Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 27 (7.7.1916)
- Date
- 1916-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 27 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 447 bräers begründet werden? Durch den Hinweis darauf, daß makhar „verkaufen" auch in bezug auf Gott gebraucht iuirb und dann heißt: in die Gewalt der Feinde liefern. Aber diese bekannte Redensart „und der Ewige verkaufte Israel usw." (Nicht. 2, 14 usw.) erklärt sich einfach daraus, daß das Zeitwort makhar „verkaufen" außer seinem eigentlichen auch einen übertragenen Sinn besitzt, sivie jsoviele Zeitwörter (mein Hbr. W. D. 223 ,usiv.), und daß es in dieser metaphorischen Bedeutung selbstfverständlich'beim Subjekte Gott verwendet wird. Daraus ergibt sich aber nicht, daß dieses Zeitwort der menschlichen Subjekten den Sinn von „expatriieren und exilieren" besitze. Was aber hier die Hauptsache ist, eine derartige Behauptung, daß für den Hebräuer beim Abschluß eines Verkaufs die Zahlung des Preises nicht ebensoviel Gelvicht, lvie für andere Menschell besessen habe, ist nur g eeignet, unwillkürlich ein Lächeln zu erregen, und dazu den Anlaß zu geben, sollte sorgfältigst vermieden lverdeil. Wie deuluach mit aller Kraft dies abgewehrt lverden muß, daß durch den Rassenantisemitismus die Zusammengehörigkeit und Gleichwertigkeit aller Teile des Menschengeschlechts ignoriert und dessell allgemeine ulld höchsteil Ziele in den Hintergrund gedrängt lverden, so ist mit aller Sorgfalt auch dies zu vermeiden, daß das Volk Israel irgendlvie, lvelin auch llur unbewußt und andeutungsweise, als eine sonderbare Menschheitsabteilung gekennzeichnet und dadurch die Gefahr erzeugt lverde, daß di,e ihul und seiner Literatur gebührende Stellung iit der Geistesgeschichte der Menschheit herabgedrückt lverde. Kriegslranungrn. Vou einem Rabbiner. , Der erschütternde Weltkrieg kann auch in vorteilhaftem Sinne erschütternd genannt werden: Er lvirkc heilte schon auf lveite Gebiete segensvoll unuvölzend ein. Länderstrecken, die bisher von keinem Schimmer sozialen Lichtes erhellt ivilrden, sie leben unter deul Hauch der Kultur lvieder auf. Die lveite podolische Ebene, bislang eine Stätte gesellschaftlichen Jammers, beginnt schon jetzt — ob kurz oder leider noch lange vor erllster Friedensreguug — ihre erstarrten Glieder zu bewegen und unter deul Einfluß gerechter Disziplin die Fesseln von Jahrhunderte»! zu Mengen. Mag Galizien unter der russhschell Bärentatze leider ilvch so schwer geduldet haben, ihre unsauberen Krallen wurden und lverden, wenn erforderlich, noch um ein Erkleckliches gekürzt lverden. Nur lioch ein kleines Maß non Geduld! Das ist ja der sieghaften Gerechtigkeit Lauf auf Erden: die einen dulden für die anderen. Ostpreußen und Galizien schmachteten gle'.chsam zum Heile des berüchtigten Ansiedlungsrayons und seiner gemarterten Bewohner. Aber ebenso wie er gewaltsame O r t s Verschiebungen lvieder berichtigt, sühnt ein gerechter Krieg mancherlei verjährte Sünden der Zeit. Er richtet willkürliche Grenzverrückungen, aber auch brutale Rechtsvergewaltigung lvieder ein. Was in früheren Jahrhunderten an der Menschheit gefrevelt wurde, das sühnt das Richtschwert eines rechtlichen Waffenganges. In diesent sinne erlveist sich die Weltgeschichte wirklich als Weltgericht. Und so berichtigt der eherne Lauf des gegenwärtigen Völkerkrieges mittelbar auch eine große geschichtliche Schmach der galizischen Juden, die besonders aus der Ehre ihres Familienlebens bisher so schwer lastete. Wer kennt nicht die Verwirrung vieler Familieuverhältnisse in einzelnen Kreisen Galiziens wegen sogenannter „ritueller" Trauungen? Das ominöse ..reeto" oder „vulgovor dem Mutter, beziehungsweise Vaternamen nltd so maltches andere. Das Palladium ihrer Familien, deren Sittenreinheit, sie soll nicht zur „unehelichen" stigmatisiert werden. Diese Ehen können vor der Religion bis heute nach wie vor peinlichst jede Probe bestehen, lveit sie selbst den Schatten eines religionsgesetzlichen Ehehindernisses scheuen. Vor deln Staatsgesetze sind sie gleichwohl ungiltig. Allerdings haben einen Teil dieser unhaltbaren Zu stände auch unsere berufenen Faktoren Galiziens mitzuverantworten. Längst schon hätten diese Uebelstände durch Petitionen unserer verantwortlichen? Volksvertreter beseitigt werden können. Es hätte nicht "dahin kommen dürfen, daß heute — wie es vielfach vorgekonimeu sein soll — untergeordnete Kultusbeamte eine sogen, rituelle Trauung vornehmen und dadurch, ivenn auch unbe lvußt, der Willkür finsterster Zeiten die Sanktion verleihen. Aber tvie dem auch sei, die Hoffnung täuschte »licht, die alle Bessergesinnten nährten, daß auch für diese. Sünden der Zeit ein Tag der Sühne kominen lvercx. Der große Völkerkrieg, als Berichtiger verjährter Schä den, er »vird auch für diese Schmach eine wesen tlicha Sühne gezeitigt haben. Durch die Belehrung der hohen Behörde an die betressenden Amtsorgane, die sogena»»nten K r i e g s t r a u u n g e n liberal zu handhaben, »vird beute mittelbar nicht unwesentlich dieses Nebel der galizischen Ehen behoben. In gewissem Sinne ist der große Weltkrieg 1914 —16 auch eine Ehrenrettung der fraglichen Familien. E r befreit, w e n n a u ch indirekt, die Familie »l ehre derselben vou einem Makel, den »veder sie noch i h r e 'Ahnen verschuldet habe n. Und so ist diese bewaffnete Auseinandersetzung der Völker ami) nach dieser Richtung hin berechtigt, im prophetischen Sinne genannt zu »verden: „Ausbesterer verjährter Risse. Wiederhersteller verwüsteter Wege früherer Geschlechter/' Es liegen hierin bedeutsame, trostvolle Faktoren für die von den Kriegsleideu am härtesten Betroffenen, für die Unglücklichsten des großeil Völterbrandes, die armen Märtyrer Galiziens. Noch ist freilich der Trost angesichts ihres namenlosen Wehes nicht spruchreif, noch nicht die heilvoll »virkende Macht der Zeit für ihre brennenden Wunden gekommen. Aber schon zeige»! sich, »venu auch nur in fernen Umrissen, die Segnungen, die sie mit der einen Hand ihnen spendet für die kostbaren Giiter, die sie mit der anderen umviederbringlich ihnen raubte. Dazu gehört nebst ihrer unbestreitbaren Leiden und Opfer für Thron und Vaterland die vielfache Berichtigung ihrer Familienehre durch die nachträgliche Legalisierung ihrer Ehen, welche die ernsten Zeitverhältnisse gebieterisch fordern. Es erscheint darum als berechtigte Pflicht jedermanns, der empfindenden Sinn für die bezeichnelen Uebelstände hat, die fraglichen Kreise, die oft gar kein Hilfsmittel gegen dieselben kennen, aufzuklären, daß sie von den Segnungen deS Ehedispenfes in seinen mannigfache n F o r m e n rechtzeitig e n e - brau ch machen. (Dispens von Geburts-, Aufenthalts-, Großjährigkeitsattesten usw.) Und zivar auf staatsgesetzlich ganz zulässige Weise. Ist es doch die hohe Behörde selbst, die diese Dispense in entgegenkommender Würdigung der außerordentlichen Verhältnisse erteilt: zumeist bei Militürperfonen oder Flüchtlingen, die naturgemäß besagte Atteste nur schwer beschaffen könnten. Muster giltig human geht hierin der Wiener Modus vor. Gerviß auch seinerseits peinlich vorsichtig vor Ungesetzmäßig keiten, räuuit er gleichtvohl den Trauungsorganen direkt die betreffende Eidesabnahme zur Berrneidung von Ehe Hindernissen ein; und zwar — behufs Beschleunigurlg des Verfahrens -- sogar in Form von hiefür bestinnrrten