Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 366 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 Aufschriften und Zitate auch an den amerikanischen Missionshäusern Palästinas anführen. Es ist eine Sucht, 'mit der Bibel und ihren Aussprüchen zu paradieren, um hiedurch den Schein der Frömmigkeit zu erwecken — während innerlich die Hohlheit in ihrer ganzen Leere thront. Es ist wie der Sonntagsschwindel in der großen Metropole London. In den Hauptstraßen, an den öffentlichen Plätzen, sogar vor dem Hydepark eine Ansammlung von Leuten vor einem gestikulierenden Redner, der die Bibel in der Oeffentlichkeit verkündet; in den Sonntagsnächten kann man diese Leute in den Gossen, von Whisky besoffen, finden! Das ist englische Bibelfrömmigkeit! — In diesem grausen Weltkriege scheint es nun auch, ein Zug der Zeit Zu sein, der mit Ansprüchen der Bibel ^scheinheilige, menschenbeglückende Politik treibt. Don rückwärts das Schwert in den Rücken gestoßen und nach vorne, vor der auHvrchenden, das Heil sehnsüchtig er--« wartenden Menschheit — ein Bibelzitat! Der Präsident der Vereinigten Staaten, Woodrow Wilson, das gewählte Oberhaupt eines Volkes von hundert Millionen, der die Munitionsschlächterei für die Entente seit fast Zwei langen und bangen Jahren ■ duldet — f/at nun für die erschöpfte Menschheit ein Friedensanbot hören lassen, d. h. seine Bereitschaft Zu „guten; Diensten" (?) für dieselbe der atemlos aushorchendchr Mitwelt verkündet und hat sie Mit dem tonenden Finale eines Zitates aus der Bibel verschjen, als Schlußakkord mit den Worten der Heiligen Schrift: „Nach Wind, nach Erdbeben, nach Feuer kommt die stille, sanfte Simme der Menschlichkeit!" Falsch! Zitiert! Unrichtig gedeutet! Die Bibelexegese hat wohl ein weites Gewissen und eine große Freiheit der Auffassung, um ein schönes Bild zu gewinnen, hier jedoch ist die Falschheit des Zitates und die Unrichtige feit der Deutung politisch ausgemüntzt. Die Bibel spricht hier (I. Reg. 19, 12) von der Erscheinung Gottes selbst, die gibt sich nicht im Sturme, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer, sondern im stillen Wirken kund. Wenn es sich jedoch um die Stimme der Menschlichkeit handelt, da ist sie nicht sanft und matt und säuselnd, da spricht sie Zur Menschheit mit Donner stimme, die das Gewissen derselben aufrüttelt. Das lehrt uns die Geschichte der Offenbarung aM Sinai, die Schilderung dieser welterschütternden Szene in der Bibel, ihre Darstellung in den Psalmen an verschiedenen Stellen und schließlich die Auffassung derselben durch Talmud und Midrasch. In der Ofsenb a ru n g spricht nämlich Gott zu den Menschen von ihren Pflichten der Menschlichkeit, da soll sie gewaltig, überwältigend, unwiderstehlich sein; sie soll erschüttern, sie soll ergreifen, sie soll über alle Welten und über alle Zeiten hinaus gehört werden. So fand die Offenbarung am Sinai statt unter Donnerschall und Blitzeszucken; so schildert sie der Psalmist: „Stimme des Herrn rollend über Fluten! Ter Gott der Herrlichkeit donnert! Die Stimme Gottes ertönt mit Kraft!" (Ps. 29 ff.) Sie zerschmettert Zedern; sie macht Berge erzittern; sie wirft flammende Blitzje! So erklärt es der Midrasch als Bild der Offenbarung am Sinai. „Horch! Ich will hören" — spricht der Psalmist an anderer Stelle ((85, |9) —, /„was jspricht der ewige Gott? Von Frieden spricht er Zu seinem Volke!" Die midraschische Legende erzählt hiezu: Als bei der Offenbarung am Sinai die ganze Welt erzitterte vor der gewaltigen Stimme Gottes, da eilten die Könige und Fürsten erschreckt Zu ihrem Heidenpropheten Bileam und fragen ihn erschauernd, ob denn die Welt wieder, wie zur Zeit der Sintflut, dem Untergänge geweiht sei, Bileam jedoch beruhigte sie und sprach zu ihnen: „Wisset, Gott gibt feinem Volke die Thora, und die ist ein Werk des Friedens für die Menschheit!" Um Frieden zu stiften unter den Menschen, muß die Stimme des Friedensstifters laut, gewaltig über eine ganze Welt donnernd dahinrollend ertönen; nicht st i l l und sanft, wie der Präsident von den Vereinigten Staaten zum S chlüsse seiner Friedens rede verkündet, als falsches Zitat und unrichtige Deutung der Bibel, sondern laut, welterschütternd, mit dem gewaltigen und überwältigenden Brustton der Ueberzeugung — so lehrt es uns die Geschichte der Offenbarung, so muß sie hinausschreien mit übermächtiger Kraft - io muß sie ertönen die Stimme der Menschlichkeit, dann ist Hoffnung? daß auch der Friede endlich wieder, bife Menschheit beglücke. Kriegsdekoralionerr jüdischer Offiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Militärverdien st kreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten dem vor dem Feinde gefallenen Leuttrant d. R. Ernst Deutsch, J.-sR.; den Oberleutnants d. R. Israel Fischbach, J.-R., und Markus Perlmann, J.-R.; Res.-Leutnant Arthur Felix aus Troppau (Alter Herr der jüd.-akad. Verbindung „Unitas"); das silb. Signum l a u d i s am Bande des MilitärverdienstkreuZes (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnants d. R. Julius Adler, J.-R., Bruno G ü t t m a n n, J.-R.; dem Leutnant d. R. Eugen R osenberg, J.-R.; das Signum laudis am Bande des MilitärverdienstkreuZes (kaiserliche belobende Anerkennung) für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde dem Landsturm- Oberleutn.-Auditor Dr. Adolf L a n d a u, Et.-Kmdo.; dem Jngenieur--Leutnant Benno Korner, Geniedirektion; für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vordem Feinde dem Oberstabsarzt 1. Klasse Doktor Josef Löwental, Sanitätschef einer Infanterie-Division; für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde dem Assistenzarzt d. R. Dr. Samuel Ambos, Div.-Mun.-Park; für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnants d. R. Max Epstein, J.-R., Jakob Büchler, J.-!R.; den Leutnants d. R. Julius Remenyi (Richter), J.-R.; Alfred Pick, Jns.fRegiment; für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde den Oberleutnants d. R. Dr. jur. Artur Berger, Traindivision, Erwin Steiner, Traindivision; für tapferes Verhalten den Leutnants d. R. Rudolf Glaser, Feldhaubitzenregiment; den Oberleutnants d. R. Dr. jux. Erwin Fried, J.-R., Oskar Fifchl, Jägerbat., Andor Herz, Fest.-iArt.-Reg.; dem Leutnant d. R. Anschel Wohlmann, J.-R.; für vorzügliche Dienste vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Artur Winternitz, Traindiv.; dem Leutnant d. R. Samuel Grün stein, J.-R.; für tapferes Verhalten dem Oberleutnant d. R. David Herzog, bosn.-cherz. Jägerbat.; dem Leutnant d. R. Otto Freiherrn v. Gutmann, Husarenregiment; für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienste vor dem Feinde dein Oberarzt d. R. D-r. Emil Fried mann, Fest.-Art.-Reg.; für tapferes und aufopferungsholles Verhalten vor dem Feinde dem Assistenzarzt d. R. Dir. Samuel Kr einer von Balla, Garnisonsspital; für vorzügliche Dienste vor dem Feinde dem Landsturm-Oberleutnant Rudolf Pick, Feldkan.-Batt.;