Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Leite 378 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 der östlichen Juden sichern. Während seines Aufenthalte? in Wien -hat er täglich das Vereinsbethaus „'Emeih Weschulim" (Wahrheit und Friede) besucht und nicht nur auf die Mitglieder dieses Vereines, sondern auch auf die Zahl- -reichen Flüchtlinge, welche dieses Bethaus besuchtetl, erbauend gewirkt, sie im Glauben an eine bessere Zeit und an ein siegreiches Ende dieses Kriegjes! bestärkt. In Anerkennung dieser seiner hohen Verdienste hat der Verein „Emekh Weschulim" beschlossen, Ehrwürden Oberrabbiner Babad zum Ehrenmitglied zu ernennen. Darüber war in diesen Blättern ausführlich! berichtet worden. Tie Trauernachricht wird deswegen nicht verfehlen, in weiten Kreisen aufrichtige Teilnahme zu wecken. Er siel auch als eines der Kriegsopfer, durch Infektion einer epidemischen Krankheit, die in Lemberg grassiert. Tr. Hermann Spiegler s. A Am 6. April I. I. wurde ein treuer Sohn des Judentums zu Grabe getragen. Alle Schichten und Schattierungen der Ortsbevölterung, vom Bezirkshauptmann bis zum schlichtesten Arbeiter, gaben ihm das letzte Geleite. Einen so imposanten Leichenzug sah Ung.-Brod bisher nicht. Alte verehrten den verewigten Dr. S p i e g - I e r als ihren Wohltäter und Retter in der Stunde der Not. Alle spürten, datz er das Beste war. was wir hier an Wissenschaft und Humanität besaßen. Als vielgesuchter Stadt- und Distrittsarzt, vernachlässigte er die Armenpraris nicht. Wo es nottat, folgten seinen ärztlichen Anordnungen sogleich die Mittel zu deren Anschaffung. Er hat nicht nur verschrieben. Mit einer nie versagenden und versiegenden Herzensgute beschwichtigte er alle Le den und Klagen des Herzens. Nicht unbedeutend ist die Zahl der Aerzte, denen er die Kosten zur Erreichung der Doktorwü-de „vorstreckte". Er verstand vortrefflich die Kunst zu geben. Sein Werdegang hat ihn zur Humanität erzogen. Die bescheidenen Verhältnisse im elterlichen Hause lehrten schon den Knaben des Lebens Notdurft kennen. Allen Entbehrungen trotzend, steuerte er kraftvoll dem gesteckten Ziele zu. Mit reichem hebräischen Wissen ausgestattet, das bis zum letzten Atemzuge sein Stolz gewesen, besuchte er vorübergehend die Pre'zburger Jeschiwah. Seines Kxidensweg^hat er im Aufstiege nicht vergessen. Was er gelitten, foWeTfföwnV feine"Mittel reichten» seinen Mitmenschen erspart bleiben. Der hierortige tschechische Eemeinderat würdigte seine Hingebung und Aufopferung, indem er ihn, den deutschen Juden, zum Ehrenbürger ernannte. Dr. S p i e g I e r war zum Kultusvorsteher prädestiniert. Biele Jahre leitete er umsichtsvoll die israel. Kultusgemeinde Ung.-Brod, bis er von einer schweren Kraniheit befallen, sein Amt niederlegen mutzte. Im Trauerhause, wie auf dem Friedhofe wurden von dem Gefertigten die Verdienste des Verewigten um die Stadt und ihre Bewohner hervorgehoben. Sodann sprach der Kultusvorsteher Herr M. H. Brammer tiefempfundene Worte des Abschiedes. Ein Neffe des Verblichenen, Herr Siegfried Brammer, trug ein selbstverfatztes Gedicht vor, wobei kein Auge trocken blieb. Am offenen Grabe gedachte Herr Dr. Felder aus Ung.-Hradisch des streng wissenschaftlichen Verfahrens, das Herr Dr. S p i e g l e r bei Abhaltung eines Konsiliums an den Tag legte. Mit gewohnter Virtuosität ließ er Induktion und Deduktion ioeinandergreifen. Herr Dr. S p i e g l e r hinterlätzt eine Gattin, die ihm in des Wortes edelstem Sinne eine Lebensgefährtin war. Sein Sohn, Herr Dr. Friedrich Spiegler, Spitalarzt in Wien, wurde jüngst durch Verleihung des Ehrenzeichens vom Roten Kreuze 2. Kl. mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Ung.-Brod. _ Dr. N ürnberger. Feuilleton. Hauptmann Honig. Von Dr. P. Heinrich. In seinen« Buche „Die Feldzüge Napoleons" (Will). Braumüller, Wien und Leipzig, 1913) erwähnt der Verfasser, Herr Rabbiner Dr. Grunwald, eines jüdischen Offiziers Honig und berichtet, daß er den Erzherzog Kar! auf dem Schlachtselde das Leben gerettet habe. „Er lvurde 1810 Leutnant und später Hauptmann im ersten Teutschmeistcr-Landtvehr-Bataillon. Als solcher lvurde er am Miucio am 8. Februar 1814 an der rechten Hand und am Uirterleib verwundet. Kaum verbunden, kehrte er.zur Division zurück und hielt die Nacht unter dem feindlichen Känonenfeuer aus. Er lvurde geadelt und mit der Leitung der Militärspitäler in Verona betraut. In einem Zeugnisse des PlatzkoNtmandanten vom 22. Februar 1814 wird von ihm gesagt, daß ohne „seine rastlose Tätigkeit" der größte Teil der Kranken und Blessierten Zugrunde gegallgen wäre." Ueber diesen Hauptmann Honig finden sich im Archiv der israelitischen Kultusgemeinde eine Anzahl hochinteressanter Dokumente, welche in der gegenwärtigen Zeit des Weltkrieges wohl wert sind, der Vergessenheit .entrissen zu werden. Diese lauten wörtlich: Copia. Zeugnis. Ich bezeuge hiemit, daß der ehemalige Fähnrich Alltoil Hönig bey dem Wurmserischen Serbischen Frey Corps im Jahre 1800 während der Zeit, als Selber mit einer bey Donaustaufell und Kjehlheim auf Vorposten gedient hat, sich stets muthig, Tapfer und besonderen Eifrig gezeigt, auch irr seinem moralischen Betragen sich als ein brawer ehrliebender Officier aufgeführt habe, den ihm gegeben Auftrag'willig und klug ausgeführet, auch nicht im allergeringsten Anlaß gegeben hat über seinein Betragen etwas auszustellen, welches ichhiemit mit meiner Unterschrift und Jnsiegel bestätige. Sig. Vien, ctm 27. August 1805. L. 'S. ' I. Mcssy, Major. Copia. Zeugnis. Endesgefertigter bekennen hiemit Kraft dieser Schrift, daß der Herr Hauptmann Hönig in seillein Dienste unermüdet und sehr fleißig immer war, besonders aber bey jeder Gelegenheit vor dem Feinde mit Talent und Tapferkeit sich vorzüglich ausgezeichnet habe. Urkund dessen die Fertigung und Unterschrift der gedachten Hh. Heren. Wien, den 30. Juny 1813. Johann .Gr. O d o n e l l mp., K. K. Kämmerer und Major. Moritz Gr. O d o n e l l mp., K, K. Kämmerer u. Oberstteutllallt, Adjutant Sr. H. des E. H. Maxiinilian. Friedrich Gr. v. Stadion mp., vormähls Hauptmann. Copia. Der Endsbellannter bezeuget hierdurch auf Verlangen, daß der k. k. Herr Hauptmann Hönig während des Feldzuges von 1809 bei jeder Gelegenheit dlirch Eifer und Thätigkeit im Dienste lind dlirch Tapferkeit vor dem Feinde sich ausgezeichnet und sich überhaupt stets als einen brauchbaren Officier bewieseil habe. Wien, den 1. Julius 1813. (L. S.) Steigentesch mp., Oberst. Collationirt und dem Original gleichlautend befunden. Verona, den 15. März 1814. S ch w a b e n i k, Auditor voll Deutschmeister-Jnf. Z e u g n i s. Wodurch wir Endesgefertigte bestätigen, daß der Herr Hauptmann P. Hönig durch das!k. k. Plaz-Commando von Verona, von dem dirigirenden Herrn Feldstabsarzt Hh. v. Ketterer und den Unterzeichneten aufgefordert, die Direction der Militaire-Spitäler von Verona zu übernehmen, welche in dein traurigstell Zustand sich befinden, indem die Kranken auf den blosen Steinen und