohlen, daß im Hebräischelt Schrifttum die Weisheit die Quelle der Tugend ist, und dieses Schrifttum überhaupt auch auf dem Standpunkt des Intellektualismus steht, der nächstens iit einem von mir für „Der Zeitgeist" (Berlin) schon eingelieserten Aufsatz gegenüber dem Jntuitionismus und Voluntarismus verteidigt werden soll. Welchen Erfolg soll es haben, lvenrt auch z. B. behauptet wird: „Beim Griechen ist der Begriff der Abschluß eines seelischen Prozesses, beim Juden der Anfang" (Buber, S. 23)? Nach nreinem Ermessen werden solch.' Sätze nicht bloß ohne Grundlage in der Wirklich!- keit ausgestellt, sondern sie sind auch nur geeignet, ' d:b Literatur der Israeliten als ein Produkt von Sonderlingen zu kennzeichnen und ihr bei anderen Menschen die Anziehungskraft zu rauben, die sie in so hohem Maße verdient. Diese besonders in der neuesten Zeit auftauchenden Versuche, dem Orient und wenigstens den Semiten und speziell den Israeliten eine besondere Psychologie zuzuschreiben, muß als ein nicht bloß grundloses, sondern auch unheckvockes Beginnen beklagt werden. 3. Daß dieses Beginnen jetzt sozusagen in der Luft liegt, möchte man fast daraus abnehmen, daß es ganz kürzlich auch bei B. I a c o b in seinem Buche „Q uell e n s ch e i d u n g und E x e g e s e i nt P e n t a t e u ch" (1916) sich in mehrfacher Weise gezeigt hat. Denn auch er meint, zunächst von „dichotomischer" Darstellungsweise betreffs der geschichtlichen Abschnitte des hebräischen Schrifttums sprechen zu dürfen, die „gern in gepaartem Gedanken-, Satz- und Wortgefüge, in Zwiefältigkeiten, Parallelismen und Kontrasten dahinschreite und letzten Endes in der semitischen, die Dinge dichotomisch erfassenden Denkweise wurzele" (S. 46). Aber soweit die Darstellungen der althebräischcn Literatur nicht zu den Dichtungen gehören, die den synonymen, synthetischen oder antithetischen Parallelismus der Glieder verwenden, kann nicht behauptet werden, daß sie in gepaartem Gedankengefüge usw. dahinschritten. Auch in der hebräischen Prosa zeigt sich nur, wie in der Prosa jeder anderen Literatur, eine Neigung zur Verdoppelung des Ausdrucks aus folgenden Motiven. Entweder will malt ähnlich wie in der bekannten Epizeuxis (meine Stilistik 155—57), einen Begriff oder ein Urteil verstärken. Oder man will, wie z. B. in den Reden des hebräischen Demosthenes, dein an sich knöchernen Begrifsskörper eine gesunde, lebensvolle Umkleidung geben. Oder man besitzt eine Neigung zum schlaffen Pleonasmus, wie sie inbezug auf Hesekiel schon in bab. Chagiga 13 a durch eine geistreiche Vergleichung Jesajas und Hesekiels angedeutet worden ist. Wenn aber auch wieder dieses Reden von einer besoudereu „semitischen Denkweise" leider nicht als in den Tatsachen begründet angesehen werden kann, so sind noch vielmehr solche Sätze, wie die folgenden, zu beanstanden: „Verkaufen" heißt: für etwas, was mir gehört, einen Kaufpreis annehmen und es dafür dem andern zu seiner Verfügung ttberltefern und hingeben. Dabei legen wir das Gewicht auf das erste Moment, die Zahlung des Preises, der Hebräer aber denkt bei makliar vorzüglich und schließlich allein an das zweite, die Auslieferung an den andern, also nicht sowohl an den sich vollziehenden, als an den vollzogenen Besitzwechsel" (a. a. O. S. 30). Und wie soll diese Besonderheit des He-

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