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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-30 · 26 (30.6.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
26 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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■jU. 26 Tr. Bkoch's Wochenschrift Sein 4!-7 Erwerbe zuzuwenden, der ohne große Mühe neben der Hauptbeschäftigung nnd neben der Hauswirtschaft, betrieben werden kann. Der G a l i z i s ch e H i k fs v e r e i n, der seit j ünfzehn Jahren unablässig bemüht ist, der jüdisch':: Bevölkerung Galiziens neue Arbeitsgebiete zu erschließen, und der auch jetzt im Begrifft steht, daselbst neue Hausindustrien einzuführen, hat auch die Einführung einer zeitgemäßen Geflügelzucht ilnd Geflügelhaltung in fein Programm ausgenommen. Frauen und Mädchen, aber auch Männer aus Galizien, die noch in Wien weilen, werden durch Borträge und Fachschriften über Geflügelhaltung belehrt, Wanderlehrer und Wanderlehrerinnen herangebildet und so die spätere Arbeit im Lande selbst vorbereitet. Sofort nach Eintritt ruhigerer Verhältnisse wird an die Errichtung einer, und wenn nötig zweier, großen Farmen unter sachkundiger Leitung, eine für Ost- und eine für Westgalizien, geschritten werden. Bon biefeu Zen trat farmen aus soll die Organisation der Geflügelhaltung in: ganzen Lande geleitet unr überwacht werden. Es wird vor allem von dort aus die Abgabe und der Postversandt von Kücken aus zuverlässigen Rassen (der sogen. Eintagskücken-Bersandt nach, bewährten: Muster» an die einzelnen Geflügelhaltungen, teils unentgeltlich, teils zu geringen Preisen, erfolgen,- durch Wanderlehrer und Flugblätter die Aufzucht und Wartung dieser Kücken gelehrt, durch Inspektoren überwacht werden. Es besteht nicht die Absicht, große Hühnerhöfe anznlegen, vielmehr erscheint es! als erstrebenswert, möglichst Viele kleine Geflügelhaltungen mit Hühnerbrständen von 10, 20 bis 50 Stück Hühnern zu versehen. Den: Galizischen Hilfsvereine wird es zu hoher Befriedigung gereichen, wenn es ihm gelingen wird, auch nur den hundertsten Teil des oben erwähnten Mindesterlöses von 85 Millionen Kronen der jüdischen Bevölkerung Galiziens zuzuführen. Den wohlhabenden Kreisen Galiziens eröffnet sich ein weites und dankbares Gebiet der Fürsorge für ihre ininderbemittelten Glaubensgenossen, wenn sie ihre Kräfte der Propagierung und Durchführung dieses weitangeleglen Planes zuwenden wollen. Anmerkung: Ein sechs Vorträge umfassender unentgeltlicher Kurs über Geflügelhaltung mit anschließendem Besuch e'.ner Geflügelfarm ist eben im Gange. Bei entsprechender Anzahl von Neuanmeldungen wird derselbe wiederholt werden. A n nl e l - düngen nimmt das Bureau des Hilfsvereines, 9. Bez., Berggasse 4, schriftlich oder zwischen 9 und 1 Uhr mündlich entgegen. R eg: erungs mt Professor Körnitz er. Der Kaiser hat dem Professor am Erzherzog Rainer Realgymnasium in Wien Alois Kornitzrr aus Anlaß der von t'i.u erbetenen Uebernahme in den bleibenden Ruhestand taxfrei den Titel .eines Regierungsrates verliehen. In ganz Oesterreich und noch weit darüber hinaus wird die Auszeichnung des Philologen Alois Korniier lebhafte Befriedigung Hervorrufen. Haben ibm doch seine wissenschaftlichen Arbeiten, vor allem die mit peinlicher Sorgfalt und mit guten Eirführungen ausgestattete Cicero-Ausgabe, einen sehr geachteten Namen gemacht. In seiner ganzen Lebensarbeit hat sich Rcgierungsrat Körniger als einer der ftärtsten Vertreter des humanistischen Gedankens in der Mittelschul: erwiesen und aufrichtige Freude werden über seine Würdigung als Lehrer alle ehemaligen Schüler empfinden. Uebrr der Materie stehend, dir er vortrug, wollte er nicht nur Lehrstoff vermitteln, sondern auch anticen Geist in die jungrn Seelen tragen, und ,ür viele ist er der einzig- Lichtpunkt in ihrem gequälten gymnasialen Dasein gewesen. Sein Vortrag war ungemein fesselnd, er mochte seine Hörer in die griechische Agora cinführen, Ciceros Anklagen in der drastischrsten Form bringen, oder in dr.r inm eigenen Erzählerkunst — Horazens Spott über einen läfägen Schwätzer wiedergsben,' der dem Dichter auf der Via Sacra den Weg verstellt. Das Verhältnis des' Lehrers zu seinen Schülern war wirklich ein persönliches, und auf seine Anregung wurde auch anläßlich des Jubiläums des Rainer-Gymnasiums eine Schülerstiftung ins Leben gerufen. Wien. lB e r band d e r i s r a e l. R e l i g i v n s l e h r e r a it‘ d c n ö st c r r. Rc i 1171) rl; lt l c u.1 on Der am 25. Juni d. I. unter dem Borsitze des Obmannes Rabbi uer Dr. M. Rosen manu abgehallenen Ansschnßsitznng wurde zunächst des verstorbenen Religionsinfreltors Pro sessors Dr. L. Lang selber in ehrenden Worten \]c dacht. Hierauf teilte der Obmann mit, daß der Verband in Erfüllung seiner patriotischen Pflicht auch die vierte Kriegsanleihe gezeichnet hat. Bezüglich der Teuerungszulage an die nichtdesinitiven Religionslehrer wurde dar auf hingewiesen, daß manche Kollege!: irr der Provinz Schwierigkeiten bei Erlangung derselbe:: begegneten, zu deren Behebung die Berbandsleitung das Erforderliche veranlaßt hat. Schließlich referierte der Borsitzende über die an verschiedenen maßgebenden Stellen unternommenen Schritte zur Schaffung einer Rechtslage für die nichtdesinitiven isr. Religionslehrer, namentlich hinsichtlich ihrer Pensionsberechtigung, und ivnrde nach einer eingehenden Beratung, an der Obmann Stelloerkre .r. Pros. Dr. P v l l a k, Prof. K a n i tz, Prof. Dr. R e d i s ch. Dr. K. Kupfer und der Schriftführer Dr. M. Huß teiluahmeu, eiuftiluinig beschlossen, mit Beginn des näch steu Schuljahres die Aktion in die entsprechenden Wege weiter zu leiten. Ein Schuß mit der Spielpistole. Wien, 27. Juni. Der knapp kl Jahre alte, jetzt bei der Post bedien stete Angrcht Bauer hatte in: März dieses Jahres bei den: Hause Rordwestbahnstr. 47 durch ein Loch in der Planke ans die im Hofe befind liehe Frau Anna Hofbauer aus einer Spielpistole ab sichtlich einen Schuß abgegeben, der die Dame am A:m und am rechten Handrücken leicht verletzt hatte. Der Angeklagte war zur heutigen Berhandlnng vor den: Be zirksgerichte Leopoldstadt nicht erschienen, wie sei-e Mutter sagte, ans Angst vor der Berhandlnng. Die Verletzte gab an, daß. die Burschen über die Planke in den Hos Steine warfen. Als sie mm hinaus gehen wollte, sei ein Schuß gefallen, durch den sie an der Hand verletzt wurde. Ein 14 jähriger Freund des Angeklagten, Armin Fletsch er, gab a::, daß die Buben in der Gasse, als Frau Hofbauer drohte, schrien, mau müsse den Juden was antun. Daraus habe B n n e r, der sich an diesem Tage eine Spielpistole um 7 Kronen gekauft hatte, gesagt: „Ich werd' ans die Jüdin schießen." Bauer habe nun sich erst überzeugt, ob die Frau in: Hose sei, und als er sie durch das Loch in der Plante bei der Planke stehen sah, habe er einen Schuß abgegeben. — Nicht e r (zur Mutter des Angeklagten >. Was ist denn das sür ein Bub, der gleich mit dem Erschieß?!: da ist. — M utter: Er hat bis jetzt nie etwas getan gehabt. Aber mein Gott, ich und mein Mann sind den ganzen Tag in der Arbeit und da treibt sich der Bub halt mit den anderen auf der Gasse herum. - Richter: Es ist nur ein Glück, daß die Waffe nicht derart ist, daß damit Lebe'nsgesahr verbunden ist, denn sonst würde der Junge ein Verbrechen begangen haben. Der Richter verurteilte den angeilagter: Burschen wegen absichtlicher leichter Körperverletzung durch e'nen Schuß nach §411 St.-G. zu 48 stunden Arrest nnd beschloß, das Bormundschaftsgericht von dem Bor,alle in Kenntnis zu setzen. Ans der Aussage des Freundes des Angeklagten, erklärte der Richter, habe das Gericht die Ueb'erzengung gewonnen, daß nicht eine fahrlässige Verletzung vorliege, sondern daß der Angeklagte ans Rache, nachdem er sich erst überzeugt hatte, daß die Frau hart neben der Planke stehe, den Schuß uns sie abgegeben habe.

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