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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-30 · 26 (30.6.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
26 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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LcU. 4 6 Tr. Vloch'S Wochenschrift Nr. 26 auf Erden. Das ist der letzte Gedanke der alttestamentlichen Religion. Und so mögen denn auch die christlichen Völker Europas, wenn der gegenwärtige Weltkrieg — will's Gott — zum Heile unseres Vaterlandes beendet ist, sich aufs neue besinnen, daß es ein höheres Ziel gibt als die gewaltsame Unterdrückung! Und möge unser Volk auch im Siege nicht vergessen, daß es viele Nationen aus Erden gibt, die. alle ein Gedanke Gottes sind und ihr eigenes Recht haben. So wie aus sozialem Gebiete, so ist auch auf dem politischen das Ende des Streites die Gerechtigkeit." Kffaire Areyfus. Der „Cri de Paris" schreibt: Die ..heilige Einigkeit" hat auch die Dreysus-Aftäre verschlungen. Ma'or Alfred Dreysus kommandiert die Artillerie in einem Sektor von Paris. Sein Sohn Pierre wurde soeben wegen seines heroischen Verhaltens bei Douaumont ausgezeichnet. Sein Nesse Emil, der Sohn von Mathieu D r e y - s u s, fiel in der Champagne-Schlacht und erhielt das Band der Ehrenlegion. Oberst P ach y d e C l a m und seine Söhne erhielten das Kriegskreuz. Hanptmann L a u t h wurde zum Oberstleutnant befördert und steht in Lothringen. Und Esterhazy? Was aus ihm geworden ist, weiß niemand. Versteckt er sich unter einem falschen Namen? Ist er tot? Niemand kann aus diese Fragen eine Antwort geben. Englische Iliegeroffiziere. Als Fliegeroffiziere haben sich in England die Juden Barnato und Cyril Davis ausgezeichnet. „Jewish World" nennt sie die wahren „Lustmenschen". Lord Wolhschild. Berlin, 26. Juni. Die „B. Z. am Mittag" meldet aus Rotterdam: Lord Rothschild hat alle Ehrenämter, die er seit Jahren bekleidete, niedergelegt, weil er die geforderten scharfen Maßnahmen gegen die in England internierten Deutschen nicht billigte. Außerdem ist Lord Rothschild aus der englischen Ornitologischen Union ausgetreten, weil sie den König von Bulgarien von ihrer Mitgliederliste gestrichen hak. Luzzatti. Lugano, 25. Juni. Unter den Politikern, von deren möglicher Aufnahme in das Kabinett B o s e l l i die Rede war, befand sich bekanntlich auch Herr L u z z a t t i. Seine Uebergehung soll durch die Ungnade verursacht sein, in die er bei den Engländer n gejallen ist. Während seines letzten Aufenthaltes in Paris aus Anlaß der interparlamentarischen Konferenz, die gleichzeitig mit einer Wirtschaftskonferenz abgehaltcn wurde, geriet Luzzatti wegen der Kohlenfrage in so scharfe Zwistigkeiten mit den Engläudern, daß diese sich gegen weitere Auseinandersetzungen mit ihm sträubten. Bei der Botmäßigkeit, in welcher Baron Soititino zu England steht, ist es nur eine natürlich.' Folge, daß Luzzatti es sich dadurch auch mit dem Minister des Aeußern verdorben hat. Die Freundschaftsbeziehungen zwischen den beiden Männern erlitten einen so argen Stoß, daß derselbe Baron S o n n i n o, der seinerzeit L n zzatti in das von ihm geleitete Kabinett als Schatzminister berief, diesmal gegen den Eintritt Luzzattis in das Kabinett B o s e l l i scharfe Einsprache > erhob. Ob es etwa der englische Botschafter Renell Rodd war,xd-er Luzzatti mit dem Bann belegte, ist nicht bekannt: aber es bedurfte dessen gar nicht, da Sonnino auch ohne jede Einflüsterung so tief englisch fühlt, daß er jeden Politiker, der cs wagt, sich gegen Englands Wünsche auszulehnen, als eines Minifierportefeuilles unwürdig betrachtet. Ikorrespondenzen. Eine neue Erwerbsquelle für die jüdische Bevölkerung Galiziens. Es war von jeher ein Lieblingsgedanke aller, die sich um die Hebung der wirtschaftlichen Lage der Juden bemühten,- diese der Landwirtschaft zuführen zu wollen. Die Realisierung dieses Gedankens scheiterte fast überall an schier nnüberwindlichen Schwierigkeiten, vor allem an dem Fehlen der ganz enormen Geldmittel, welche die Beschaffung des zum Ackerbau notwendigen Grundbesitzes erfordert hätte. Nun gibt es aber einen bisher nicht genügend beachteten Zweig landwirtschaftlicher Betätigung, welcher, nicht an Besitz von Grund und Boden gebunden, mit ganz geringen Kosten und verhältnismäßig geringer Mühe bei rationellem Betriebe ein sehr beträchtliches Erträgnis abzuwerfen imstande ist. Es ist dies die Geflügelzucht nach modernen, aus Amerika herübergekommenen Methoden, zu deren Einführung, resp. Neuorganisierung Galizien geradezu prädestiniert erscheint und die auch der jüdischen Bevöllßrung nicht ganz fremd und ungelegen sein dürfte. Das Neuartige und Entscheidende dieser amerikanischen Methode, die seit Jahren auch in Westeuropa eingebürgert ist, besteht im wesentlichen in der vollständigen Trennung von Geflügelzucht und Geflügelhaltung. Während eine zielbewußte Geflügelzucht nur unter sachkundiger Leitung in größeren Farmen und unter Zugrundelegung wissenschaftlich erprobter Erfahrungen erfolgreich betrieben werden kann, ist die Geflügelhaltung zum Zwecke einer sehr einträglichen Eiergewinnung jedermann 'möglich, der über einen kleinen Hofraum, ein bescheidenes Gärtchen, ein noch so kleines Plätzchen verfügt, wenn er aus verläßlichen Farmen Hühner bezieht, die speziell auf größere Legetätigkeit gezüchtet wurden, und diesen Hühnern eine zweckentsprechende Fütterung und Wartung angedeihen läßt. . Galizien, seit altersher die Eierkammer Oesterreichs, ist trotzdem in den Methoden der Geflügelzucht und Eierproduktion ziemlich rückständig geblieben. Nach den statistischen Erhebungen des k. k. Ackerbanministeriums hatte Galizien vor dem Kriege einen Hühnerbestand von 11 Millionen Stück mit einer Durchschnittsleistrmg von 40 Eiern pro Huhn und Jahr. Nun wird aber die Durchschnittsproduktion einer Henne in jeden: Lande, das eine richtige Gefügelkultur besitzt, mit 150 Eiern angenommen. Das heißt also soviel, als daß jede galizische Heime um 110 Eier weniger gelegt hat, als sie bei richtiger Zucht und Wartung hätte legen können. Das ergibt bei 11 Millionen Hühnern ein Manko von 1.210,000.009 oder einem fünftel Milliarden Eiern und — den Verkausswert eines Eies mit 7 Hellern angenommen — einen Ausfall von rund 85 Millionen Kronen für das Land. Es ist ja klar, daß ein so großer Rückstand nicht irr einem Jahre wettgemacht werden kann, doch ist gerade bei der Geflügelhaltung der Erfolg ein so sicherer und rasch ansteigender, daß schon in der: ersten Jahren ein ganz bedeutendes Mehrerträgnis zu erwarten ist.. Es kann den nach Galizien Heimkehrenden, besonders den in Dörfern und kleinen Städten Ansässigen, nicht warn: genug empfohlen werden, sich diesem neuen

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