Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 24 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. 'vloch'S Wochenschrift Lcitc 40^ Alls der Tagesordnung stand das vonr Privatdozenten Dr. Max Herz erfundene Verfahren einer druckfähigen Klangschrift für Schwachsichtige und Blinde. Das Referat erstattete der derzeitige Dekan der medizinischen Fakulcär Professor Julius Tandler. Die große Tragweite der Erfindung ivurde von verschiedenen Seilen beleuchtet und der Antrag auf Gründung einer eigenen Sektion zum Beschlüsse erhoben. Schließlich fand eine Vorführung fce* Modells statt. Wenn sich die an die Erfindung geknüpften Hoffnnngen erfüllen, steht durch die Klangschrift eine förmliche Umgestaltung der A r t des Lesens bei B l i n - b c it in Aussicht; aber auch schwachsichtige Augen lverden das Verfahren mit Erfolg benützen, und es ist keineslvegs ausgeschlossen, daß auch ganz gesunde 'Augen, die viel zu lesen haben, durch die Klangschrift geschont lverden und, daß nian sich allgemein der Klangschrift bedienen lvird. Dozent Dr. Herz gelangte nämlich zu einem Verfahren, ivelches denl bei der Herstellung g r a m m o p h o n i s ch e r Platten angewendeten ähnlich ist. Zwei elektrische Unterbrecher, welche durch einen Morsetaster betätigt lverden,. erzeugen Schwingungen von verschiedener Geschwindigkeit. Diese Schwingungen lverden auf eine Telephonmembran übertragen, deren Bewegungen nrittels eines Messerchelis in die Oberfläche einer sehr langsam rotierenden Wachsplatte eingegraben lverden. Ein dritter Taster dient dazu, um.bie Schwingungen chach Bedarf zu verstärken. Auf diese Art lverden lange, kurze, rasch oder langsam unterbrochene, leisere und lautere Zeichen bon fast mikroskopischen Dimensionen auf der Wachsplatte ausgezeichnet. Hierauf lvird galvanoplastisch ein Negativ in Kupfer angefertigt, und von diesem durch Pressung beliebig viele Kopien der Schrift auf Papier übertragen, das mit einer dünnen plastischen Schicht (Wachs, Leim, Eiweiß u. dgl.) überzogen ist. Zum Lesen der Schrift, ist ein kleiner Hilfsapparat notlvendig, der das Papier langsam unter einer Spitze fortbelvegt, die über die eingepreßten Wellen gleitend ihre Bewegungen auf eine Membran überträgt, von welcher sie sowohl abgetastet wie abgehört werden können. Bücher dieser Art silld weniger umfangreich als sogar g e d r n ck t e, geschweige denn in Blindenschrift hergestellte Werke. Das Verfahren ist überdies rasch und billig. Es steht nulunehr nichts im Wege, alle Erzeugnisse der Weltliteratur sowie wissenschaftliche Werke größeren Umfanges den schwachsichtigen und Blinden zugänglich zu machen, in größeren Städten Leihbibliotheken zu gründen, die sich gegenseitig ergänzen, periodische Druckschriften dieser Art erscheinen zu lassen u. dgl. Die gelehrten Berufe lverden den Schwachsichtigen und Blinden, wenn sich die Hofftmngen erfüllen, nicht mehr verschlossen bleiben. Technisch ist das Verfahren bereits ganz durchgebildiet. Voir den Plänen, die man bezüglich des Verfahrens hat, seien erwähnt: die Einrichtung einer vollständigen D r u ck e r e i, einer Bibliothek, die Anpassung des von Dr. Herz provisorisch angegebenen Alphabets an die besonderen Verhältnisse der deutschen Sprache, die Ausarbeitung eines Lehrplanes, die Einrichtung einer Schule, Einführung eines diesbezüglichen Lehrgegenstandes in den Schulen, Gründung einer Zeitung in Klangschrift und Anfertigung von Lehrbüchern in Klangschriftdruck. Die endgiltige Regelung vieler Fragen könnte erst nach Friedensschlnß international erfolgen. Italienische Angriffe auf einen deutschen Keleyrten. Eines der schärfsten Nationalistenblätter Italiens, die ,.Jdea Nazionale". bringt gehässige ,Angriffe auf einen hochverdienten deutschen Gelehrten, die niedriger gehängt werden sollen. Es handelt sich um den Geschichtsschreiber von Floren^ Dr. Robert D a v i d s o h n, der vor dem Kriege jahrzehntelang in Italien gelebt mtb in einem vielbändigen, noch nicht abgeschlossenen Werke die Geschichte der Stadt geschrieben hat. Dafür haben ihn nicht nur die deutschen Akademien ausgezeichnet, auch die Akademie bei Lincei in Rom ernannte ihn zum Mitgliede und ebenso die Academia detla Crnsca in Florenz. Nun fordert das Hetzblatt diese Florentiner Akademie auf, Professor Davidsohn ausznftoßen. wo bei es sich in heftigen Schmähungen gegen den Ge lehrten ergeht. Aas ,,Jiddisch" als Aeller. Leutnant William Ho rv itz, der im englischen Heere au der Salouikifront steht, berichtet über einen zahlreich besuchten Sederabend, der vom Oberrabbiner von Griechenland arrangiert und von dem französischen Feldrabbiner, Hauptmann B e r m a n n, abgehalten worden lvar. Da auch eine Ansprache vorgesehen war, die eng' lisch-jüdischen Soldaten aber nicht der französischen Sprache, der französische Rabbiner nicht der englischen rnächtig waren, betrachtete es Horvih als ein Glück, daß B e r m a n n das Jiddische beherrschte, das von. säst allen jüdischen Soldaten verstanden tvard. So ging der Gottesdienst zu allseitiger Befriedigung vonstatten. Keereszayten atter und neuer Zeit. Einen interessanten Rückblick über „Heereszahlen alter und neuer Zeit" gibt H. M rosse in den „Greils boten". Wir entnehmen diesem Aufsah folgende Stellen: Nicht lange nach der Blütezeit Israels erhob sich der erste Militärstaat der Alten Welt, das assyrische Reich, unter den Sargoniden auf den Gipfel der äußeren Macht. Während Babylonien nicht sehr kriegerisch war und nur eine Miliz hatte, die zu Kriegs- Zeiten aufgeboten wurde, schufen die Assyrer ein stehendes Heer von ansehnlicher Größe, das stets kriegsbereit über das ganze Land verteilt lag. Den Höchstbestand dieses Reichsheeres ohne Trost schätzt Friedrich Delitzsch tz.Asurbanipal". S. 14) auf etwa 150.000 Mann. Damit vergleiche man nun einige Heereszahlen aus dem Alten Testament unter Berücksichtigung der Tatsache, dast Palästina etwa so groß wie Belgien war, aber trotz seiner dichten Bevölkerung auch während der besten Zeit des israelitischen Staates nicht die gleiche Einwohnerzahl aufzuweisen hatte. Als der König David auf der Höhe seiner Macht stand, liest er, um sich an ihr zu weiden, sein Volk zählen. Da ergaben sich nach dem einen Bericht in Israel 800,000 waffenfähige, schwertgegürtete Männer und in Juda 500,000; nach dem anderen Bericht waren es in Israel sogar 1.100,000 Mann, wogegen in Juda nur 470,000. Einem von Davids Nachkommen, der nur die beiden Stämme Juda und Benjamin beherrschte, gibt der Chronist ein Heer von 1.160,000 Mann, ungerechnet der Festungsbesatzungeii. Diese Ziffern sind natürlich zunächst ohne Rücksicht aus die kriegerische Verwendung Machtsymbole. Aber auch sonst werden hohe Heereszahlen genannt. Saul zieht mit 330,000 Mann gegen die Ammoniter und mit 210,000 Mann gegen die Amalekiter. Abia von Juda kämpft mit 400,000 auserlesenen Leuten gegen Ierobeam. den König von Israel, der von seinen 800,000 gleichfalls auserlesenen Leuten in der Schlacht 500,000 verliert. Der Sohn des Siegers befehligt 580,000 starke Männer, lauter tapfere Krieger, als die Beduinen unter Serach mit einem Heere von einer Million Krieger und 300 Wagen gegen ihn zu Felde ziehen, und unter Jahwes Arm und der Iudäer Schwert fallen von den Feinden so viele, daß ihrer keiner am Leben bleibt. Es ist das derselbe Ileberschwang, der sich auch findet, wenn Zahlen fehlen: so lautet z. B. der Rat, den Davids aufrührerischem Sohne Absalom einer seiner Anhänger gibt, folgendermaßen: Es soll ganz Israel von Dan bis Bersaba um dich versammelt werden, so massenhaft wie der Sand, der am Meeresufer liegt. Stotzen wir dann aus ipn. so lassen wir uns auf ihn nieder, wie der Tau aufs Erdreich fällt, und es soll von ihm und den Männern allen, die er bei sich hat. auch nicht einer übrigbleiben.