Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 24 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Tüte 408 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 24 Ikorrespondenzen. Jer Westtz von Uakäkina. Eine bemcrkenstverte Rede des Botschafters Morgenthau. Der Newyorker Korrespondent der Londor ee „Times" meldet seinem Blatte unter dem Datum des 22. Mai: „Herr Henry Mo r genthau, der bisherige amerikanische Botschafter in Konstanlinopel, berichtete gestern Abend gelegentlich - einer Ansprache in Cincinnati seinen Zuhörern die Tatsache, er habe kürzlich dem türkischen Ministerium auseinandergesetzt, wie ratsanr es sei, Palästina nach dem Kriege der zionistischen Organisation zu verkaufen. Dir türkischen Minister, erklärte er, hätten dem Plane eifrig zugestimmt. Man hatte Zahlen genannt und erwogen, ob Palästina in eine Republik verwandelt werden solle. „Ich sagte ihnen, wenn man den Jaffaer Hafen ausbauen würde, so würden jährlich eine halbe Million Besucher nach Jerusalem gehen, und jeder von ihnen würde 20 Pfund im Lande ausgeben." „Weshalb soll man den warten, bis sie das Geld aufgebraucht haben?", erwiderten sie. „Die Konzessionen können wir auch jetzt gewähren, also bauen Sie nUr Ihre Häfen Und Hotels." Herr Morgenthau fügte hinzu, die Türkei dächte ernstlich daran, den türkischen Oberrabbiner N a h U m als Gesandten nach den Vereinigten Staaten zu senden." Da die „Times" deu Botschafter M o r g e n t h a u Uk’ijeii seiner angeblich deutschfreundlichen Politik und Oiesinnung stets angegriffen haben, so ist auch diese Meldung mit einiger Vorsicht üuszunehmen. Aufruf an die jüdischen Bewohner Wiens! Sogleich nach Kriegsbeginn hat der Borstand des seit 47 Jahren bestehenden und meit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannten Humanitätsvereines für die lvestlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschurun" den Beschluß gefaßt, für Flüchtlinge und durch den Krieg ihres Ernährers verlustig gewordener armen Familien, welche in den Bezirken Neubau, Mariahilf, Margarethen, Fünfhaus und Rudolfsheim wohnen, eine Ausspeiseanstalt zu errichten, in welcher alltäglich gegen 200 Personen warme Mittagskost unentgeltlich verabreicht werden soll. Dieser Beschluß wurde sofort aktiviert und glaubt' der Vereinsvorstand, in der Voraussetzung, daß der Krieg nur einige Monate dauern werde, mit seinen Mitteln auskommen zu können. Leider aber ist die Voraussetzung eines baldigen Kriegsendes nicht eingetroffen und der nun bald zwei Jahre wütende Kampf hat unsere Mittel und die durch Jahre zurückgelegten Reserven für den obenerwähnten Zweck erschöpft. Ueber 4000 Kronen hat der Verein für die Ausspcisung bereits verausgabt und er müßte seine Ausspeisetätigkeit schon in der nächsten Zeit einstellen, wenn nicht rasch genügende Unterstützung sich einstellt. Wir brauchen wohl nicht bloß erst darauf hinzu' weisen, wie katastrophal es für die betreffenden Armen wäre, wenn ihnen bei den jetzigen unerschwinglich hohen Lebensmittelpreisen die Wohltat einer Gratis-Mittagskost entzogen werden müßte. Es handelt sich um Glaubensgenossen, darum bittet Unterzeichneter Vorstand dringend, helfe ein jeder, das begonnene Werk bis zum hoffentlich bald zu erwarleiiden Kriegsende weiterzuführen : trage ein jeder durch Zuweisung einer Geldspende dazu bei! Hochachtungsvoll Der Vorstand des Jsr. Humanitätsvereines für die westl. Bezirke Wiens „Nachlat Jeschurun". P. S. Geldspenden beliebe man an den Kchsavermalter .Herrn Herrman König, Wien, 7. Bez.,-.Seidengasse 28, zu senden. Wien. Der Elteruverein „Pestalozzi" (Wien,- 2. Bez., Große Sperlgasse 32—34,) versendet nachstehenden Aufruf: Euer Hochwohlgeboren! Seit inehr als' zehn Jahren löst der Elteruverein „Pestalozzi" die Aufgabe, den Kindern der Armen das zu geben, was ihnen vom Schicksal vorenthalten wurde: kräftige Nahrung und gute Kleidung für beit Körper, die notwendige Erziehung für den Geist, Einwirkung aüf das Gemüt durch liebevolle Behandlung, um den Kindern den Glauben an das Menschtum zu geben und zu festiAen. Durch Schaffung eines eigenen Heimes besitzen die Kinder eine Stätte, wo sie lernen und lesen, wo sie Frohsinn und Heiterkeit betätigen, wo sie sich heimisch und wohl fühlen können. Gang besonders segensreich hat sich die Institution des Elternvereines „Pestalozzi" während des Kriegsjahres erwiesen, da auch eine Speisehalle errichtet wurde, in der 600 Kinder täglich ausreichende Nahrung erhalten. Die Einkünfte des Vereines reichen aber nicht aus, um die großen Kosten zu decken und mußten die noch vorhandelten Reserven des Vereinsvermögeits geopfert werden. Die Lage wird aber dadurch krisenhaft, daß die Lokalitäten der Speisehalle, welche bisher kostenlos vom Hausbesitzer zur Verfügung gestellt wurden, mmnt*ef)r nur gegen einen hohen Mietbielrag dem Vereine zur Verfügung stehen. Der Elternverein „Pestalozzi" müßte seine für so viele arme Kinder geradezu unentbehrliche Tätigkeit einstellen, wenn ihm nicht kräftige Unterstützung zuteil lvird. Der Vorstand sieht sich deshalb bemüßigt, au edle Wohltäter mit der dringendsten Bitte um eine entsprechende Unterstützung heranzutreten und es Euer Hochwohlgeboren ans Herz zu legen, welchen: heiligen Zwecke Sie Ihre Unterstützung widmen und daß in unseren Kindern dem Vaterlande eine bessere Zukunft erblühen soll. — Daruin erneuert der Vorstand seine obige dringende Bitte und sieht einer geneigten Berücksichtigung derselben gerne entgegen. Hochachtungsvoll Arnold L e m b e r g e r, Präsident. Oberlehrer Jakob K o h n, Schriftführer. Oberlehrer Leopold Richter, Kassier. Lemberg. Ueber einen für uns bedeutsamen Erlaß der galizischen k. k. Statthalterei haben wir heute zu berichten: Mit einem solchen vom 29. Mai l. I. Wurfden nicht weniger denn siebzehn Bezirkshauptmaunschaften Galiziens — der Bezirk Lemberg inbegriffen a u s d r ü cklich a n g e w iese n, dem notorischen, m a ftloseu Elend der 'jüdischen Bevölkerung in den betreffenden Gemeinden aus den zu solchem Zwecke f ü r d ie g e sa m te B ev ö lke r u n g des Landes, ohne Unterschied der Konfession und Nationalität, bestiminten, den Bezirkshauptmannschaften längst zur Bersülgung gestellten Fonds „mit größtem Wohlwollen und der geb otenen Raschheit" (wörtlich: 7.; ajwiniksza zvczlicoscifv i koniecznym pospiecliem) zu Hilfe zu kommen, indem sie die seitens der Kultus- Vorstände oder Lokalkomitees für Kriegsfürsorge eingebrachten Gesuche um Subventionen, resp. Unterstützungen, günstig und prompt erledigen. Sollten die hiefür seitens der Regierung zur Disposition gestellten Mittel erschöpft sein, dann müsse „unverzüglich" (wörtlich: uatyebmiast) der Antrag auf Ergänzung, resp. Erneuerung der Fonds ,an die k. k. Statthalterei eingebracht werden. Ueber jede von den k. k. Bezirkshauptmann-