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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-06-02 · 22 (2.6.1916) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
22 (2.6.1916)
Date
1916-06-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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rtr. 22 Tr. Bloch'S Wochenschrift Seite 371 Eine lehrreiche Statistik. Der bekannte ungarische Dichter Andor G a b o r schreibt int „Egyenlöseg": In dieser judenfeindlichen Wlt tvirkt garrz sonderbar aus ini.ch eine kleine Statistik. In dem Alice Weiß-Entbindungsheim in Budapest, wo neite und hoffentlich bessere Menschen als die heutigen auf die Welt kommen, wurden im Jahre 1915 168 christliche Kirtder geboren: 128 römisch-katholische, 24 evangelischereformierte, 11 evangelische A. B., 3 griechische katholische und 2 Baptisten. Sie wurden in den jüdischetr Betten geboren, mit Hilfe jüdischer Aerzte, von jüdischer Pflege umgeben. Ich begrüße diese 168 neuen Menschen und ich möchte wünschen, daß sie einstens Zeugen seien dafür, daß, während Mart uns draußen schlug uttd drückte, wir nicht verbittert wurden und wegen der Verderbtheit der Menschen nicht verzweifelten. Wir schritten vielmehr weiter fort in unserem Gedanken, daß wir in der Ausübung der Liebe keinen Unterschied machen zwischen ben Menschen und den Konfessionen. Und kwährend andere -nach unserem Leben trachteten, halfen wir ruhig selbst, das Aufsehen vermeidend, auch jenen ins Leben, dort bereit Eintritt in die Welt wir — die wir doch immer ttnd in allem nur den Nutzen sehen wollen — niemals einen Nutzen haben werden. Eröffnung eines Waisenhauses für Kinder gefallener Krieger in Sambor. Am 21. Mai l. I. fand hier die feierliche Eröffnung des vom hiesigen jüdischen Hilfskomitees errichteten Waisenheimes für Kinder gefallener Krieger statt. Zur Eröffnungsfeier hatten sich eingefunden: Bezirkshauptmann Ritter von Lepkowski, Bürgermeister Dr. Steuer m a n n, der Kultusrat in corpore mit dem Präsidenten Herrn Meilech Moldberg sowie ein auser-, lesener Kreis Von Damen und Herren. Die Eröffnung vollzog der Vorsitzende des Hilfskomitees kais. Rat Oberrabbiner Aron Lew in, der in einer längeren Ansprache die Entstehung her Anstalt schilderte. Derselbe dankte auch allen Spendern für das warme Interesse, das sie für dieses, den dringenden Bedürfnissen der großen Zeit, in der wir leben, Rechnung tragende Werk bekundeten, zollte jedoch besonderen Dank der,,Jsr. Allianz" tu Wien, die in wahrhaft hochherziger und großmütiger Weise die vom Hilfskomitee eingeleitete Waisenaktion förderte und deren munifizente Unterstützung es haupt-i sächlich ermöglichte, dieses schöne Werk ins Leben zu rufen. Auf die künftige edukatorische Tätigkeit der Anstalt übergehend, betonte der Redner, daß es Sache der Verwaltung sein wird, die Wer Obhut anvertrauten Schützlinge, deren Väter für uns, für unsere Erlösung und Befreiung ihr Leben eingebüßt haben, zunächst zu guten, unserem Volke, unserer heiligen Religion treuergebenen Juden, aber auchzu guten und nützlichen Bürgern des Staates, zu treuen Söhnen des Heimatlandes heranzubilden und zu erziehen. Mit einem Hoch auf beit Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstiMm-, ten, schloß die wirkungsvolle Ansprache, worauf kais. Rat Oberrabbiner L e w i n die religiöse Weihe des Hauses durch Anbringen von Mesusas an den Türen vornahm. Zum Schluffe ergriff der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Advokat Dr. Hammermann, das Wort, um namens derselben das Entstehen der nach jeder Richtung zweckmäßig ausgestatteten Anstalt zu begrüßen und den innigsten Dank des Gemeindevorstandes für die mühevolle Tätigkeit des Vorsitzenden kaiserlichen Rates Oberrabbiner Le w in sowie des tatkräftigen Schriftführers Prof. Dr. Rosen streich zum Ausdrucke zu bringen. Die Anstalt befindet sich in einem Gebäude, das vom Kuratorium der hier bestehenden Gotthelf'schen Stiftung zu diesem Zwecke zur Verfügung und mit einem Kostenaufwande von mehreren Tausend Kronen adaptiert und eingerichtet wurde. Der Verwaltuitg steht ein eifriges Damenkomitee unter Leitung der Frau Bürgermeister Dr. Steuermann, Frau Oberrabbiner Lewin und Frau Dr. Aleksandrowicz zur Seite, das sich mit besonderer Sorgfältigkeit der unglücklichen Waisett anniMmt und alles Mögliche aufbietet, um deren Erziehung mit richtiger Umsicht zu leiten und zu fördern. Pilsen. Wie im Vorjahre, besorgte der hiesige Kultusvorstand auch Heuer die rituelle Ausspeisung der hier garnisonierenden jüdischen Soldaten wahrend der ganzen acht Pessachtage. Dank der Opferfreudigkeit unserer Gemeindemitglieder, welche durch Geldspendelt zu den fast 7000 Kronen betragenden Kosten bereitwilligst beitrugen, sowie dem Entgegenkommen des Kommandos des k. u. k. Infanterieregimentes Nr. 69, welches in der Kaserne die notwendigen Räumlichkeiten, eine Küche, das Koch-, Auffichts- und Bedienungspersonal bereitstellte, konnten mehr als 200 ^Soldaten .teils in der Kaserne, teils außerhalb Derselben mit ritueller Kost versehen werden. Der Kultusvorstand hat außerdem den Häftlingen in der Militär- und Zivilstrafanstalt diese Verköstigung zuteil merbeit lassen und ferner einer Abteilung rekonvaleszenter Soldaten in Eisenstein Mazzoth eingesendet, damit dieselben attch dort den Pessach feiern konnten. Am ersten der beidert Sederabende erschienen die Delegierten des .Kultusvorftandes mit dem Rabbiner Dr. Ludwig G o l i n s k i int Ausspeiselokale, wo letzterer in einer warmempfundenen, wirkungsvollen Ansprache der Bedeutung des Festes gedachte, ' ivelches die Anwesenden Heuer außerhalb ihres Heims oder Elternhauses feiern, und erinnerte dieselben an ihren schweren Dienst für Kaiser und Reich, worauf er ein dreimaliges Hoch auf Seine Majestät ausbrachte, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten und gleichzeitig die Volkshymne absangen. Die Ritualien des Seders besorgte Herr Religionslehrer Moritz Müller, der auch in Gemeinschaft mit seiner Gemahlin die rituelle Aufsicht über die Ausspeisung während der acht Tage versah. Außerdem erschienen Delegierte des Kultusvorstandes zu den jeweiligen Mahlzeiten, welche stets in bester Ordnung und zu allseitiger Zufriedenheit verabreicht wurden. Im Hinblicke auf die gegenwärtigen Verhältnisse und die allseitige Inanspruchnahme der Kultusgemeinde verdient die neuerdings geübte Opferfreudigkeit der hiesigen Gemeinde und Wer Leitung, welche auf die reli-, giösen Bedürfnisse Wer Angehörigen stets auf das gewissenhafteste bedacht ist. Dank und Anerkennung. Die jüdischen Soldaten haben auch in warmempfundenen Worten ihren Dank zum Ausdruck gebracht. Polna. „Tempora mutantur et liomines in iis.*‘ Der Bischof der Diözese Königgrätz, Herr Dr. D o u b r a w a. besuchte am Samstag, den 20. Mai, die Stadt Polna. Zu der ihm zu Ehren veranstalteten Empfangsfeierlichkeit war auch vom Pfarramt, dessen Pfarrer ein überaus loyaler, mit der Judenschaft sympathisierender, älterer Herr ist, nebst den Staatsbeamten unsere Kultusgemeinde eingeladen. Dieser Einladung leisteten Folge Kultusvorsteher Herr Hermann Basch, zweiter Vorsteher HerrjMax Polkatschek und Herr Rabbiner David Alt. Letzterer begrüßte im Namen der Kultusgemeinde ben Gast mit einer in lateinischer Sprache gehaltenen, einige Minuten lange Ansprache, welche vom Bischof ebenfalls lateinisch erwidert wurde. In dieser Erwiderung betonte er die Friedfertigkeit, die Vaterlandsliebe und Dynastietreue der Israeliten. Der Rabbiner sowohl als die beiden Herren Vorsteher wurden nach der Empfangsfeierlichkeit von ihm ins Gespräch gezogen. Zu dem dem hohen Gaste zu Ehren veranstalteten Tiner waren wohl die erwähnten jüdischen Herren eingeladen, doch hielten sie sich

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