Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Yr. 22 Jahrgang XXXIII Dr. Bloch’s H Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Zudentums. oü' - ■ =Oo P K. kr. PostlxsrKassenrrrnt Lleartng-Verkebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien ' II/i, Praterstraße 9. j Telephon 45.859. nO - -- -On Wien. 2. Juni 1916 Erscheint jeden Zfr e L ts g. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. 06”"" ' =00 p Vrrugsprris für Vesterrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für ds» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. GanzjähNg 20 Kronen. OCtene Petitze'.le 48 Heller =9o Inhalt: Leitartikel: „Die Stimme der Menschlichkeit". — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Auszeichnung des Professors Dr. Salomon Ehrmann. — Weitere Auszeichnungen. — Goldenes Berdienstkreuz. — Kompagniekommandant Albert Beregi. — Auszeichnungen im Kriegsverkehr. — Aufmunterndes Beispiel. — Auszeichnungen vom Roten Kreuz. — Wo der Tod verteilt wird, dort gibt es keine Konfessionen. — Hohe Auszeichnung nach dem Tode. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Ans dem österreichischen Okkupationsgebiet. — Ein jüdischer Reiseschriftsteiler über eine bulgarische Gesandtschaft in Deutschland vor tausend Jahren. — Korrespondenzen: Zeichnungen für die vierte Kriegsanleihe. — Rabbiner Professor Dr. Philipp Bloch. — Wiener Kinder aufs Land. — Eine lehrreiche Statistik. — Eröffnung eines Waisenhauses für Kinder gefallener Krieger in Sambor. — Pilsen. Polna. Freiberg. — Die Beschästigungsschule der Flüchtlingskmder in Pohrlitz. — Zum Aufbau der jüdischen Schulen in den Karpathen. — Sofia. — Vermischtes. — Feuilleton: Hauptnranu König. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. „Me Stimme der Menschlichkeit." Zum Offenbarungsfeste im Weltkriege. Von Oberrabbiner W. Reich in Baden b. Wien. Vom großen Tor des Hotel Kamenitz in Jaffa heraustretend, befindet man sich in der Hauptstraße die auf dein Wege nach den jüdischen Kolonien führt, wenn man zu Wagen nach Jerusalem reist. Am Ende der Stadt befindet sich eine Bieguirg, dieser zrlgewendet, zeigt sich dem Wanderer ein Ausblick, d'er überraschend wirkt. Auf einem Hügel, fällst aufsteigend, willdet sich eilte Straße, von beiden Seiten mit herrlichen, modern gebauterl Villen flankiert, prachtvoll schattige Bäume, ans den Gärten Wohlgerüche orientalischer Blumen entströmend, ein europäischer Luxus umgibt uns, sogar Karossen zur Ansfährt sieht man hie und da bereit; die Wege gepflegt ulid eine wohltuende Ruhe — auffällig ab stechend von dem vorher in der Hafenstadt I a sfa vernommenen Lärm und Geschrei der Araber mit ihrer hastigen Vielgeschäftigk: it. «Man merkt in diesem Stadtviertel den markanten Unterschied, und man wird vom Führer "belehrt: es ist das englische Viertel. Es imponiert, denn der Engländer weiß sich nach außen hin zu geben. Die Außenseite ist tadellos — gentlemanlike. Aber wie sein Wesen, sein Charakter, sein Denken, sein Innenleben beschaffen sirld, der kaltberechnende Egoismus, die schlangengleiche Heuchelei, die Täuschung und Irreführung, die seinem Tun und Lassen innewohnt, das sollte sich auch da an einer merkwürdigen Einrichtung kenn-, zeichnen, wie sie nur das englische Missionsherz zu er^ sinnen vermag. Diese Merkwürdigleit, sie zeigt sich in dem Innern des englischen Hotels, welches sich gleich rechts beim! Aufstieg in der Straße befindet. Eilt prachtvoller Park, mit allen Herrlichkeiten ausgestattet, umgibt das Hotel, welches eigentlich eine Pension ist. In das Innere tritt nran durch eine geräumige Hall — ganz wie in Europa. Aber eines sieht man in der ganzen Welt nicht; es ist die originelle, eigentüinliche, schriftlich angebrachte Be zeichnung der verschiedenen Räumlichkeiten, die von der Hall ausgehen. Ober der Türe rechts, die in den Speisesaal führt, befindet sich in großen hebräischen Lettern der Naiüe „Abraham", ebenso ober der Türe links, die in den Konversationssaal führt, der Rame „Jizchak" und schließlich ober der Türe en face, die in das Schreibzimmer führt, der Name „Jakob". Das Erstaunen wächst, wenn man in den Korridor des Treppenhauses gelangt; zu beiden Seiten die Türen, die in die verschiedenen Zimmer der Gäste führen: auch da folgen die hebräischen Bezeichnungen einander; „Rüben", „Schimeon" usw., und wenn die Namen der zwölf Stämme ihr Ende finden, folgen die der großen Männer und Propheten ans der Bibel: Moses, Aron, Jefaias, Ezekiel u. v. a., dann die der Könige David, Salomo. Man glaubt sich förmlich in einem Kreise der Heiligsten in Israel, bis auf einmal ein Erwachen, ein Erstaunen uns erfaßt — wir sehen plötzlich, da die Zahl der Zilnmer noch immer nicht aufhört, neutestameiitlrche Namen in hebräischen Lettern auftauchen und wir wissen, wir sind auf dem heuchlerischen Boden englischer Misfionstätigkeit!! Wie eigentümlich wickelt sich da der Verkehr unter den Gästen mit den Hausleuten ab! Wenn sie sich dadurch miteinander verständigen, indem sie z. B. vom Speiseraum als vom Abrahamszimmer sprechen, oder anstatt von der Nummer ihres Wohnraumes vom Moses- oder Johanneszimmer reden. Diese Art bezeichnet wohl für den normaldenkenden Menschen den Gipfel der Tartüfferie, der Heuchelei, des Zurschantragens einer biblischen Verehrung, die an den Aeußerlichkeiten sich berauscht! Dies scheint jedoch in der englischen Rasse zu liegen, denn es lassen sich derartige Exempel mit den falschen Vorspiegelungen hebräischer