Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 23 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 23 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 385 L Unterstützungen micfj Galizien und Russisch-Polen in der Oiesamtsumme von nahezu 200.000 Kronen gesandt wurden. Bei den hierauf folgenden Wahlen werden die turnusmäßig ansscheidenden Vorstandsmitglieder: Dr. Josef B r c 11 e r, Richard Bettel i) e i nt, Hofrat Dr. Josef L ö w n e r, Direktor Alexander W eine r und Moriz Eißler per Akklamation wiedergewählt. Die Versammlung wird hierauf vom Vorsitzenden geschlossen. _ Hilfsaktion der Wiener „Israelitischen Allianz" in Galizien nnd Knsfisch Polen, Der publizierte Bericht zeigt das imposante Bild einer weitausgrcifenden Hilfstätigkeit für die Hunderttausende unserer durch den Krieg in Not geratenen Glaubensgenossen. Tie Fürsorgeaktion der „Allianz" für die ans Galizien und der Bukowina nach Westösterreich geflüchteten Juden wurde auch im verflossenen Jahre durch Subventionierung einer großen Anzahl von Wohlfahrtseinrichtungen in Wien und von Hilfskomitees in Böhlii e n und M ä h r e n fortgesetzt. In Wien hat die „Allianz" bis anfang Mai 1916 dem Vereine „Einheit", der Israelitischen Volksküche, dem Verbände der Humanitären galizifchen Vereine, dem Vereine „Machsike Hadath" und verschiedenen speziellen Veranstaltungen für die A u s s p ei s u n g a r m e r Flüchtlinge insgesamt 37.900 Kronen, der von Herrn Gemeinderat Dr. Rudolf S ch w a r z - H i l l e r geleiteten Zentralstelle der Fürsorge für die Kriegs fl lichte linge zum Zwecke der Erteilung von Unter stützuimgen in besonders berücksichtigungswerten Fäl l e ii an notleidende Flüchtlinge Monatssubventionen tt»i Gesamtbeträge von 79.000 Kronen, den Hilfsaktionen, der Frau Anitta M ü l l e r, dem Zionistischen Armen- Ambulatorium, der Israelitischen Kinderbewahi anstatt und anderen Institutionen Betrüge in der Höhe von zusammen 21.000 Kronen zugewendet. Die Unterstützung armer Rabbiner und Lehrer aus Galizien erforderte 32.983 Kronen, die Zahlungen für Schulgelder, Taxen und Büche r 32.843 Kronen. Insgesamt wurden in Wien 203.816 Kronen verteilt. Von den zirka 150 Hilfskomitees für die Flüchtlinge in den Kronlündern erhielt Pilsen allein (zugunsten einer größeren Anzahl von Flüchtlingsgrnppen) 13.600 Kronen, Budweis 17.300 Kronen, Karlsbad 14.100 Kr., sür das Barackenlager in Nikolsburg wurden 52.750 Kronen, für Pohrlitz 12.750 Kronen, für Gaya 14.150 Kronen verwendet. Größere Subventionen erhielten auch Bodeubach, Elbogen, Franzensbad, Kaadeu, Komotau. Marienbad, Petfchau, Reichenau a. K., Saaz, Schlau und zahlreiche andere Kultusgemeinden. In noch bedeutend größerem Umfange war die „Allianz" seit der Befreiung Galiziens und der Bukowina und derBesetzung russisch-polnischer Gebiete durch die österreichisch-ungarischen Truppen für die Linderung der Not in diesen Ländern tätig. Um bei dem verbreiteten Interesse für die unglücklichen Opfer des Krieges und dem gleichmäßigen Streben aller jüdischen Organisationen in Wien, welche schon in Friedenszeiten auf die eine oder die andere Weise für die Juden in Galizien gewirkt hatten, bei der gegenwärtigen großen Not hilfreich einzugreisen, in der Aktion keine Zersplitterung entstehen zu lassen, trat die „Jsr. Allianz" mit dem Verbände der jüdischen Humanitätsvereine „B'nai B'rith" in Oesterreich und dem Hilfsvereine für die notleidende jüdische -Bevölkerung in Galizien ins Einvernehmen und bildete mit Delegierten dieser Körperschaften ein 'gemeinsames Komitee. Für Ostgalizien wurde das Hilfskomitee in Lemberg als Zentralstelle für eine große Anzahl kleinerer Genieinden eingerichtet. Außerdem wurden in den größeren Städten (Brody, Stanislau, Kolomea. Jaroslau. Sambor, später auch in Czernowitz und Rzeszow) besondere Komitees eingesetzt, für die kleineren Orte iiy Mittelgalizien ein Zentralkomitee in Przeinysl und für Westgalizien in Krakau. Bis Anfang Mai 1916, also eigentlich im Verlaufe von nur 6—7 Monaten «da die Organisation des Hilfswerkes in großem Maßstabe erst Ende Oktober 1915 in die Wege geleitet werden konnte) wurden auf diese Weise in ungefähr 200 Orten Galiziens zur Linderung der Not der jüdischen Bevölkerung, insbesondere zur Erhaltung von Volksküchen, zur Anschaffung von Lebensmitteln und zur provisorischen Unterbringung der Waisenkinder in bereits bestehenden oder nengegründeten Kinderasylen 876.766 Kronen verwendet. Hinsichtlich der Höhe der für die einzelnen Orte bis zur Abfassung des Berichtes gewährten Unterstützungen steht an der Spitze Lemberg selbst mit 91.000 Kronen. Es folgen: Gliniany mit 36.344 Kronen, Ezernowitz mit 35.700 Kronen, Brody mit 31.334 Kronen, Zloczow mit 29.000 Kronen. Stanislau mit 27.000 Kronen, Przemyslany mit 25.500 Kronen, Kolomea mit 19.000 Kronen. Jaroslau mit 16.100 Kronen, Przemysl mit 14.300 Kronen. Betz mit 13.000 Kronen, Sambor mit 13.700 Kronen, Buczaez. Rzeszow, Sieniawa mit je 11.000 Kronen, Bnkaczowce. Rohatyn und Sokal mit je 10.000 Kronen, Gorliee mit 8000 Kronen, Tnrka mit 7.750 Kronen, Kolbuszowa und Niemirow mit je 7.000 Kronen, Busk mit 6.900 Kronen. Tarnobrzeg mit 6.894 Kronen, Rymanow mit 6.800 Kronen, Jaryczow nowy mit 6.700 Kronen. Komarno mit 6.500 Kronen, Gologory. Worochta und Stary-Sambor mit je 6.000 Kronen, Dembica mit 5.800 Kronen, Uhnow und Zablotow mit je 5.500 Kronen, Tobromil mit 5.300 Kronen, Drohobyez mit 5.250 Kronen, Bialykamien. Gwozdziec, Horodenka, Mieter, Nadworna, Rawaruska nnd Sanok mit je 5.000 Kronen und eine lange Reihe kleinerer Orte mit Beträgen unter 5.000 Kronen. Am längsten dauerte es, bis die Hilfsaktion für die schwer heimgesuchte Bevölkerung in den okkupierten Gebieten zu organisieren möglich war, da noch in den Herbstmonaten des vorigen Jahres in diesen Gebieten keine geregelte Post- und Telegraphenverbindung für die Zivilbevölkerung bestand und es mit unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden war, über die Lage in den jüdischen Gemeinden verläßliche Nachrichten zu erlangen oder Delegierte zu Jnformationszwecken dorthin zu entsenden. Es war übrigens bekannt, daß die Militärbe - Hörden bei ihrer humanen Gesinnung und bei ihrer Kenntnis der Tatsache, daß gerade die Inden in Polen während des Krieges wegen der bei ihnen von den Russen vorausgesetzten Neigung zu Oesterreich ein Martyrium zu erdulden hatten, bei ihrem Einzüge als Befreier in das Land der ärgsten Not unter unseren Glantz bensgenossen Abhilfe zu gewähren bestrebt waren. In mehreren Fällen wandten sich die k. u. k. Etappenkommandanten an die „Allianz" unter Hinweis auf die unter den Juden der besetzten Orte herrschende Not um Gewährung von Hilfe und in solchen Fällen war die „Allianz" in der Lage, ihre Unterstützungen sofort durch die betreffenden Kommandanten verteilen zu lassen. Erst im Januar laufenden Jahres konnte die „Allianz" ihren Sekretär nach Russisch-Polen delegieren, um eine systematische Regelung der Hilfsaktion im ganzen Lande, soweit es von den österreichisch-ungarischen Truppen besetzt ist, und in den angrenzenden wolhyni-