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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-16 · 24 (16.6.1916) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 402 Tr. Blüch'S Wochenschrift Nr. 34 heldenmütigen Verhaltens die Auszeichnungen verheilt. Ter Kommandant des Regiments, Oberstleutnant Alexander Szaifert, benützte diesen feierlichen Anlaß, um die neueingeteilte Mannschaft in begeisternder Rede zur Nachahmung des heldenmütigen Verhaltens der älteren Kameraden anzucisern. Als Musterbild stellte er die dritte Kompagnie des . Bataillons hin, welche unter dem Kommando des Reserve-Oberleutnants Paul Borza gegen die große Uebernmcht so sehr stand hielt und sich. durch die glänzende Reche der siegreichen Waffentaten so sehr auszeichnete, daß in Anerkennung des heldenmütigen Verhaltens und der erzielten großartigen Erfolge sämtliche Offiziere und die ganze Mannschaft der Kompagnie ohne Ausnahme Auszeichnungen erhielten. Oberleutnant Borza, der von seinen Soldaten mit aufopfernder Liebe umgeben wird, erhielt das Militärverdieustkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration. Die Mannschaft war ihrer Offiziere würdig. Dem Reserve- Fähnrich Eugen K l c i n, der, aus sechs Wunden blutend, noch mit beispielgebender Entschlossenheit stand hielt, wurde neben der großen silbernen Tapferkeitsmedaille aus diesem Anlasse die goldene Tapferkeitsmedaille an die Brust geheftet, und der Reginrentskommandant hat noch besonders seine Verdienste hervorgehoben. Bei der erhebenden Feier wurden besonders der Borzaer Kompagnie große Ovationen bereitet, deren hervorragende Dienste der außerordentlichen Anerkennung teichaftig wurden, indem jedes ihrer Mitglieder ausgezeichnet tvurde. Rach den sachlichen Worten des Berichtes sei nun hier die ausführliche Beschreibung der Verdienste des Eugen Klein, jener von flammender Begeisterung geschriebene Brief, wiedergegeben, welchen Oberleutnant Borza einem hier zu Hause in Pflege befindlichen Kricgskameradeil geschrieben hat, in welchem er die Stimmung dieses Tages der Auszeichnung beschreibt: „Heute hatten wir einen großen"Tag. Ich habe wieder Rarance durchgelebt. Vor meinem geistigen Auge lebte wieder blitzend alles auf: Unser erstes Handgemenge in pechschwarzer Nacht, in welchem meine Kompagnie von den eingebrochenen Russen die Stellung in einer Ausdehnung von 600 Schritt zurückeroberte, eine Anzahl Gefangener einbrachte, das wirre Aufeinanderfolgen der Bajonettangriffe, wie meine gottvollen Helden jeden Fußbreit Erde der eroberten Stellung inmitten des furchtbaren Trommelfeuers gegen die zehn- bis zwanzigfache Uebernracht hielten, obgleich wir dreimal vollständig eingeschlossen waren — alles, alles innerhalb ein paar Sekunden; wie ein Rauchknäuel, so folgten einander Ereignisse und Gedanken. Einen Festtag hatten wir heute, einen Festtag. An der Brust ureiner Halbgötter: an der Brust eines jeden Offiziers, eines jeden Honveds -befindet sich das sichtbare Zeichen der Tapferkeit, dessen Krone Eugen Klei n ist, dem wir heute die goldene Tapferkeitsmedaille anhefteten. Der Herr Oberstleutnant Kommandant Alexander Szaifert hat in schöner, begeisternder Rede die cinziehende Ersatzmannschaft angeeifert und als Musterbild meinen Fähnrich!, den Klein, hingestellt, an dessen Brust neben der großen Silbernen nunmehr die Goldene glänzt. Ich bin glücklich^ glücklich. Tränen drängten sich in meine Augen, ich vermochte nicht zu sprechen. Für mich sprach die stumme Träne und Eugen und die Anwesenden haben sie verstanden. Das Honved-Jnfanterieregiment , . Bataillon, 3. Kompagnie, ist mein Stolz. Was diese drei Zahlen für mich sind, das kann man nicht beschreiben, das kann man nur fühlen. Was das Vaterland ihnen zu danken hat, das wissen nicht nur wir, das weiß auch die Heeresleitung, denn es gibt nur sehr, sehr wenige Kompagnien, deren jedes einzelne Mitglied zu gleicher Zeit ausgezeichnet worden wäre. DE Mannschaft war ihrer Offiziere würdig. Klein blieb trotz seiner sechs Wunden auf seinem Platze. Die sechs! Wunden, das triefende Blut des Klein waren von solcher moralischen Gewalt, daß ihr Zauber den Kämpfenden durchdrang, ihm Kraft und Glauben lieh zur Ausdauer, zum Siege. Die Honveds waren ihrer unsterblichen Vorfahren, ihres Namens! würdig. Möge der Gott der Ungarn, meine Kompagnie, die Honveds, die für das Vaterland Kämpfenden segnen, möge er ihren Arm und ihr Herz in gleicher Weise stählen. Möge Klein als Musterbild dienen, und wenn einst Friede hausen wird dort, wo jetzt erbitterter Kampf tobt, wenn wieder die Wärme der Liebe die Menschen umgeben wird, dann gedenken wir ihrer, gedenken wir . . . „Dieser einzige Jude in der Kompagnie". „Egyenlöseg" erhielt folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redakteur! Ueber Ihren Aufruf teile ich Ihnen in Folgendem die Geschichte meiner Auszeichnung mit der silbernen Tapferkeitsmedaille mit. Wählend des .Verlaufes der letzten erfolgreichen serbischen Offensive habe ich am 7. Oktober unseren Fähürich, welcher im riesigen Granaten- und Schrapnellfeuer verwundet wurde, aus denk Feuer gerettet. Dies geschah -vormittags. Während des ganzen Tages standen wir im Wasser luib an: Abend rettete ich einen Kameraden, welcher einen Bauchschuß hatte, aus dem feindlichen Feuer. Der Herr Hauptmann hatte vorher die Mannschaft aufgefordert, sich freiwillig zu melden, den; Kameraden herauszuholen. Es meldete sich jedoch niemand vom ganzen Bataillon außer mir. Ich bemerke, daß ich der einzige Jude in unserer Kompagnie.war. Als ich den Verwundeten herausgeholt hatte, drückte, hrir her Herr Hauptmann die Hand, belobte.meinen Heldenmut und sagte: „Ich bin stolz daraus, daß dieser einzige jüdische Bursche, der in meiner Kompagnie ist, sich so heldenhaft benimmt." Im November kam ich als Schwerkranker nach Hause, aber nun bin ich mit Gottes Hilfe wieder genesen, so daß ich in die in Formierung begriffene Marschkompagnie eingeteilt bin. Außer mir kämpfen noch meine zwei Brüder für das Vaterland; mein älterer Bruder, der Zugsführer ist, besitzt die silberne Tapferkeitsmedaille l. Klasse. Im Zivilberuf bin ich Handlungsgehilfe in Eger (Erlau). Mit vorzüglicher Hochachtung Adalbert Deutsch, Jnfanteriereg. Nr. 60, 1. Kompagnie. Hob eines Wiener Arztes in russischer Gefangenschaft. Der Wiener Arzt Dr. Bernhard Fingerhut ist nach einer bei seinen Verwandten eingelangten telegraphischen Mitteilung aus Taschkent „nach zwölftägiger Krankheit trotz Bemühung aller Kollegen anr 1. Mai verschieden und begraben wordien". Dr. Fingerhut, der ein Alter von 42 Jahren erreicht hatte, war emeritierter Assistenzarzt am Rudolfsspital und wohnte im 17. Bezirke, Elterleinplatz 1. Am 1. August 1914 war er nach Przemyfl eingerückt und nach dem Fall dler Festung wurde er kriegsgefangen nach Odessa abgeführt. Dort blieb er etwa zehn Monate. Am 1. Februar 1916 wurde er nach Taschkent überführt, wo er in das Troitzkilager gebracht wurde, wo er nun gestorben ist. Der in demselben Lager als Kriegsgefangener befindliche Arzt Dr. Schindler aus Nikoksbürg hatte die telegraphische Verständigung der Angehörigen des Verstorbenen übernommen.

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