Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 24 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 24 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 407 schäften an jüdische Notleidende verabfolgte Subvention ist die Zentrale des jüd. Hilfskomitees für Ostgalizien in Lemberg zu verständigen. Diesen Erlaß bat die k. k. Statthalterei gleichzeitig dem Jüdi-? schen Hilfskomitees zur K e n n t n i s gebracht. Es ist eilt erfreulicher Beweis der Fürsorge seitens der Regiarnng mit Bezug auf die wahrhaft patriotische jüdische Bevölkerung Galiziens. Freilich, daß ein solcher Erlaß an die galizischen Bezirkshanptmannschaften im zwölfter: Monat der Befreiung des Landes aus Feindes!- hand notwendig ist, dieser Umstand wirft jedenfalls eilt grelles Licht auf die hiesigen Zustände, ganz besonders in der kleinen und kleinsten Provinz. Die achtungsvolle Anerkennung für die selbstlose, gemeinnützige Arbeit des Jüdischen Hilfskomitees in Galizien findet ihren Ausdruck in der sozusagen offiziellen Bestätigung der Rolle und Bedeutung, die dem Komitee in der Kriegsfürsorgeaktion zukommt. Der Ausführung des Erlasses sieht die schwergeprüfte jüdische Bevölkerung Galiziens mit Zuversicht entgegen. M . Archivfunde in Polen. Der Generalgouverneur von Beseler hat zu seiner Beratung einen mit den Verhältnissen des Ostens vertrauten Beamten aus der preußischen Archivverwaltung in der Person des' Geh. Archivrates Prof.'Dr. Warschauer berufen und ihn beauftragt, die öffentlichen und nach Möglichkeit auch die privaten Sammlungen nach Quellen für die deutsche Geschichtsforschung zu durchforschen. Es hat sich ergeben, daß der größte Teil der öffentlichen Archive und Sammlungen von den Russen hüterlos verlassen worden ist, nachdem sie einen Teil der Bestände mitgeschleppt hatten. Hier mußten die Bestände aufgenommen und eine Verwaltung für sie neu eingerichtet werden. Die wissenschaftliche Durchforschung der Sammlungen hat schon jetzt zu Ergebnissen geführt, die jede Erwartung weit hinter sich zurückfassen. Es sind für die deutsche Geschichte und besonders für diejenige der Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien Quellen aufgetaucht, die man längst für verloren gehalten hatte. Zu Tausenden sollen die neu festgcp stellten Urkunden für die preußischen Ostprovinzen zählen. Es fanden sich zum Beispiel solche Reliquien, wie ein Kollegienhest nach Vortrügen des Philipp Melanchjthon, eine Kabinettsorder Friedrichs des Großen an einen polnischen Magnaten, worin er seine Auffassung als Vater des Vaterlandes darlegt, die Verhandlungen über das Jnkolat des Freiherrn vom Stein mit bsem Ur--,Erlaß des Königs für ihn vom 22. März 1802. Die neugefundenen Urkunden zur Geschichte der ersten deutschen Herrschaft im Lande — 1793 bis 1806 —, von deren Vorhandensein die preußische Geschichtsforschung bisher nicht /einmal eine Vermutung hatte, geben die bedeutendsten Aufschlüsse über diese Zeit der preußischen Geschichte. Der bedeutsame wissenschaftliche Erfolg ist in erster Linie dem um die Geschichtsforschung des deutschen Ostens hochverdienten früheren Posener Geh. Archivrat, Prof. Dr. Warschauer zu verdanken, der viele Jahre lang als Professor für Landesgeschichte an der Posener Akademie 'wirkte, mit der polnischen Geschichte (bei vorzüglicher Kenntnis der polnischen Sprache) hervorragend vertraut ist und vor etwa Jahresfrist zum Direktor des Archivs in Warschau ernannt lvurde, nachdem er seit 1912 kommissarischer Direktor des Staatsarchivs in Danzig gewesen war. Er war Berater des Generalgouverneurs bei der Aufgabe, die öffentlichen Archive entsprechend dem Artikel 56 der Haager Landkriegsordnung zu schützen. Eine polnische Kundgebung. Das Komitee „Pologne et la Guerre“ in Lausanne und das polnische Preßbureau in Bern haben in einer Zuschrift an das Komitee „Pro causa Judaica“ in Zürich eine Erklärung zur Judenfrage abgegeben. Bekanntlich will das Komitee „Pro causa Jndaiac“ für die Gleich berechtignng der Juden in Rußland, Polen und Rumänien und ^für die jüdischen Kolonisationsbestrebun gen wirken. Die genannten polnischen Organisationen erklären nun, diese Ziele stehen in Uebereinstimmung mit den Interessen Polens. Sie protestieren gegen die Verwechslung Polens mit Rußland und lehnen jede Verantwortung für die russische Judenpolitik ab. _ Alle pol nischen Parteien seien darin einig, daß ein freies und unabhängiges Polen keine rechtlichen Beschränkungen gegen die Juden bestehen lassen werde. „Polen wird die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden anerkennen und demnach das Werk der Verständigung mit den Juden ans eigenem Willen und ohne fremde Einmischung voll ziehen." (Jak.) Kuttenplan. Sonntag, den 4. d. M., fand hier am isr. Friedhofe die Totenfeier für den k. u.| k. Fähnrich Ernst Fleischer aus Kutteichlan, Besitzer der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse, der den -Heldentod für Kaiser und Vaterland gefunden hat, statt. Von nah und fern strömte die Bevölkerung herbei, um der beliebten Familie ihr Mitgefühl kundzugeben. Das Sta>> tionskommando Plan stellte den militärischen Kondukt mit der Musik bei und auch das Offizierskorps beteiligte sich m corpore. Am Friedhofe hielt Rabbiner 2 a g h e r aus Kuttenplan dem Fähnrich einen herzlich empfundenen Nachruf, bei dem kein Auge trocken blieb, ivorauf die üblichen Salutschüsse abgegeben wurden. Diese große und allgemein geäußerte Trauer der vielen Bekanntenkreise möge die Eltern ob ihren schweren Verlustes trösten. Sanok. (H ilfskomitee —- patriotische Fe st Versammlung.) Um der großen Not der armen Juden wenigstens teilweise Hilfe zu leisten, bildete sich in Sanok auf "Anregung des Herrn Cezar K r a m i n e r ein Hilfskomitee, bestehend aus den Herren Rabbiner D y m, Advokat Dr. Spiegel, Prof. Appel, Kultusvorstandsmitglied Mendel Kanner, Kultusräte Israel Mayer, M. Ch. Schönbach und Jrom M. Vor den Pessachfeiertagen wurde seitens des Komitees eine Aktion eingeleitet, um die in Sanok befindliche jüdische Militärmannschaft mit ritueller Kost während der Feiertage zu versorgen. Zu diesem Zwecke wurde ein Abend, welcher dank unermüdlicher Arbeit der Herren Cezar K r a m i n e r und A p p e l sowie der Frau Dr. Fell glänzend verlief. 650 Mann bekamen dank dem Entgegenkommen der Militärbehörden und werktätiger Unterstützung der Kultusgemeinde rituelle Kost wie auch Liebesgaben. Das Komitee veranstaltete auch einen Abend zu gunsten des Roten Kreuzes wie auch zugunsten solcher Frauen der Heeresangehörigen, die aus verschiedenen Gründen keine staatliche Unterstützung erhielten, um welche Veranstaltung die Herren Appel und Cezar Kramine r sich verdient gemacht haben. Aus Anlaß des Jahrestages der Befreiung unserer Stadt aus der russischen Invasion wurde in der Synagoge ein Festgottesdienst veranstaltet, welcher einen glänzenden Verlauf nahm. Als Redner fungierte Herr Advokat Dr. Spiegel, welcher jüdisch sprach und die Leistungen jüdischer Offiziere und Soldaten hervorhob. Redner appellierte schließlich in zündenden Worten an die Versammelten, sich massenhaft an den Zeichnungen für die vierte Kriegsanleihe zu beteiligen.