Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 21 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 353 c;ebeu, nnb nun hieß es zufchlagen. Da ich scholl int Zivil gewohnt war, aufs Fleisch hinzuhauen, habe ich mich auch da nicht spotten lassen. Wer einen Hieb voll mir erhalten hat, hat keinen zweiten mehr gebraucht. Hätte auch nicht Zeit gehabt, derrn es waren ihrer viele inrb ich mußte mich tummeln. So geschwitzt hatte ich noch nie als damals. Unterdessen waren aber die Unseren schon überall eingedrungell ulld so warfen lvir sie mit Hurra hinaus. Wir hatten damals lauter Tscherkessen gegen uns, die um keinen Schritt wichen. Alles fiel, wie es stand, auch die Offiziere. Was sich llicht chiegen will, muß brechen.' Bei den Feinden heißen lvir dfe „schwarzen Teufel" und der Eindruck macht schon, daß nlls viel gelingt. Bei unserem Regimellt sind die härtesteil Schädel, die durch jede Walld dnrchko Minen. Ich zog mir damals rittmeisterliches Lob zu und nach eilliger Zeit die „Silberne".Selbstverständlich war ich schon bei mehreren Unternehmungen beteiligt. Meine Natur ist schon, wie Ihr ja wißt: „Frisch gelvagt". Ueber- Haupt, es ist eill altes Kriegswort: „Nach Hause kommen ist llicht, aber seine Pflicht tun ist notlvendig" .... In einenl anderen Briese heißt es: „Liebe Eltern! Es ist gerade nach der Menage und ich habe mich in einer fremden Deckung verkrochen, um Euch ungestört einen Brief schreiben zu können. Ich hätte Euch ja viel zli erzählen, aber imnler geht das ilicht. . . . Wir waren dieser Tage aus Patrouille mit einem Fähnrich, Zugsführer und 13 Mann. Wir hatten die Aufgabe, ein Dorf nach Russell!zll untersuchen. Trotz großer Vorsicht wurden lvir fast umzingelt und wären auch gefangen worden, wenn lvir llicht noch schnell den einzigen Ausweg zlllir Dnieftr hinunter berlützt hätten. Dabei sind Führer und Fähnrich gefallen, so daß ich allein geblieben bin. Ich fonute aber auch nicht mehr zur Patrouille gelangen, da mir inzwischen der Weg abgeschnitten wurde. Ich hatte gegen beit Feind Front gemacht, um der Patrouille den Rücken zu decken, nitb vergaß dabei ganz auf mich selbst. Als ich dann neben idem Ufer durchs Wasser watet-?, traf ich auf den Fähnrich der schwerverlvundet im Wasser lag. Ich brachte es llicht über mich ihn als letzter auch noch zu verlassen, überhaupt da er bei Belvußtsein war und große Angst vor der Gefangellnahme hatte. Ich blieb also bei ihm und verteidigte mich so gut ich konnte gegen die nachdrängenden Russen. Zu ullserem (Rück erhielten die Feinde jetzt Schnellfeuer ans unseren Stellungen, die vis-a-vis am Berge gelegen sind, und mußten, rücklvärts flüchtend,-Deckung nehmen. Endlich kamen auch einige meiner Leute zurück, mir zu helfen, den Fähnrich u, bergen. Ich selbst war scholl ganz steif, da die (beschichte über eine halbe Stunde dauerte. Wir brachten ihn noch lebend in die Stellungen zurück, aber dann starb er bald darauf. Ich selbst wurde belobt. Nächstens schreibe ich lveiter darüber." Wie aus dem nächstfolgenden Briefe dieses braven iüdischell Kämpfers zu ersehen ist, lvnrde derselbe für das vorhin geschilderte tapfere Verhalten durch die große silberne Tapferkeitsmedailte 1. Klasse ausgezeichnet. Mit vorzüglicher Hochachtung T r. M. Halbe r st a rn. k. u. k. Feldrabbiner i. d. R. pessach im Schühengraöen. (Ein Feldpostbrief an die „Oesterr. Wochenschrift".) Einige Tage vor unseren! Pessachfeste beauftragten die beiden Herren R.-ll.-O. 1. Klasse Rudolf Fleischer und Moritz Schönseid die bei dem eigenen Bataillon befindlichen Juden, sich an beiden Sederabenden zu versammeln, um das Fest, wenn auch in noch so bescheidener Weise, abzuhalten. Ohne jede fremde Hilfe oder Unterstützung wurden die Vorbereitungen getroffen. Durch das liebenswürdige Entgegenkomme:' unserer Herren Vorgesetzten, welchen wir herzlichen Dank schulden, konnten wir sogar eine rituelle Küche aufstellen, wo einige Glaubensgenossen „des Amtes walteten", um ein schmackhaftes Abendbrot zu bereiten. In einem ärmlich eingerichteten Zimmer war die Hauptsorge darauf gerichtet, einen großen Tisch zu beschaffen; hiezu wurde eine hierzulande übliche Art „Spanische Wand", welche aus Holzrahmen und mit Rohr verdichtet im toormner zur Erhaltung von Seidenraupen dient, auf -vier gleichmäßige Kisten ausgestellt, mit reingewasch^nen Leintüchern, die als Tischtuch dienten, bedeckt. Kerzeuhälter hatten wir aus leeren Konservenbüchsen und Sardinenschachteln improvisiert und die nötigen Bänke aufgestellt. Als sich alles versammelt hatte es waren einige dienstfreie Offiziere und zirka 30 Mannschaftspersonen, ausschließlich vom eigenen Bataillon wurde das „Mariw"- Gcbet verrichtet, dann nahmen wir Platz und es begann der richtige Seder. Da lagen vor uns Mazzos. Eier und alle notwendigen Zutaten, auch Wein fehlte nicht. Jetzt begann Herr Fieischer den Vortrag. Alle erhoben sich bei „Ho lachmo anjo", der Jüngste sprach das „Manischtano". aus welche vier Fragen dann Herr Fleischer welcher im Zivilleben Talmud studierte in einer ausführlichen Weise antwortete. Alles hat er genau erklärt, und die drei Hauptelemente, Pessach, Mazzoh und Moraur. und zwar in einer sehr geschickten Form mit dem derzeitigen Kriege verglichen. Man lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit dem echt jüdischtraditionellen Vortrage, obzwar ein jeder wehmütig an diesem feierlichen Abend an die heimatliche Scholle sehnsüchtig dachte. Dann folgte das Nachtmahl und der zweite Teil des Seders. Jeder, der diese Abends verlebt hat, wird sie ewig wenn ihm der Allmächtige nach Hause hilft in Erinnerung behalten. Ursprünglich waren die Ausspeisungen nur für die erste» zwei Abende, resp. Tage, projektiert, doch durch die weiteren Bemühungen tonnten sie auf acht Tage ausgedehnt werden, da wir lein C h o m e z esse n. Wir behielten durch diese Zeit ein „Minjam". versammelten uns morgens und abends zum E,ebet. Alle waren anwesend, ausgenommen die, die Dienst hatten. Selbstverständlich wurde am letzten Festtag „Mastir" abgehalten. ..Isru chag Pessach" waren wieder alle gekommen, bei welcher Eeiegen heit für „Mastir nefchomaus" gesammelt wurde, welchen Betrag mir der Krsekujvarer orth. Kultusgemeiude überwiesen haben; außerdem wurde gleich vereinbart, insolange nur möglich, das „Minjam" auch weiter aufrecht zu hatten, natürlich ohne Zwang, was gottlob bis heute noch besteht. Wir kommen, insoweit die Dicustverhättuisse es erlauben, zu Schacharith und Mincha-Marim zusammen, um das Eebet gemeinsam verrichten zu können. Die Herren Fleischer und Schönjeld halten allabendlich abwechselnd Bortrüge, da. wie ich bereits bemerkte, ersterer ein tüchtiger Talmudist, letzterer hat sich in der Jugend das Studium angelegen sein lassen. Wenn es nur möglich ist, eilt jeder nach wie vor. um den religiösen Hebungen beiwohnen zu können. Nach meiner bescheidenen Ansicht, dürfte wohl kaum eine ähnliche „Schaß-Ehewra" in unserer ruhmreichen Armee bestehen. Zum Schlüsse bemerke noch, daß beide Herren. Fleischer und Schönseid, als R.-kl.-O. 1. Klaffe je zwei Tapserkeitsmedailleu besitzen. Herr Fleischer führt auch ini Felde rituelles Leb e n. war bereits zweimal auf de>n nördlichen Kriegsschauplatz und w.ilt seit drei Monaten in unserem Kreis. Beide sind seit Beginn des Krieges im Felde. Meine Wenigkeit ist Kantor dieser „Gemeinde". lsesr. Salomo» Frank, k. u. k. Inf. Bataillon. 14. Feldtomp. N-U.-O. Spitzer Miksa, Ho,,mann Lasziv. Korp. Eins. Frciw-Zugsführer Klein, R.ckl.-O. Schonjeid Leopold, Lö,f Mono, Korp.. Adler Aladar. Korp., Kohn Lajos, Korp. Höerltkenlnanl Akecker. Die Leiche des Kommandanten des Landwehr-Infanterieregiments Nr. '20, Oberstleutnants Adolf F l e ck e r, der im September 1014 ans dem nördlichen Kriegsschauplatz den Heldentod erlitt, wurde gestern vormittags am Zentralsriedhof, israelitische Abteilung, in einem von der .Kultusgemeiude bewilligten Ehrengrabe beigesetzt. Der mit vielen schönen .Kränzen geschmückte Sarg mar in der Zeremonienhalle ansbewahrt. Außer den Familien Mitgliedern hatten sich eingefunden: der Landwehr-Platzkommandant von Wien Oberst Hromatka, Oberstleutnant Tattner, Major Wilhelm Frys, Hauptmann Prazek, eine Abordnung des Landwehr-Infanterieregiments Nr. 20 unter Kommando des Hauptmannes S o m - liier, dann in Vertretung des Präsidiums der israelitischen .Kultusgemeinde Vorstandsmitglied Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, in Vertretung der Chewra-Kadischa Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde S. S t e i - n e r und Leopold Otto, Amtsoorstand F r e i st n d t, Abordnungen verschiedener humanitärer Vereine. Der israel. Feldseelsorger Tr. Frankfurter hielt eine kurze An-