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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-05-26 · 21 (26.5.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
21 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nt 21 Tr. Bloch s Wochenschrift Tritt?hl Wien. Der Galizische Hitfsverein, der, um die tvirtschaftliche Lage der Juden in Galizien zu heben, seit seinem Bestände (1901» verschiedene Hausindustrien, wie Haarnetzerei, Klöppelei, Häckelei, Filetarbeiten, Weißstickerei usw., einführt, hat eine Aktion in Angriff genomnten, die geeignet erscheint, einer großen Anzahl jüdischer Familien in Galizien ein NebeneHrkommen zu verschaffen, ohne daß dabei die Betätigung int Hauptberufe irgendwie Abbruch erleidet. Es handelt sich darum, die Juden Galiziens, insoweit ihre Wohnverhältnisse es gestatten, zur Haltung von Geflügel anzuleiten, um in erster Reihe Eier zu produzieren. Bor Ausbruch des Krieges hatte Galizien eine so große Produktion an Geflügel und Eiern, daß es in der Lage war, beträchtliche Mengen zu exportieren und, wiewohl die Qualität manches zu wünschen übrig ließ, daraus ein großes Eintominen zu erzielen. Der Krieg hat aber den Geflügelbestand Galiziens stark herabgemindert und damit breiten Raum für eine intensive Betätigung auf diesem Gebiete geschaffen. Dadurch bietet sich eine erwünschte Gelegenheit, den Judett Galiziens eine neue Erwerbsquelle zu eröffnen, die sie als Zweig der Landwirtschaft der Natur näher bringen und umso reichlicher fließen wird, wenn durch Züchtung reichlich Eier legender Hühner zugleich die Qualität und Quantität verbessert wird. Auf Ansuchen des Hilfsvereines hat das k. k. A ck e r b a n m i n isterium mit Erlaß vom 27. April d. I. bewilligt, daß sein Konsulent für Geflügelzucht, Herr Georg Wien i n g e r, in einem vom Hilfsvereine für die in Wien weilenden galizifchen Flüchtlinge errichteten Kurse Borträge über Geflügelzucht abhalte. Die Borträge finden im großen Saale des Josejine Mendl-Wohlfahrtshauses -Toynbedhalle), 20. Bezirk, Denisgasse 33, am 13., 15., 20. und 27. Juni, sowie am 4. Md 6. Juli d. I., jedesmal von 4 bis 6 Uhr, bei freiem Eintritt g e g e n v o r - h e rige A n m e l d v n g i nt B u r e a u de 's H i l f s - v e r e i n e s. 9. B e z i r k, B e r g g a s s e 4. statt. Selbstverständlich bedeutet die Abhaltung des Kurses bloß den Anfang der vom Hilfsvereiu geplanten Aktion: ihre Fortführung in Galizien wird nach Maßgabe der Berhältitisse erfolgen und dürfte mit der Errichtung einer eigenen Geflügelzuchtanstalt ihren Höhepunkt erreichen. Die Familiennamen der Juden Galiziens. Sehr geehrter Herr Redakteur! Zuilt Artikel „Die Familiennamen der Judett Galiziens" in Nr. 20 der „Qesterreichischen Wochenschrift" vom 20. Mai l. I. möchte ich mir erlauben mitzuteilen, daß auch in der Bukvwitra die kuriosesten Tinge sich znlrugen, als es die Ausführung des Erlasses galt, den Inden Familiennamen beizulegen. Mein Urgroßvater Abraham Kamondo, dessen Ahnen ttach der Vertreibung..aus Spanien zunächst in Padua Aufenthalt genommen hatten, später nach der Türkei sich wandten, von wo irgendein Nachkomme, osfenbar zu Studienzivecken, nach Polen zog, war bald nach der Abtretung der Bukowina atr Qesterreich nach Sereth in der Bukowina gezogen, wo er die Tochter des dortigen Rabbiners M. Menasse S ch i l l i n g e r (der aus Frankfurt dorthin berufen worden war) heiratete. "Als in den 80 er Jahren des 18. Jahrhunderts Kaiser Josef II. angeordnet hatte, daß jene Judett, die keine Familiennamen hatten, solche, und zwar womöglich deutsche, annehmen sollten, wurden überall von den Qrtsobrigkeiten Beamte oder Schreiber in die Wohnungen der Juden geschickt, mit der Aufforderung, selber einen Familiennamen zu wählen oder dem Beatnten es attheiinzuftellen, einen solchen zu bestimtttett. Als inan zu meinem Urgroßvater kam, erklärte dieser, da er schort einen Familiennamen hätte, brauchte er nicht erst einett attzunehmen. Ter Beamte'erwiderte,-Kamondo wäre kein deutscher Name, er müßte einen deutschen wühlen. Die Eitttvenduttg, daß nur solche Juden Namen zu wählen hätten, die überhaupt noch keinen besäßen, ließ der Mandatar der Gemeinde nicht gelten und entschied kurz und bündig: „Wentt Sie feinen deutschen "Namen selber sich wühlett, werde ich Ihnen einen geben." „Gut, geben Sie mir eilten." Hierauf dekretierte das Amtsorgan: „Sie waren bis jetzt „Kommandierender", wir werden. Sie zum „Kapral" (int Bukowinaer Deutsch für „Korporal") degradieren!" Und dabei ist es gebliebett. Ich bewahre noch ein amtliches Dokument ans dem Jahre 1786, worin es u. a. heißt: Abraham Camondo, nach der neuen Konskription Kapralik usw. Hochachtungsvoll Dr. Adolf K a p r a l i k. Aktion der Lemberger Kultusgemeinde für das Rote Kreuz. Infolge eines seitens der Bundesleitung des Roten Kreuzes an die jüdische Kultusaemeinde Lemberg gerichteten Appells hat der Vorstand, das Rabbinat und das jüdische Rettnngskomitee im Anschluß an die „Rote Kreuz Woche" eine rege Aktion zugunsten dieser so sympathischeit Institution eingeleitet, die, unbeschadet des Umstandes, daß gleichzeitig vom allgenteinen Komitee recht intensiv gesammelt wurde, tvie auch trotz der Abwesenheit der meisten wohlhabenden Gemeindemitglieder, ein sehr schönes Resultat lieferte. Rabbiner Dr. 5' u t t m a u tt widmete seine Predigten am 7. iniö 8. Pessachrage zum Teile der Propaganda für das Rote Kreuz und beteiligte sich dann sehr eifrig au der Werbeaktion, wobei er, tmterstützt von der unermüdlichen Frau Rosa Metz er, persönlich ettva 3OO Mitglieder anwarb. Nicht minder eifrig betätigten sich die Damen Dr. Reichen stehn, Marie Zipper, Klara Wohlfeld, die Herren Kultusrat Q r a tt s z, Apotheker B r a u n st e i n, M e u c z e l, Prof. Dr. Hausner tt. a. Es wurden seitens des jüdi schen Komitees 1554 neue Mitglieder angeworben und inklusive freiwilliger Spenden 11.6OO Krönet» an das Rote Kreuz abgeführt. Es ist nun zu hoffen, daß die Leitung des galizifchen Roten Kreuzes in Würdigung der seitetts der..jüdischen Bevölkerung betätigten Qpserwilligkeit in Hinkunft sotrohl bei repräsentativen An lassen, als auch bei der Zusammensetzung des Vereins ansschuffes auf die Judett ntehr Rücksicht ttehmen wird, als es leider bis mm der Fall war. B. . . . Mitrowitz. Am 18. Mai d. I. besuchte Baron Dr. Ivan Skerlecz, Banus von Kroatien rc., die Stadt Mitrowip. Bei seiner Attkunft begrüßte ihtt als erster Dr. R a c s k i, katholischer Geistlicher, mit einer kurzen Rede: nachher stellte Regierungskommissär Dr. I. Gutkp ner die Geistlichen vor, unter denen sich auch Se. Ehrtvürden Bezirksrabbiner Dr. Hirsch, Lebovies, befand. Seitte Exzellenz empfing später den Rabbiner in privater Audienz und erkundigte sich bei ihm über verschiedene Gemeindeangelegenheiten. Auch als Führer der Deputation der israelitischen Gemeinde tvie auch der städtischen Gemeindedeputation begab sich der Rabbiner mit diesen zu Seiner Exzellenz. Die Deputationen baten um Wiedereröffnung des nach Ausbruch des Krieges gesperrten Gymnasiums, welche ihnen auch versprochen wurde. Sodann besuchte Se. Exzellenz Dr. Skerlecz die Synagoge, wo er von dem Rabbiner begrüßt wurde: dieser wies ihm seinen eigenen Platz als Sitz an uttd segnete ihn nach einer kurzen Rede mit den hebräischen Beim Diner zeichnete Seine Exzellenz den Rabbiner aus, indem er über verschiedene Sachen mit ihm sprach. Um 4 Uhr nachmittags reiste Dr. Skerlecz nach Agram ab: die Stadt Mitrotvitz wird aber feiner stets in Liebe gedenken.

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