Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 23 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 384 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 23 Ich unterbreite diese Vorschläge, die für die öMiche Judenheit von tiefster Bedeutung sind, der jüdischen Oeffentlichkcit. Ihre Realisierung wäre richtunggebend s ü r ganze Geschlechter und gleichbedeutend mit der inaugurierten Regeneration der Judenheit des europäischen Ostens! Eine letzte Frage bliebe noch offen: Wie sollen, besonders in beruflicher Beziehung, jene älteren Kinder erzogen tverden, die entweder bereits eine von den Eltern gewählte intellektuelle Richtung eingeschlagen haben l Mittelschüler), oder aber ein bestimmtes, hervorragendes, künstlerisches Talent bekunden?! Solche Kinder — deren Zähl nicht groß sein kann — müßten, meiner Ansicht nach, in einem speziellen (dem einzigen dieser Art» Waisenheim in einer der Landes-! Hauptstädte (Lemberg oder Krakau), wo Bildungsmöglichkeiten vorhanden find, konzentriert und dort erzogen werden. Es ist immer schwer zu tadeltt, lucmt in einem Waisenhause einige wenige Ausnahmen zu „etwas Höherem" erzogen werden, oft bei gar wenig überragender Begabung. Das vergiftet das Gemüt, trübt den C'ha-z rakter aller übrigen. Wir haben es übrigens wahrlich nicht nötig, unser berufliches, geistiges Mittelgut zu vermehren. Starke Intelligenzen kommen auf jedem Gebiete von selbst zur Geltung. Dagegen dürfen wir große Talente nicht verkümmern lassen. Wir hierzulande, bei denen die Jugendfürsorge bis heute ein Brachfeld blieb, sollen die schöne Bereit-. Willigkeit des Staates — der ja zu allen Zeiten „auf dem Lallen der Säuglinge" seine Zukunft baute —, sowie der Gesellschaft dazu benützen, die schweren Schäden in der Jugenderziehung unserer Massen — Schäden, die alte, tiefe Quellen haben — gründlich zu beheben. Bei den so plötzlich ganz in unsere ausschließliche erzieherische Hut gegebenen Kindern wollen wir beginnen, und die ganze I u d e n s ch a f t Oe st e r - re ich s soll und wird uns in diesem gott- und menschengefälligeit Werk gewiß beistehen. Aus dem engen Kreise „ernannter" Vertrauenspersonen retten wir die wichtige Angelegenheit hinüber v o r das F o r u m der großen jüdischen Oeffentlichk e i t und fordern sie hiemit auf, ihr beratendes und moralisch m it be sti m m e n d e s Votum abzugeben. Lemberg, im Juni 1916. Generalversarnmlrmg der „Israelitischen Allianz" zu Wien. Die 43. ordentliche Generalversammlung der „Jsr. Allianz" zu Wien fand am 5. Juni d. I., 6 Uhr abends, im Saale der israelitischen Kultusgemeinde Wien statt. Anwesend waren fast alle in Wien weilenden Mit-; glieder der Vereinsleitung: der Erste Vizepräsident Dr. Arthur Kur and a als Vorsitzender, der Zweite Vizepräsident Dr. Felix Katz.au, die Herren Wilhelm Pappe nhe im, Dr. Jacob Niren stein, Dr. Josef Breuer, Richard Bettelheim, Prof. Dr. S.EHrui a n n, Mor. E i ß l e r, Hofrat Dr. Josef L ö w it e r, Universitätsprofessor Dr. Josef P o l l a k, kais. Rat L. Sachs Edler von Sach s e Wh all, Alexander Weiner, Direktor der Bodenkredit-Anstalt, und Sekretär Rabbiner Dr. Armand Kaminka. Ferner waren erschienen die Gemeinderabbiner Tr. G r u n w a l d, Dr. T a g l i ch t und Dr. Rosen m a n n. vom Wiener Kultusvorstande die Herren Salomon Br o d, Heinrich Mendl und Dr. H. Schreiber, Sekretär Dr. A d l e r, die Redakteure Dr. I. S. B l o ch und Dr. L ö w y („Wahrheit"), Schriftsteller Albert L ö w, Regierungsrat Dr. Frankfurter, Reichsratsabgeordueter Dr. Steinhaus, der Präsident der Lemberger israelitischen Kultusgemeinde Dr. S. Schaff, der Präsident der Handelskammer in Brody Lazar Bloch, der Verwalter der J.-C.--A.-Kassen in Galizien David Roller, Oberinspektor Josef St eg er, Prof. Moritz Antscherl und zahlreiche andere angesehene Mitglieder. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung, indem er die Beschlußfähigkeit derselben konstatiert und des im verflossenen Jahre dahingeschiedenen Vorstandsmitgliedes Generalrates Adolf Klein sowie-der verstorbenen Mitglieder der Filialleitungen gedenkt. Ueber Antrag des Herrn R o t t e r wird von der Verlesung des bereits seit mehreren Tagen in Händen der Mitglieder befindlichen' umfangreichen Jahresberichtes abgesehen. Zum Inhalte desselben ergreift Herr M. B a u in das Wort und hebt mit besonderein Danke die weitverzweigte segensreiche Tätigkeit der Vereinsleitung in dieseil schweren Zeiten hervor. Er konstatiert, daß dieselbe in hohem Maße den gestellten Anforderungen entsprochen hat. Der Dank gebühre ebenso dem Vertreter des amerikanischen Hilfskomitees, Herrn Maximilian Paul- Schiff. Er kommt ferner auf seine in der vorjährigen Generalversammlung bereits gegebenen Anregungen zurück, daß dem seit einigen Jahren beobachteteil Rückgang der Mitgliedsbeiträge durch eine energische Propaganda in ganz Oesterreich entgegengewirkt wecdcn müsse. Die Beiträge der Kultusgemeinden, z. B. der Großgemeinde Wien, welche einen Mitgliedsbeitrag von im Ganzen 400 Kronen leiste, seien gegenüber dem' Miklionenbudget viel zu gering. Vor allem müsse endlich einmal der von beit Statuten vorgeschriebene Beirat in der Anzahl von 20 Personen gewählt werdeil, worüher er vom Vorstande int Namen der Mitglieder um eine endgiltige und entschiedene Erklärung bittet. Dr. Schreiber schließt sich in bezug auf die Anerkennung der ersprießlichen Tätigkeit des Vereines dem Vorredner an und meint, daß der Verein über sein Programm hinausgehen sollte, um nicht nur den notleidenden Glaubensgenossen zu Helsen, sonderil auch die Führung aller jüdischen Organisationen zu übernehmen. Kultuspräsident Dr. Schaff dankt der Vereinsleitung namens der Lemberger Gemjeinde sowie der gesamten galizischen Judenschaft für die zur Linderung der Not unter den Juden gewährte umfassende Hilfe. Der Vorsitzende beantwortet die gestellten Anfragen und verliest ein aus Zloczow eingelaufenes Tselegramm des dortigen jüdischen Hilfskomitees: „Der geehrten Generalversammlung und dem Versehrten Vorstände übermittle ich im Namen 3000 notleidender Glaubensgenossen in Zloczow innigsten Darrt urrd ergebenste Ehrerbietung wie auch die Bitte um weitere Hilfe. Dr. M i t t e l m a n n." Professor Antscherl rühmt die 43 jährige Wirksamkeit des Vereines, über dessen Bedeutung insbesondere die Schuljugend seitens aller jüdischen Religionslehrer in Oesterreichs belehrt werden sollte. Der Sämstag vor jeder Generalversammlung sollte in der ganzen Monarchie zur Veranstaltung feierlicher Ansprachen über die hohe Bedeutung der „Israelitischen Allianz" dienen. Der Jahresbericht und die Rechnungsabschlüsse werden hierauf einstimmig genehmigt. Zu den im Berichte angeführten Zahlen über die Hilfsaktion bemerkt Sekretär Dr. Kamin ka, daß seit Abschluß des Berichtes anfangs Mai d. I. bereits weitere