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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-09 · 23 (9.6.1916) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
23 (9.6.1916)
Date
1916-06-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 392 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 23 mische Rede, die verdient, veröffentlicht zu werden. „Eure Exzellenz! Wir begrüßen Sie aufs herzlichste im Namen unserer alten jüdischen Religion, die der ganzen Menschheit den einig-einzigen Gott gegeben hat. Wir begrüßen Sie im Namen des Alten Testamentes, das der Anfang des Neuen Testamentes ist; denn lote wir vom theologischen und wissenschaftlichen Standpunkte aus wissen, ist das Neue Testament nur eine Fortsetzung des Alten. Diese zwei Testamente bildeten zwischen uns immer Freundschaft, und möge auch fernerhin die alte Freundschaft zwischen uns erhalten werden." Der hohe Gast drückte Herrn Rabbiner Dr. Berti sch warm die Hand und dankte innigst für den Empfang und für diese kurze und schöne Ansprache. Freitag, am 2. Juni, stattete der Kirchenfürst Herrn Vorsteher Alois 5t o r e f wie auch Herrn Rabbiner Dr. Leo Bertis ch je einen Besuch ab und dankte jedem nochmals für den schönen Empfang. Ernennung. Aus Konstantinopel wird berichtet: Ter bisherige erste Archivar im ottomanischen Ministerium des Aeußern Isidore B e y G a l l i m i d i wurde zum Kanzleichef im Kabinett desselben Ministeriums ernannt. Isidore Bey Gallimidi ist ein hochgebildeter Mann, dessen ausgezeichnete Dienstleistungen wiederholt Anerkennung gesunden haben, und seine diesmalige Beförderung wurde auch in allen Kreisen der türkischen Gesellschaft mit ungeteilter Sympathie ausgenommen. Rom. Im „Corrierc della Sera" vom 21. Mai veröffentlicht Luigi Luzzatti einen Aufsatz über die Religion in Italien. Unter anderem ist darin folgendes enthalten: „Die Protestanten nehmen zu, die Jul len nicht; sie nehmen sogar ab, denn sie waren 35.617 inr Jahre 1901, zehn Jahre später mrr 34.324 Seelen: Ein Teil ist sicher zu den Religionslosen gewandert; ein Teck hat vielleicht seinen Glauben nicht angegeben, aber es muß doch mehr Juden in Italien geben. Warum verstecken sie sich? Es gibt Juden, die sich schämen, Juden zu sein. Ich hoffe, nicht der einzige Zu sein, der, obwohl durch tiefe Ueberzeugung den: väterlichen Glauben ent-' fremdet, wieder Jude wird, wenn es sich darum handelt, sich kleinen Gefahren oder Geringschätzung, die nie fehlt, entgegenzustellen, oder an die Seite der Bedrückten zu treten. Dieses unsterbliche Volk hat sich durch die Verfolgungen selbst gerettet; aus diesen schöpfte es die Macht der Erhaltung und der ewigen Jugend." Zürich. Ein hier soeben gegründetes Komitee pro causa .judaiea hat sich zur Aufgabe gestellt, die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt auf die Judenfrage zu lenken. Diese umfaßt die zwei großen jüdischen Probleme: die Forderung der Gleichberechtigung, durch deren Erfüllung Millionen von entrechteten Juden in den Besitz der Menschenrechte gelangen sollen, und die Frage der kolonisatorischen Emigration desjenigen Teiles des jüdischen Volkes, der nach eigener kultureller und wirtschaftlicher Existenz strebt. Das Komitee will zunächst und in erster Linie die Forderung der Gleichberechtigung der Juden in Rußland, Polen und Rumänien zur Diskussion stellen und die Welt von der Notwendigkeit der politischen und wirtschaftlichen Befreiung der jüdischen Massen in diesen Ländern überzeugen. In Rußland und Polen leben mehr als sechs Millionen Juden in den traurigsten Verhältnissen, entrechtet, zusammengedrängt, ohne Freizügigkeit, immer blutige Pogrome fürchtend, der Willkür einer unverantwortlichen Bureaukratie ausgeliefert. In Rumänien werden 250.000 Juden, trotz des Berliner Vertrages und der formellen Versprechungen der rumänischen Regierung, als Fremde betrachtet und einer Verfolgungs- und Unterdrückungsgesetzgeb nng ausgesetzt, die zur völligen Verarmung sund Ausrottung führt. Das Komitee wird über alle diese Fragen Propagandabroschüren und Flugblätter herausgeben, Konferenzen einberufen, sich mit den großen jüdischen Körperschaften in den neutralen und kriegführenden Ländern in Verbindung setzen, um zu einer gemeinsamen Aktion, hauptsächlich bei Anlaß der Friedensverhandlungen, zu gelangen. Das Komitee wird darauf achten, daß die Presse, alle politischen Parteien und gemeinnützigen Verbände, die das Ideal der Gerechtigkeit vertreten, sich der jüdischen Sache annehmen. Das Komitee ersucht Juden uud Christen, welche die gute Sache unterstützen wollen, um Zustimmungserklärungen sowie materielle Spenden. Das Komitee besteht aus folgenden Herren: Präsident: I. Dre y fus-Bro d sky, Basel, Präsident des Schweizerischen Israel. Gemeindebundes; Vizepräsidenten: H. Bon eff, Vizepräsident des Schweizerischen ,Israel. Gemeindebundes, Bern; Dr. jur. A. Mamelok, Oberrichter, Zürich; Dr. Atme Schwöb, Pres, de Comm. Jsr. de Genöve; Bureaumitglieder: Julius Bär, Bankier; Hermann Conheim, Newyork, zurzeit in Zürich: Dr. Felix P i n k u s, Redakteur; Mitglieder: I. A b r a h a m, Mitglied des Zentralkomitees des Schweizerischen Israel. Gemeindebundes, Zürich; Dr. jur. Charles Bol lag. Rechtsanwalt, Zürich; S. Erlanger sen., Präsident des Israel. Kultusvereins, Luzern: Dr. jur. D. Färbst e i n, Kantonatsrat, Zürich; L. N e u b u r g e r, Präsident der jüdischen Gemeinde, St. Gallen; CH. Levy- Schwob, Präsident der israelitischen Gemeinde, Lallsanne; H. Schmuklerski, Präsident der jüdischen Gemeinde, Zürich; Dr. phil. S. D. S t e i n b e r g, Redakteur, Zürich. Bureauadresse: Zürich, Postfach 15.377. Wertsendungen: Juk.' Bär' & Co., Zürich, Bahnhofstraße 48. Der Aufruf ist von einer stattlichell Am zahl hervorragender Schweizer Persönlichkeiten, auch vielen Nichtjuden, mitunterzeichnet. Tie Jpden des Kaukasus. Die wissenschaftliche Forschung hat die merkwürdige Tatsache nachgewiesen, daß etliche Stämme des Kaukasus jüdischer Abstammung sind. So in erster Liilie die Mingrelier, deren Fürsten ihre Abstammung geradewegs auf David zurückführen. Auch die Gebräuche der Osseten, besonders bei Hochzeit und Begräbnis, haben eine auffallende Uebereiirsti in m u ll g mit d e m A l t iy ebräis ch en. Es ist noch gar nicht so, lange her, daß nach dem Rechte der Osseten der Bruder eines kinderlos verstorbenen Mannes verpflichtet war, die kinderlose Witlve zu heiraten, eine bekanntlich al tzjüdische Gesetzesvorschrift. Als Juden hohen wir auch die Tschetschenzen zu betrachten, zu denen seinerzeit der berühmte Chamil gehörte, der den Russen nur die Mitte des vorigen Jahrhunderts viel zu schaffen machte. Bemerkenswert ist, daß infolge allzu spärlich fließender Quellen bis auf den heutigen Tag das Rätsel noch nicht gelöst ist, wie jene jüdischen Stämme in den Kaukasus gelangt sind. Möglicherweise haben sie sich von der Südostküste des Schwarzen Meeres dahinglezogen, wo Mithridates sie einst angesiedelt hatte. Jedenfalls finden 'sich Spuren des Judentums im Kaukasus schon vor Alexander dem Großen. Zu erwähnen ist noch, daß jene Judenstämme sich des Rufes der kühnsten Tapferkeit zu erfreuen haben.

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