Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 23 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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§i:. 23 Tr. Bloch s Wochenschrift 2e te 39t staatsbürgerlich'n Interessen der jüdischen Btzoölkernng im nördlichen Kriegsgebiete" hin gestellt werden. OPnz abgesehen davon, daß in dieser Darstellung auch solche Bemerkungen enthalten sind, die im Laufe der Diskussion voir anderen vorgebracht wurden, habe ich die Redaktion der „Mysl Zydowska" ersucht, ihreit Bericht über die gedachte Konferenz dahin richtigstellen zu ^vollen, daß die urir!zu ge schrieb er: eit Erklärungelt den Sinn n.jeiner Ausführungen in derc wesentlichen Punkten nicht richtig wiedergeben. Auch habe ich um die Feststellung ersucht, daß meine im Rahmen dieser vertraulichen Besprechung cntluicßelten Anschauungelt lediglich als persönliche, nicht aber als Willensäußerung des „Oesterreichischpn Zentralkomitees" vorgebracht wurden. Durch die Aufnahme dieser Erklärultg würden Sie mich zu besoltderem Danke verpflichten. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Sekretär Siegfried F leis ch e r. „Kaiser Franz Jos'fs-Ferieicheiill." Am 6. d. M. giilg die erste Serie von 140 Schulkindern, welche wegen ihrer körperlichsen Schwächlichkeit schulfrei gemacht werden konnten, zu einnwnatigem Ferialaufenthalt nach Schloß Vorkloster-Tischuoivitz in Mähren in das eigene Heim obigen Vereines ab, in welchem im vorigen Jahre 140 nervenkranke Krieger liebevolle Aufnahme gefunden haben. Es ist dein Vereine trotz der schwierigen Verpflegsverhältnisse gelungen, den Konsllln für einen dreimaligen Serienwechsel uttd alle übrigen notwendigen Bchelfe für die Kolonisierung von 420 Kindern aufzubringen. Unter diesen Kindern befinden sich dreimal 40 Schützlinge des Vereines „Tagesheimsftätten für Kriegerwaisen", die uns gegen Erlag der Selbstkosten anvertraut wurden. Die Kolonie wird von einer Schullehrerin, einer Jndustrielehrerin, einiger freiwilligen Hortlehrerinnen und einer Krankenschwester beaufsichtigt und wurde von der Vorstandsdame Frau Caroline Deutsch in das Heim geführt. Zum Abschied am Bahnhofe fanden sich ein: die Präsidentin Iran Sofie Grst'nfeld, die beiden Vizepräsidentinnen Frau Sofie Quittner und Frau Rosa F r e y b e r g, Frau Schuldirektor Malvine F r i e dm a n n. Delir Errtgegenkommen der Bahnvertvaltung sowie der Behörden und in erster Linie der GerNcinde Wien ist es zu danken, daß unter den so erschwerten Verhältnissen einer Gruppe von 420 Kindern die Wohltaten eirrer Evholung geboten werden können. Nicht unerwähnt dürfen die außerordentlichen Bemühungen der Verwalterin Frau Dr. Zins bleiben, dererr urrevrnÄdlichen Arbeitskraft es gelungen ist, die Beschaffung von soviel Utilitäten zu beiverkstelligen, ohne welche die Entsendung einer so großen Zahl von Kindern nicht möglich gewesen wäre. Ein Methusalem. Aus Czeruowitz wird berichtet: Hier lebt ein Mann, dessen Geburtstag in die Regierungszeit Kaiser Franz I. fällt. Srull Jossel Berkowicz ist im Jahre 1804 in dieser Stadt geboren und in seinem einhundertsechzehnten Lebensjahre mußte er nun die Schrecknisse des Weltkrieges und der zweimaligen Russeninvasion noch miterleben. Jetzt hat die Frage seines Unterhalts seinen Geburtsschein aus den vergilbten, fast zu Staub gewordenen Dokumenten auf den grünen Tisch gebracht, und so erst ist die Oeffentlichkeit mit diesem Methusalem bekannt geworden: denn er und seine lim* gebung wissen kaum, welchen Seltenheitswert ein Alter von hundertfünfzehn Jahren bedeutet.- Im Ghettoviertel der Stadt, in der Grabengasse, wich nt er mit seiner Fa milie: ein hageres Männchen, mit der üblichen Samst mütze des Drthodoxen als Kopsbedecknng. Seine Tochter, ein altes Mütterchen im Alter von mehr als achtzig Jahren, versorgt ihn. Ein Kreis von Urenkeln hängt an ihrer Schürze. Während die alte Frau den Gebnrts schein des Vaters im Kasten sucht, unterhalten mir ups mit dem Einhundertsünjzehnjährigen. Nachbarinnen, die hinznkommen und die Launen des Alten genau keuueu, bringen ihn zum Sprechen. Siebzig- und Achtzigjährige sieht in Bewegungen und Gesamthaltung verfallener aus als dieser Mann. Sein Blick schwimmt und kann nicht meh-r einen Punkt fefthalten, aber immerhin sieht er noch mit freiem Auge und hat niemals ein Glas benützt. Der Alte hört schlecht, aber die dolmetschenden Nachbarinnen haben eine gewisse Fertigkeit, sich ihn« verständlich zu machen. Die Geistesfrisch? des Allen ist erstaunlich: Er erinnert sich an Kaiser Franz I., an die. Freiheitskriege, genauer an die Thronbesteigung Kaiser Franz Josefs, an die 1848 er Jahre, au die Kriege 1859, 1866 und 1871 uüd wundert sich, daß gegenüber jenen Feldzügen dieser Krieg solange dauert. Als die Russen in die Stadt eindrangen, waren alle Nachbarn und Nachbarinnen geflüchtet, er und seine Tochter mußten Zurückbleiben. Er erzählt es selbst, er habe sich nicht gefürchtet, denn Gott stehe zu ihm. 'Nun könne der Tod für ihn nicht mehr ferne sein, denn n.ehr als das vierte Geschlecht l„Dor"> habe noch kein Mensch erlebt. Sch. Ein jüdischer Stuhlrichtrr. „Egyenlöseg" schreibt: In der ungarischen Komitatsverwaltung gehört der jüdische Beamte leider zu den Seltenheiten, und doch beweisen diejenigen, welche solche Stellen bekleiden, durch ihren hervorragenden Fleiß, ihre Pünktlichkeit und Verläßlichkeit, wie ausgezeichnet auch der jüdische Beamte in der KomitatS- und Ztaatsveriwaltung seinen Platz ausfüllt. In den Stuhlrichter- und Sberstuhlrichterstellen ist der Jude eine äußerst seltene Erscheinung. Wir können uns auch kaum einiger erinnern, zum Beispiel des Dberstuhlrichters im Biharer Komitate, Ritter v. W e r t h e i m st e i n, welcher gegenwärtig auf dem Kriegsschauplätze seinen Mann stellt. Diese Woche nun wurde in der Generalversammlung des Nograder Munizipiums Sigmund Küszner, Schriftführer des Waisenstuhlsfand Titular-Oberstuhlrichter, zum wirklichen Stühlrichter gewählt und dem Dberstuhlrichteramte des Balaszaer-Gyarmater Kreises zugeteilt. Der liberal gesinnte Obergespan Michael v. P r 0 n a y würdigte in vollem.Maße die Verdienste des Stuhlrichters Küszner als ausgezeichneten Beamten, der sich auch in der Gesellschaft großer Beliebtheit erfreut. In dem! Kandidationsausschuß wurde, unter Teilnahme des Magnatenhausmitgliedes Grafen Geza M a i l a t h, eines Schwiegersohnes des verstorbenen Gründers und Führers der katholischen Volkspartei Grafen Ferdinand Zichy, Küszner einhellig kandidiert und auch die Vollversammlung nahm die Wahl unter allgemeiner Zustimmung einstimmig vor. Teutsclbrod. Samstag, am 27. Mai, nachmittags, empfing die Stadt Deutfchbrod eitlen hohen Gast, nüm lich Se. Exzellenz den Bischof aus per Königgrätzer Diözese Grafen Dr. v. D 0 u b r a v a, der hier zur Firmung eintraf. Zur Begrüßung des hohen Kirchensürsten erschien auch eine Deputation der hiesigen israelitischen Kultusoemeinde, bestehend aus dem Herrn Vorsteher Alois Koref und Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Leo Berti sch. Nach einer Ansprache des Herrn Bürgermeisters und des Bezirkshauptmannes hielt Rabbiner Dr. Berti sch an den hohen Gast folgende kurze böh-