Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Serie 438 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 26 Aufruf! Ganz unerwartet traf uns die behördliche Verfügung, daß zirka 1000 galizifchc Flüchtlinge in unserer Stadt untergebracht werden müssen und sind diese A-'rmsten der Kriegsopfer bereits bei uns eingetrof.se t. H i e r ist rasche Hilfe nötig. ES ist uns trotz der Opferwilligkeit der Bewohner unmöglich, ohne auswärtige Unterstützung diesen Bedauernswerten ihr Los nur halbwegs erträglich zu gestalten. Es ergeht daher an alle Menschenfreunde die dringende Bitte um Gewährung eines Beitrages zu unserem Hilfswerke. Auch die geringste Gabe ist willkommen. Geldbeträge für unsere Rechnung erbitten wir an die t. k. p r i v. a l l g e m eine Berte tz r s b a n k, F i - l ia le in Göding. O'öding, 23. Juni 1916. Für das Gödinger Flüchtliugsfürsorgetomitee: Der Obmann: Fritz F r a n f l, Knltusoorsteher. Ein Erholungsheim für israelitische Kriegswaisen in Marienbad. Das Hilfskomitee für galizifchc Flüchtlinge in Marienbad hat unter dem Protektorate des Herrn f. k. Regierungsrates Professor Dr. Heinrich Kisch ein Erholungsheim für israelitische Kriegswaisen errichtet und dasselbe mit 15. Juni 1916 im Haufe „Larenburg" auch bereits eröffnet. Am 16. d. M. trafen nun die ersten zehn Knaben, im Alter von 6—10 Jahren, ein, deren Vater für Kaiser und Reich gekämpft und auf dem Felde der Ehre ihr Leben gelassen haben. Es war herzergreifend, als die armen kleinen Staatsbürger im Erholungsheim Aufstellung nahmen und der Herr Protektor die kleinert Zöglinge besichtigte, worauf der Obmann des Komitees, Herr Fritz B u x b a u m, Bankier in Marienbäd, umgeben von seinen mitarbeitenden Herren, und zwar den Herren: S. H i r s ch, I. Reicht er, B. Springer, I. Fischer, Sr. Ehrrvürden Rabbiner Dr. Dia m a n t, Sr. Ehrwürden Bezirksrabbiner Katz und Brüder Türkt, den Herrn Protektor begrüßte und folgende Ansprache an ihn hielt: Hochgeschätzter Herr Prolektor! Es gereicht uns zu einer besonderen Ehre, daß Sie, allverchrter Herr Regierungsrat, das Protektorat für unser, wenn auch bescheidenes, aber sicher humanes Unternehmen übernommen haben. Wir haben cs unS zur Aufgabe gemacht, während deS ganzen Sommers eine Anzahl von armen Kriegswaisenkindern m dic'ses neugegründete Erholungsheim aufzunehmen und für deren leibliches als auch geistiges Wohl ausgiebig nach jeder Richtung hin zu sorgen, um diesen Kindern, die ihr Bestes durch den tvütenden Krieg verloren und meist der Heimat beraubt, wenn auch nur vorübergehend, ein Heim zu schaffen, wo diese Kleinen nichts entbehren sollen. Unser Komitee wird bestrebt sein, dieses Erholungsheim fo gut als möglich zu führen, um einerseits den kleinen verwaisten .Kindern einigermaßen Ersatz für ihre verlorenen Bäter zu bieten und andererseits Ihnen, hochgeschätzter Herr, der Sie allerorten so sehr verehrt werden, mit dem übernommenen Ehrenamte auch Freude zu bereiten. (Zu den Herren des Komitees gewendet:) Und Sie, tneine werten Herren Kollegen, bitte ich, sowie in unserer Flüchtlingsfürsorge auch fernerhin unentwegt mit mir eines Sinnes zu bleiben, um das uns gesteckte Ziel, ein Erholungsheim für Israel. Kriegswaisen, tatsächlich zum Wöhle dieser armen Kinder, zur Freude unseres Komitees und zur Ehre unserer gesamten Kultusgemeindc durchzuführen, bezw. zu erreichen. Unser lieber Herr Rabbiner Herr Dr. Diamant, unterstützt von seinem ehrwürdigen Kollegen Katz, hat es übernommen, für.die geistige Nahrung unserer kleinen Schutzbefohlenen zu sorgen, und die übrigen Herren, in Verbindung der hier nicht erschienenen Mitglieder unseres Komitees, lverden nichts außer Auge lassen, um iu wahrlich väterlicher Fürsorge den armen Kriegsivaisen ein Erholungsheim im wahrsten Sinne des Wortes zu führen. (Zu den Kindern gewendet:) Und Ihr, meine lieben Kleinen, Ihr schaut uns so srenid an und glaubt wohl, wirklich fremden Menschen gegenüber zu stehen. Doch nein! Ihr seid nicht bei Fremden, Ihr sollt bei uns und iu diesem Heini alles erhalten, was zu Eurer Gesundheit, zu Eurer Verpflegung, zu Eurer Entwicklung nötig ist, vertrauet auf Gott und befolgt die Anordnungen und Ihr sollt sehen, wir alle, wie wir hier versammelt sind, wollen Euch wie gute Väter oder wenigstens wie gute Freunde beschützen. Wie Ihr seht, hat sich eine große Anzahl Herren zu Eurer Begrüßung hier cingefunden, und selbst der Herr Protektor wollte nicht fehlen, bei Eurer Ankunft hier anwesend zu fein. Herr Protektor! Ich übergebe Ihnen somit das neilerrichtete Erholungsheim und stelle mich, als Obmann des Komitees, ganz in Ihre Dienste m\h werde stets mit wahrer Freude Ihre weifen Ratschläge und Anordnungen befolgen! Hierauf dankte der Herr k. k. RegierungSrat Professor Dr. Kisch dem Obmann für seine herzlichen Worte und fuhr fort: „Da Sie, lieber Herr Buxbauni, schon so vieles Humane durchgeführt, bin ich gewiß, daß.auch dieses, den Bedürfnissen nach entsprechende Erholungsheim unter freundschaftlichem Zusammenarbeiten m’t den anwesenden Herren gedeihen wird." Tiefbewegt sprach der Herr RegierungSrat in herzlichen Worten den kleinen Mitbürgern, die alle schluchzten, tröstende Worte zu, versicherte sie seiner innigsten Teilnahme und versprach, immerdar für ihr Wohl mitzusorgen. Hierauf hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Diamant eine fesselnde Ansprache an die Kinder und Herr Bezirksrabbiner K a tz ergriff ebenfalls das Wort zu einer trefflichen Rede. Die erste Grundlage zur Errichtung des obbezeichncten - Erholungsheimes wurde uns durch die namhafte Spende des Hern Lipa Türkt aus Lemberg, derzeit in in Wien, im Betrage von 2000 Kronen geboten, und sei ihm für diese wohltätige Spende auf diesem Wege der innigste Dank gesagt. Die Besitzerin des Hauses „Laxenburg", Frau Johanna Ebert, hak das Heim wirklich einfach, aber ganz besonders sauber ltiib sehr zweckentsprechend eingerichtet, und so bleibt diese, wenn auch bescheidene Eröffnungsfeier eine schöne Erinnerung. Lemlera. Als Nachfolger für den jüngst verstorbenen Lemberger Rabbiner Moses Babad s. A. kommt in erster Linie Rabbiner S ch m c l k e s (Przemysl) in Frage, der, als er voriges Jahr mit seiner Gemeinde gezwungenermaßen in Lemberg weilte, sich große Beliebtheit erwarb. Auch für Rabbiner Lew in (Sambo G wird Stimmung gemacht. Der Sitz des Oberrabbiners Caro f. A. ist noch immer frei. Dr. C Hages (Triests hat Aussicht, zu seinem Nachfolger berufen zu werden. Ralbineraufsicht über die Israel. Stiftungen. Eine Ministerialentschließung vom 25. Mai d. I. weist darauf hin, daß in manchen kleineren israelitischen Kultusgemeinden Bayerns die Verwaltung des Vermögens der dort vorhandenen israelitischen Stiftungen nicht einwandfrei geführt wird, und daß hier und da eine stiftungswidrige Verwendung der Renten dieser Stiftungen stattfindet. Die Rabbinersollen deshalb nicht allein darüber wachen, daß die Stiftungen in ihrem Bestände nicht angetastet werden; die Aufsicht der Rabbi-