Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 27 (7.7.1916)
- Date
- 1916-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang XXX111 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums. -* - -ooc-- Wien, 7. Juli 1916 Lrsckeinr jeden Freitag, m Brief-Adresse: Wien, Hi. Praterstraße 9. * Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O (j- ■ ■ =DO Vezngsprers für Vesterrrrch: Q* Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare .'O Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. a Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzc'.le 48 Heller. _ oO■ --Op Otr- .=0O? N. ft. Pofisxarftassenanii Q Sieartng-Verkebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien v U/1. Praterstraße 9. l) 45.359. n O--*-Q o Inhalt: Leitartikel: Neueste Zerklüftungen des Menschengeschlechtes. — Kciegstraunngen. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnung. — Sanitätsfähnrich Tobias Weinstock. — Anszeichnung eines jüdischen Abgeordneten. - Silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse. — Die falschen russischen Meldungen. — Doppeltes Heldentum. — Indische Familien im Felde. — Der Erbauer der Feldgotteshäuser. — Gut und Blut. — Feldpostbrief. — P eis ach in Tschita und Pjeschanska. — Auszeichnnngeu jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Internierung eines österreichischen Erfinders in England. - - Wiener Amtsblatt vom 21. Juni. — Prof. Adolf Frank, Begründer der Kali-Industrie, gestorben. — Korrespondenzen: Der hebräische Unterricht an den Volks- und Bürgerschulen. — Flucht der jüdischen Bevölkerung Ostgaliziens. — Bieten wir den Kmdern der schuldlos Gemordeten ein Asyl in unserem Hause! — Wien. — Mitteilung des „Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. Knltusgemeinde Wien". — Aus dem österr. Okkupationsgebiete. — Ein Aahlkompromiß in Warschau. — Ausruf zur Meldung von jüdischen Familien, welche Pflegekinder übernehmen wollen. — Aufruf! — Die Gedenkfeier aufdem Straschnitzer Friedhof in Prag. — Die Stiftung des Feldwebels. — Anerkennung im Auslande. — Miltenberg — Ve r m l s et) t e s.— Feuilleton: Zur Geschichte der Familie Kuh — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Neueste Zrrklüftuugeu des Menschengeschlechts. Von Geheimrat Ed. König in Bonn. II. Um so mehr ist es Zu bedauern, wenn andererseits die halb unbewußte Neigung hervortritt, solche Zertlüf tungen Zu fördern. Dies aber tonnte tnan gerade in den allerletzten Jahren von seiten einzelner Vertreter desjenigen Volkes beobachten, um das es sich hier insbesondere handelt, ulld weil ich, lvie nun doch schon öfters Zutage getreten ist, eilte wissellschafrliche Ausgabe darill erblicke, die allgemein menschlichen Züge und die der ganzen Menschheit bestimmten Kulturgüter dieses Volkes vor Verkennung zu schützen, so muß ich es auch für meine Pflicht halten, gelehrte Vertreter dieses Volkes davor Zll warnen, zwischen ihrenr Volke und der übrigen Menschheit geistige Schranken anfrichten zu wollen. Eine. Gefahr, daß dies geschehe, ist mir aber durch mau=' ches in folgenden Beobachtungen entgegengetreten. 1. Schon in dem gewiß höchst interessanten Werke voll Erich Bischofs über „Die Elemente der Kabbalah", Bd. II (1914), liest mau auf S. V f. diese Sätze: „In den scheinbar abstrusen Einzelbestandteilen und Eigentümlichkeiten der Kabbalah ist ein vielfach ungeahnter tiefer Sinn verborgen. Um diesen zu erkennen, müssen lvir freilich uns bemühen, o r i e n t a l i s ch u m denken zu.lernen (vergl. Bd. I., S. 12.f. 167). Biele, zumal Vertreter der modernen Wissenschaft, sehen den Grund hierzu noch nicht eilt und konlien sich zu solchem Umdenken nicht entschließen. Die - meisten unter uns vermögen: es auch gar nicht." — „Der orientalische Denkmechanismus ist voll ullserem abendländischen llicht tun* dem Grade, sondern der ganzen Art nach wesentlich verschieden." (!) „Wer diesen Unterschied ignoriert, infolgedessen Aenßernngen eines nicht unter aristotelischer Logikfnchtel stehenden Denkens mit dem Geiste unserer gewohnten Denknormen lnißt und bnitii jenen Tiefsinn sinnlos zu finden vermag, oder ihn ztvecks eigenen Verständnisses nlodern umzuformen sucht, lveil ihm gar nicht der leiseste Gedanke kommt, daß jemals jemanb auf andere Art denken konnte, als wir, der gleicht einem Musikbanausen, der da wähnt, seit Olims Zeiten habe alle Welt nach unserer zweiseitigen Tonleiter Zn Dtir lind Moll) mit ihrer Tonfolge nlusiziert, dein es daher das Ohr zerreißen will, weml er z. B. eilte der uoch er haltenen altgriechischen Melodien Hort." Diese Ansstellnngen BischofsS müssen aber für ganz unhaltbar nngesehell lverden. Oder liegt ivirtlich eine. Grundlage für sie in der Gedan Umwelt der Kabbalisten? Ich brauche voll ihr kanm etwas anzusühren, um deil Gegenbelveis zu liefern. Denn die Hauptvorste lnttgen der Kabbalah find ja diese: Das Höchste, was sich bettfeit läßt, ist der volle Gegensatz zu delt vergäuglichßeu Dingen: das Unendliche (hin Soph). >ul feinem Begriff liegt aber nicht bloß, daß es über Ranin und Zeit erhaben ist. Es ist auch bedingungslos, d. h. es ist öuid} nichts anderes, als durch sich selbst, verttrsacht oder bedingt, und es ist auch seinem Begriffe nach durch keine eirlschränkenden Bezeichnungen bestimmbar, daher unbegreiflich. Dieses Absolute oder die Gottheit entschloß sich aber zu einer Selbstbesondernng «oder Selbstmodi fikation«, d. h. die eine und unteilbare, unveränderliche Gottheit hat sich in sich selbst wiedergespiegelt, ohne dabei in der Vielheit ihrer Reflexe anszugehen, gleich wie etlva die Sonne dieselbe bleibt, wenn sie auch in unendlich vielen Lichtstrahlen erglänzt. Soll ich noch weiter sortfahren in der Entfaltung der kabbalistischen Ideen'? Nein, ich darf es hier nicht lind ich brauche es auch-nicht zn jdem hier zu führenden Beweise. Schon die bisher gegebene Andeutung genügt ja, um folgende? Urteil zu begründet!. In den Gedanken der Kabbalah kann keineswegs eine andere Art oder Nor tu des Denkens gefunden lverden, als lvie sie von ttns ultd allen Menschen befolgt wird. In den Anschauungen der Kabbalisten zeigen sich mir besondere Gänge üo?