Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Tr. Bloch's Wochenschrift tzvcu». 427 Alle Minoritätsnationen, welche vom Kriege eine Neuordnung ihrer Verhältnisse und Erhöhung ihrer ' Weltstellung erwarten, habAi durch eine Flut von wohldurchdachten Schriften und Broschüren auf die öffentliche Meinung einzuwirken versucht. Bcspielgebend in dieser Beziehung sind z. B. die Ukrainer. In allen Hauptstädten der Mittelmächte' sorgen opferwillige Komitees für die Verbreitung einer der Klärung der ukrainischen Probleme gewidmeten Kriegsliteratur. Von jüdischer Seite hat es bisher an einer derartigen zielbewußten und gut organisierten Aufklärungsarbeit gefehlt. Die nichtjttdischen Verleger und Redakteure wissenschaftlicher Monats- Revuen haben vielleicht zur Information der deutschen Oesfentlichkeit über das Oftjudenproblem mehr beigetragen, als die Juden selbst. Es ist nicht zu leugnen, daß ein hervorragendes Interesse für die ostjüdischen Dinge sich gerade jetzt bemerkbar macht. Die^ deutschen Beamten im Okkupationsgebiet haben das Bedürfnis uns näher kennen zu lernen. Roch wichtiger ist aber die Aufgabe, welche die Literatur über Ostjudentum innerhalb der jüdischen Gesellschaft des Westens zu erfüllen hat. Hier gilt es, die den Ostjuden gegenüber seit Jahrzehnten vorherrschenden Vorurteile zu zerstreuen und das verkannte Wesen der Juden des Ostens ini Lichte der Statistik und der .Gesellschaftslehre darzustellen. Die Kultur der Ostjuden ist .für viele Glaubensgenossen inr Westen ein Buch mit sieben Siegeln. Die Fabel von der Unkultur und Unmoral der Ostjuden hat eben in der Unwissenheit und sträflichen ttnorientiertheit ihren Ursprung. Das „Komitee zur Aufklärung über oft jüdische Fragen" hat deshalb unter Leitung und Initiative Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Grunwald in überaus verdienstvoller Weise für die weitgehendste Verbreitung eines Artikels des Dr. Nathan Birnbaum (erschienen zu Kriegsbeginn, am 1. August 1914, im achten Heft des fünften Jahrganges der. Berliner „Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Iugendvereine Deutschlands) durch Herausgabe desselben in einer etwas erweiterten Form gesorgt. In knappen inhaltsvollen Sätzen wird die soziale und wirtschaftliche Gliederung der Ostjuden dargestellt. Die auf langjährigen con amorc durchgeführten Studien beruhende Schilderung der Strömungen im ostjüdischen religiösen und literarischen Leben sind das Wertvollste an den Ausführungen des hervorragenden Verfassers. Sie werden wohl für viele eine willkommene Anregung für weitere Vertiefung auf diesem Gebiete bilden, wozu der kurze Literaturnachweis zum .Schlüsse. der Flugschrift einen Leitfaden bietet. Was Birnbaum über die Sprachen des jüdischen Volkes, über hebräische und jüdische Literatur, Kunst und .Musik sagt, ist objektiv und inhaltsreich. Kein Teil des ostjüdischen Lebens, kein hervorragendes Merkmal der Ostjuden ist von Birnbaum übersehen worden. Das Ergebnis der Ausführungen ist im Schlußsatz zusammengefaßt, mit welchem auch diese Besprechung beendet werden soll: „Wir haben die Ostjudenheit als eine große, geschlossene, von jüdischen Lebensgesetzen bestimmte, in eigenen jüdischen Lebensformen sich realisierende eigene Kulturgemeinschaft festgestellt und in dieser Wesenheit das Moment erkannt, das sie von der Westjudenheit unterscheidet. Wir haben sie als einen großen, jüdischen Kulturblock kennen gelernt — vielleicht den größten, den es jemals gab — von innerer Bewegung erfüllt, reich an Vergangenheit, gegenwartsstark und zukunftsvoll." Wien, im Mai 1916. Dr. A. F. Adolf Böhm in Wien hat eine Schrift verfaßt, betitelt: „Der jüdische Nationalsonds", die weit mehr enthält, als der Titel vermuten läßt, Man findet in der lebendig, durchaus sachlich geschriebenen Abhandlung von 76 Seiten, die durch schöne Illustrationen ergänzt wird, unter anderem einen guten Ueberblick über die Lage und Bewegung der jüdischen Massen. Es werden dort die Fragen der jüdischen Wanderbewegung, die steigenden Hemmnisse der jüdischen Auswanderung,' das Problem: Wo und wie soll kolonisiert werden? ernsthaft angepackt. Dann bespricht der Verfasser die Grundprinzipien des I. N.-F., schildert das Einsetzen der praktischen Tätigkeit des Fonds in Palästina und zeigt die vielfach schwierigen Probleme der Arbeit in Erez-Israel. Jedem, der an den Schicksalsfragen des jüdischen Volkes und an der jüdischen Entwicklung Palästinas Anteil nimmt, kann das Studium des Merkchens (zu beziehen vom Jüdischen Verlag, Berlin, von den Vertretern des I. N.-F. oder vom Hauptbureau des I. N.-F., Den Haag, Bierkade 8 a. Preis Mk. 1.—) wärmstens empfohlen werden. Es ist in vielen Hinsichten belehrend und wird hoffentlich der jüdischen Kolonisation Palästinas viele neue Freunde und Förderer gewinnen. Alexander ^von Peez, gleich hervorragend als Nationalökonom und Geschichtskenner, war Jahrzehnte hindurch eine interesssante Figur im öffentlichen Leben Oesterreichs. Durch mehrere Dezennien dem österreichischen Reichsrate angehörend/war Peez einer der Veranlasser der interparlamentarischen Kommission und richtete im Juni 1907 an den Haager Friedenskongreß in der „Münchener Allgemeinen Zeitung" einen bemerkenswerten Appell unter dem Titel „Moderne Amphiktyonen" mit einer Menge von wohlgemeinten und bedeutsamen Vorschlägen. Bei den Weltausstellungen zu Paris 1867 und Wien 1373 wurde Alerander Peez mit amtlicher Berichterstattung beauftragt, zur Eröffnung des Suezkanales 1869 war er zum amtlichen Referent ernannt, leider hinderte ihn damals Krankheit deni Rufe zu folgen. Bei der Errichtung und dem Ausbau der mustergiltigen österreichischen Postsparkassa wurde sein Rat verlangt, an der Schaffung des ausgezeichneten Eisenbahnwesens in Nordböhmen wirkte er tätig mit. Das Schiffahrtswesen half er auf feste Füße stellen. Der Aufsatz „Zyklus", ursprünglich in der „Münchener Allgemeinen Zeitung" 1889 erschienen, liest sich in unseren Tagen des großen Weltkrieges wie ein Erzeugnis von heute und jeder Leser wird das mit außerordentlicher Kenntnis der Vergangenheit und seherhaftem Blick in die Zukunft geschriebene Werkchen „Europa aus der Vogelschau" mit Dank aus der Hand legen und den Neudruck willkommen heißen. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft der Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Prof. Dr. M. Braun. 60. Jahrgang. Heft 3/4. Neue Folge, 21. Jahrgang. März/April 1916. Köbner'sche Verlagsbuchhandlung (Barasch & Riesenfeld, Breslau. Schmiedebrücke 17 18). Inhaltsverzeichnis : M. Ioi l s. A.: Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Zyklus. V. Aptowitzer: Die talmudische Literatur der letzten Jahre. I. N. E p st e i n : R. Mazliach-Gaon. Ein Beitrag zur Geschichte des Aruch. 2. Ochs: Die Wiederherstellung der Kommentare Ibn Esras zu den Büchern Jeremias Ezechiel, Sprüchen Salomos, Esra, Nehemia und Chronik (Fortsetzung). M. Güdemann: Der „Magen David" oder Davidsschild. Josef Baß: Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des 20. Jahrhunderts (Fortsetzung). Samuel P o z n a n s k i : Zweiter Nachtrag zur karäischen Familie Feruz. Besprechungen. Kurze Mitteilungen. Kriefkastrrr. K. F. Im 12. und 13. Jahrhundert hat es in Verdun allerdings eine große jüdische Gemeinde gegeben. Die Juden kamen aus Spanien über Südfrankreich und lehrten die Bewohner der Maasufer den Weinbau. Hervorragende Vertreter der talmudifchen Wissenschaft in Verdun sind unter den Tossaphisten Samuel den Chajim (Tosef, Ieb 65a 66b; Toses. M. K. 23a; Tosef. B. K. 77 a, 89 a). Samuel ben Joseph, der Jüngere (Tosef. Niddah 28 a) und Jakob ben Joseph, ein Bruder des Vorgenannten. Tr. Fr. B. Das scheint zu stimmen. Auch die Stockholmer Zeitung „Dagens Niheter" teilt in einer Biographie des Ehefskommandanten der englischen Kriegsflotte, Admiral I e l l i c o e, mit, daß derselbe einer jüdischen Familie entstammt, von welcher zwei Mitglieder auch in der schwedischen Flotte Stellungen innehaben. Dr. Ak,r. K. Die „Hilfskommission 1915" für Palästina gewährt jedem österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen ohne Unterschied der Partei Unterstützung, sobald er zuverlässige Auskunft darüber erteilt, inwieweit ihm bereits von anderer Seite eine Beisteuer zuteil geworden. Ohne diese vor dem k. u. k. Konsulate in Jerusalem abzugebende Auskunft und von diesem zu übende Aussicht lehnt sie jede Spendenzuweisung ab. Die „Hilfskommission 1915" hat aber auch außerhalb des Kreises der Oesterreicher und Ungarn Anstalten sowie private Bedürftige mit Zuweisungen bedacht. Sie hat bisher über 1/i Million Kronen aufgebracht und erst jüngst mit tatkräftiger Unterstützung des hohen k. u. k. Ministeriums des Aeußern eine Mehlversorgungsaktion für Palästina in großem Stil durchgeführt. Das Verlangen nach einer genauen Kontrolle ist wiederholt von Spendern ausdrücklich gewünscht worden, mag das auch hie und da unangenehm berühren. Bei Beginn ihrerN Aktion hat die „Hilfskommission 1915" über Antrag des Herrn Bernhard Hofbauer der sogenannten „Oesterr.-ung.-böhm.-mähr. Israelitengemeinde" in Palästina, d. h. dem „ungarischen Kaulel". und der sogenannten „Ealizischen Gemeinde, d. h. dem „Kaulel Drohobycz". die Anregung gegeben, während der Kriegsdauer wenigstens jede Unterscheidung der Kaulelim fallen zu lassen und alle gesammelten Spenden gemeinsam an notleidende österr.-ung. Juden in Palästina nach Maßgabe lediglich der Bedürftigkeit und der Not zur Verteilung zu bringen. Dieser Antrag wurde von den beiden Kaulelim unter den verschiedensten Vorwänden abgelehnt. Aus zahlreichen Anfragen geht aber hervor, daß die Unklarheit der offiziellen Bezeichnungen der erwähnten beiden Gemeinden zu einer ganz irrigen Auffassung des tatsächlichen Verhältnisses zu führen geeignet ist. Die „Galizische Gemeinde" umfaßt