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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-16 · 24 (16.6.1916) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Sir. 24 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 411 den derben Backenknoche,t unter der gelben Haut nach hinten überfallend, bewußtlos da. Ms die Operation vollendet war, legte der Arzt einen breiten Verband an und ließ den Verwundeten in sein Bett Zurückschaffen. Dann setzte er sich neben ihn und suhlte mit geduldiger Hand den PuPschlag, den das matte Herz durch die Adern trieb. Auf den Zehenspitzen näherte sich ein Lazarettwärtec und hing ein Papptäfelchen am Fußende des Bettes auf. „Preußische Ordnung!" dachte der Professor lächelnd und sah die mit Blaustift sauber gemalten Worte an. „Major Baschin — Brust- und Bauchschuß — (Rufs. Gesang.)" las er, ohne sich recht über den L-inn der Worte klar zu werden. Plötzlich fuhr er zusammen. „Major Baschin," las er wieder und dachte zugleich: „Den Namen habe ich doch schon gehört?" — Und da stand auch schon vor seinem Erinnern die kleine Jammergestalt von Awrom Mendel, der diesen Namen in seinen Erzählungen immer wieder mit Flüchen genannt hatte. Professor Gladstone sprang auf, er ließ die Hand des Russen los, die schwer!und steif über die BettkanG herunterfiel. Sofort beugte er sich mit der mechanischen Sorgfalt des Arztes nieder und fuhr sogleich wieder zurück in dem Gedanken: „Du hilfst dem Mörder deines Vaters!" — — Denn Major Baschin war es, den Awrom Mendel genannt hatte, der die Bewohner von Ochocz mißhandelt und die Juden ausgepreßt hatte bis aufs Blut. Major Baschin hatte den alten Glattstem erschießen lassen, weil er angeblich Lichtsignale gegeben haben sollte — dem Professor klang wieder Awrom Mendels klagende Stimn,e im Ohr: „Major Baschin — Major Baschin!" — Und er hatte eben diesen Mann mit aller seiner ärztlichen'Kunst geholfen? Der Professor setzte sich auf den Stuhl an dem Bett, stützte den hageren Köpf in die heißen Hände und starrte den Russen an. Also so sah der Mann aus, der ihm den alten Vater genommen hatte? Ein höhnischer Gedanke verzerrte den Mund des Professors zu einer Grimasse. „Es gab also doch eine Gerechtigkeit," dachte er, „eine Gerechtigkeit, die schnell waltete." Er hatte das Leben dieses Majors in seiner Hand. Er brauchte nicht einnral etwas zu tun — er brauchte nur den Pulsschlag nicht mehr zu belauschen — und der Russe schwamm aus der Ohnmacht der Verletzung in den ewigen - Schlaf hinüber. Das war nicht einmal eine Strafe, denn er würde nichts spüren, aber er würde doch wenigstens nicht weiterleben! Professor Gladstone griff wieder nach den. Arme des Russen. Leise ging der Puls unter der blassen, gelblichen Haut, schon schwächer als vorher. Er legte die Hand behutsam auf die Bettdecke zurück und starrte den Major mit seinen schwarzen, durchdringenden Augen an. Es war, als ob der Bewußtlose den Blick dieser Augen fühlte, die so hart und quälend auf ihn lagen; denn er bewegte den Kopf mit dem häßlichen, roten Bart, drehte sich unruhig hin und her und stöhnte «leise. —- Das Stöhnen wurde häufiger und ging itt ein seltsam kindisches, wehes Weinen über, als ob er in der Bewußtlosigkeit den Schmerz der schweren Wunde fühlte. Der amerikanische Arzt stand mit zusammengepreßten Lippen neben dem Bette, schloß die Augen und horchte auf das wimmernde Weinen, das einen schrecklichen Ton der Hilflosigkeit hatte. Den Arzt schien der jammernde Klang zu quälen, er drückte die Hände ineinander, daß sich die Knöchel unter der Haut ausprägten, während das Weinen des verwundeten Mannes wie der dünne, blecherne Ton eines Glöckchens durch den Raum zitterte. Noch einmal beugte sich Professor Gladstone über den Leidenden; aus seinen großen, schwarzen Augen wich das haßerfüllte Starren einem ruhigeren und kühleren Ausdruck, dann reckte er sich auf und schritt zum Ausgang des Zeltes. Hier traf er den Assistenzarzt und rief chn an: „Einen Augenblick, Herr Kollege. Der russische Major da drinnen, den ich operiert habe, braucht lleberwachunq. Eine Schwester soll bei ihm bleiben. Wenn er schwächer wird, geben Sie ihm eine Kochsalzinjektion, sonst Rühe und sorgfältigste Beobachtung! Ich denke, daß er dann durchkommt." — Der Assistenzarzt sah den Professor fragend an: „Sie wollten doch selbst " „Ich bin soeben abberufen worden und muß sofort zurückkehren," sagte der amerikanische Arzt ruhig unb mit beherrschter Stimme, „ich fahre noch in dieser Stunde fort." — Er reichte dem jungen Militärarzt die Hand und ging init festem, raschem Schritt seinem Ouartier zu. Literatur. Heinrich Sontheim. Ein Künstlerleben. Bon Leo Adle r. Preis Mk. 1.80. Dieses mit 11 Bildern geschmückte Buch schildert den Werdegang des größten Heldentenors des 19. Jahrhunderts, der auf allen bedeutenderen Bühnen des Festlandes die Herzen im Sturm eroberte und den kein Geringerer als Hanslick den Kaiser der Tenore nannte. Mit besonderem Interesse wird man verfolgen, was der ruhmgekrönte Meister, der 62 Jahre lang Mitglied der Stuttgarter Hofbühne war, über Theorie und Praris des Singens und des Sängers zu sagen wußte. Der Preis für diese gut ausgestattete Biographie ist billig zu nennen. Josef Grüns,eid, k. u. k. Feldrabbiner. Leiter der Israel. Militärseelsorge in Pozsony. Feldbriese für jüdische Krieger. 1. Juni 1916 (29. Ijahr 5676). Pozsony, Turnergasse 14. Briefkasten. K. Fr. In Rußland werden jetzt Vorbereitungen getroffen, das 25jährige Jubiläum des dichterischen Schaffens Chaim Rachman B i a l i k s würdig zu feiern. Das jüdisch-russische Journal „Iewrejskaja Sisn" widmet dem Jubilar seine Rümmer 14. die verschiedene Beiträge aus der Feder des Mendele Mocher Sforim, Laal-Machaschawot, Gorki. Dr. Klausner. Rawnicki. Frischmann und anderen enthalten wird. Notiz. Jüdische Bühne. Direktion S. Podzamcze, 2. Bez.. Taborstraße 12 (Hotel Stefanie). W o che n- P r o g r am m : Samstag, den 17. Juni: „Chanele. die Näherin", Lebensbild in vier Aufzügen von Feinmann. Sonntag, den 16. Juni, nachmittags halb 4 Uhr: ,.Blümele. die Perle von Warschau". Operette in vier Aufzügen von Feinmann; abends 8 Uhr, zum erstenmale in dieser Saison: „Chosni und Pinches", Lebensbild in vier Aufzügen. Mittwoch, den 21. Juni: ..Der II. Haman", Lebensstück in vier Aufzügen von Lateiner. Donnerstag, den 22. Juni, nachmittags halb 4 Uhr: „Das Mädel von der West", Operette in vier Aufzügen; abends 8 Uhr: „Schabes Koidefch", Operette in vier Aufzügen von Lateiner. , Josef Spitzer-Stiftung für des Ernährers beraubte Familien. Anzahl der Pcäte: Drei oder vier im Betrage von zusammen Kr. 252.—. Dewerbungsberechtigt sind: Jüdische Familien, welche des Ernährers, sei es durch Tod, sei es durch andere Umstände, beraubt wurden. Eesuchsbeiiagen: Geburtsschein des Gesuchsstellers, sowie Bescheinigung über das Entfallen des bisherigen Familienernährers, Armut^eügnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. Juni 1916. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll).

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