Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 356 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 21 poliklinischen Behandlungen. Vor einigen Jahren überschritten dieselben im „Schaare Zedek-Hospital" weit die SumUrc von 80.000 im Jahre, inr „Lemaan Zion" über 30.000, und nach einem vom Leiter dieses Institutes, dem bewährten Dr. Ticho, an mich gerich-- tetcn Schreiben erreichten sie in den Monaten Juli — Oktober des vorigen Jahres die recht respektable Zahl von 56.649. Ich Zitiere ferner aus dem Tichoschen Bericht: „An drei Tagen des Monats September haben wir in der Poliklinik die Zahl 800 im Tage überschritten. . . . Auffallend gering ist bei diesen enormen Zählen der Poliklinik die geringe Anzahl der in Spitalspflege aufgenommenen Patienten. Daserkläreich durch den Geldmangel der Anstalt. Dieser Zwingt uns, auch große Operationen oft ambulatorisch v o r Z u n e h m e n und dringend Aufnahmsbedürftige ab Zuweisen. . . ." Wie v erhält e s 's i ch aber mit der sanitären Fürsorge? Hier gilt es den Kanrps gegen die endemischen Krankheiten des Landes, gegen Malaria und Trachom, hier handelt es sich um die Sorge für Säuglingspflege und Schulhygiene, die Beschaffung von Sera und Vaccinen usw., eine Aufgabe, die in dem Aufsatze der erwähnten „Gesellschaft jüdischer Aerzle u. . /' vom Jahre 1913 wie folgt gekennzeichnet ist: „Tie Begründung medizinischer Beobachtungsstationen ist aber auch ein Werk von allgemein europäischem Interesse, da sich nach dem Bau der Hedschasbahn die Gefahr der Einschleppung epidemischer Krankheiten aus Ihren asiatischen Zentren nach Europa vergrößert hat, und gerade unsere I n st i t u t e t lt Palästina berufen wären, an der Eingangspforte der Infektion Wache zu halten. . . ." Das im Mai 1913 begründete „Pasteur-Institut", suchte diese Aufgabe Zu erfüllen.. An 140 Männer, von klingendem Namen der medizinischen Wissenschaft, darunter die Wiener Professoren Dr. S. Ehrmann, Dr. M. Hajek, Hofrat Dr. Politzer, waren dem Komitee beigetreten, und nach kurzer Zeit schon befanden sich unter der Leitung des eigentlichen Initiators Dr. Arjeh Beham ein seroliogisches Institut und eine Tollwutimpfstation in vollem Betriebe. Eine Beobachtungsstation für Malaria übernahm Nathan Strauß zu schaffen. Es stellte sich jedoch bald der bekannte Geldmangel ein, „der geschäftsführende Ausschuß in Berlin," so schreibt mir letzthin Dr. Beham, „erwies sich schon zu Beginn in Geldschwierigkeiten, und seit Ausbruch des Krieges haben wir auch nicht einen Deut erhalten. Dasselbe gilt auch von dem amerikanischen Palästina-Hilfswerke. Das Institut in solchen Z e iiten, wo niemand das Land zu verlassen imstände ist, zu schließen, wäre ein Verbrechen. Was ist da zu tun? . . ." Aus alledem ist zu ersehen, w i e w e n i g s i ch die jüdische Oesfentlichkeit als ein Ganzes bisher um die sanitären Zustände im Heiligen Lande bekümmert hat. Zur endlichen Sanierung der geradezu trostlosen sanitären und hygienischen Verhältnisse, der grenzenlosen Spitalsnot in Palästina, müßte einmal wenigstens die gesamte Judenheit, ohne Unterschied der Parteien, Kolelim usw., zusammenwirken. Uns Juden der Mittel möchte sollte dies' jetzt besonders am Herzen liegen. Der Orient ist uns nahegerückt durch das Bündnis mit der Türkei, und Palästina wird wiederum wie einst das Durchgangs- und Verbindungsland werden. Dem gilt es 'vorzuarbeiten. Wir dienen, wenn wir die Spitalsmisere in Palästina ein für allemal beseitigen, wenn wir alsGanzes für eine fundamentale S i ch e r st e l l u n g der Hospitäler und h y g i e n i - schen Institute sorgen, nebst dem Wohle für Hunderttausende auch> dem Ajnsehen unseres Staates und erweisen uns als wahre Freunde einer uns treu v e r b ü n d e - ten Wacht. Und der Weg dazu ist der Judenheit in diesen Blättern vor gezeichnet worden: Die Kriegs-S pitalsd h i l f e f ü r P a l ä st i n a a u f d e r B a s i s r e g e I m ä ß ig e r Jahresbeiträge s ä m t l i ch e r B r ü d e rv e reinigungen aller Gemeinden, der „Chewroth Kadischoh". Es kann meines Ermessens keine einzige Chewra geben, die von heimischen Anforderungen so überlastet wäre, daß ihre Beteiligung an der palästinensischen Spitalshilfe ausgeschlossen sein sollte. Hi'r gilt es einem großzügigen Zusammenschluß aller Chewroth zu einem erhabenen Ziele. Wir bedürfen jetzt dringend e i ne r Spitalshilfe für das Heilige Land. Sie sei vorerst „Kriegshilfe", und gestalte sich dann zu jener großen Idee des Zusammenschlusses aller B r ü d e r v e r e i n e der Diaspora zu einer allumfassenden „Chewrath bikkur cholim l'erez jißraöl", denn w i r b r a u che n gut fundierteHospitäle r, ein ausgebautes Pasteur-Institut und eine vollständige Klinik in Palästina! Wien, im Mai 1916. Dr. Jakob B r oit itc r. Dieser authentischen Schilderung ist hinzuzusügen, daß gerade Saffed und Liberias, wo die überwiegende Mehrzahl unserer österreichisckM Glaubensgenossen wohnt, darirr gar nicht erwähnt sind, und daß "oort die berührten Uebelftände noch! weit krasser zu Tage treten. Es harrdelt sich bei der Kriegs-Spitalshilse sonrit auch um eine. Aktion für .leidende., östexrLW.fche. KoWatrioten. Psleaestätten für Kriegskrantensch-vestcru. Wir erhalterr folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Vor wenigen Tagen ist durch alle Blätter eine Notiz gegarrgen, welche die hohen Verdienste der Schweiz rühmt, daß sie Pflegestätten für Kriegskrankenschwestern errichtet. Ohne die Verdienste unseres freundlichen Nachbarstaates schmälern zu wollen, hat es mich als langjährige Sommerpartei im romantischen Seebenstein a. d. Aspangbahn gewundert, daß der Verein „Frauenhort" sich nicht die Priorität dieses Gedankens gewährt hat. Ich stehe leider zu diesem Vereinsvvrstande in keinerlei Beziehungen, sonst Ahütte ich ihn darauf aufmerksam gemacht, in der Sache die Erklärung.abzugeben, daß er, wie ich mich im Kriegsjahre 1914 überzeugen konnte, mehrere Tage nach Kriegsbeginn sein Heim für kranke Kriegspflegeschwestern zur Verfügung gestellt hat. Bei aller gebotenen Bescheidenheit ist es ans vielen Gründen nicht an der Zeit, die Verdienste jüdischer Armenpflege um unser teures Vaterland unter Leu Scheffel zu stellen. Wir Seebensteiner Sommerfrischler hatten 1915 vollauf Gelegenheit, aus den Gesprächen mit den tapferen Heldinnen zu erfahren, wie trefflich sie sich unter der Pflege des Roten Kreuzes in Seebenstein erholten, und wie ich von Meinen Gärtnersleuten höre, ist im Mai 1916 wieder eine Serie eingetroffen. Gestatten Sie, löbliche' Redaktion, einem eifrigen Leser .Ihres Blattes zu bitten, diesen Brief zu veröffentlichen. Ganz ergebenst Dr. I. S.