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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-05-19 · 20 (19.5.1916) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
20 (19.5.1916)
Date
1916-05-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 346 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 20& wenig abflaute, erkannte Bela unter dein AechZen uniD Stöhnen der Verwundeten zufälligerweise die Stimme seines Bruders und konnte ihn unter größter Lebensgefahr bergen. Danmls war Leinberg schon unser und Eduard war mit unter dein ersten Transport, der dort in den überfüllten Spitälern untergebracht wurde. Von dort nach Miskolc und sodann nach Wien abgeschoben, konnte ihm die erstrangige chirurgische Behandlung das Leben retten, aber der um 5 Zentimenter verkürzte rechte Fuß wird ihui ein wehmütiges Andenken an die schweren Kriegszeiten bleiben. Inzwischen waren die anderen zwei Brüder mit ihrem Regimente bereits weit vorgedruirgen. „Tags darauf, es war ca. 6 Uhr abends, griffen wir eine neue, sehr stark ausgebaute russischje Stellung im fürchterlichsten Kugelregen an und mußten uns 200 Schritt vor dem Feinde eingruben. Beide waren wir todmüde, den ganzen Tag hatten wir nichts gegessen und in der Nacht infolge ununterbrochenen Kampfes nicht geschlafen. Während wir unsere Deckungen gruben — Sigmund war mit der seinigen noch nicht fertig—, setzte er sich nieder und verlangte von mir Wasser und Brot, was ich leider selbst nicht besaß. Nun begann ich für ihn die Deckung zu graben, im selben Augenblicke erhielt er einen Herzfchpß: „Ach Gott, Bela — danke!" Das waren seine letzten Worte!" Mit diesen dürren, schlichten Worten berichtete der verwaiste Bela, der innerhalb 24 Stunden zwei Brüder hatte niedersinken seheil, die herzerschütternde Tragödie nach Hause an die Eltern. Den teuren Toten konnte er noch> mit seinem Mantel Zudecken — und am nächsten Morgen erwachte er selbst am Hilfsplatz aus seiner Ohnmacht. Kaum war er bei Sinnen, da war sein erstes, mit eintägigenr Urlaub ins nächste Dorf zu eilen. Dort befand sich eine Judengemeinde, Bobrka, deren Rabbiner und Vorstand aber von den Russen als Geiseln verschleppt waren. Der Kantor Isidor Glanz übernimmt die Aufgabe, das Begräbnis zu veranstalten; um 5 Kronen wird ein Karren gemietet und der Leichnam auf den jüdischen Friedhof gebracht; die letzten 4 Kronen aber, die dem armen Bela verblieben, dienen als reichlich verdientes Honorar der uemilln» chessed. — Poetisch ergreifend klingt die Totenklage, die die Chefs und Amtskollegen in der „Neuen Freien Presse" ertönen lassen: Was vergangen, kehrt nicht wieder: Mer ging es leuchtend nieder, Leuchtets lange noch zurück. Der verlassene Dritte kämpft sodann noch Monate hindurch mit schwerer Seelenpein, aber unverdrossen, gestählt und todesmutig weiter. Schon winkt ihm die Hoffnung eines baldigen Heimurlaubes zu, als ihn am 6. September ebenfalls das Schicksal erreicht: „westlich Styberowka an der Waldlisiere". Ihm konnte keine Bruderhand wehr den letzten Liebesdienst erweisen, irgendwo auf den blutgetränkten Schlachtfeldern Polens ruht er mit vielen anderen Helden in eurem Mafsengrabe, „kein Stein bezeichnet die Stell'". In dem amtlichen, doch sehr herzlich geschriebenen Briefe, in dem der Zugskommandant, Kadett Leopold Stadler, den traurigen Fall den Eltern mitteilt, erwähnt er voll Bedauern, daß er den allerseits beliebten, brauchbaren und braven Jungen eben zwei Tage vorher zu sich als Zugsordonnanz genomwen habe. Und gleich beim darauffolgenden ersten Sturm, als sie beide gleichzeitig aus dem Schützengraben sprangen, streckte ihn eine tätliche Kugel noch auf der Böschung nieder. Noch ein vierter Sohn dieser schwergeprüften Eltern steht seit Kriegsbeginn als Oberleutnant in Kriegsdienstleistung, während ein fünfter der Einberufung, der letzte, das Nesthäkchen, aber der nächsten Assentierung harrt: Hiobs Nachkommen können dulden und opfern! Wir stolzieren nicht mit unserem heiligen Schmerze, wir zählen nicht nach Prozenten unsere tapferen Toten, aber auf den für uns zu errichtenden glorreichen Traueraltar, auf den symbolisch'-idealeu Grabstein unserer Lieber: dürfen wir die prophetischen Worte des ungarischen Dichterfürsten Vörösmarty prägen: „Unsre Besten, Treusten fielen Im langen, langen Kampf." Kiteratur. Ungarisch-jüdischer Kriegsalmanach 1914—16. Inmitten der auch in Ungarn immer bedenklicher anwachsenden Kriegsliteratur ist nun unter obigem Titel das erpe )iri:gsbuch der ungarischen Juvenyeil erschienen. Als Herausgeber figurieren das Ungarisch-jüdische Kriegsarchio unter Leitung des Generaldirektors der „Attantica", derzeit öster.eich.sch-"ungari,cher Konsul in Konstantinopcl, Eugen P o l n a y de Tiszasuly, der sich und dem von ihm ins Leben geru.enen Archive die objeknoe, wiiseuscha.lliche Sammlung und Richtung des datenmäßigen Materials über den Anteil der ungarischen Juden an diesem Kriege zur Aufgabe gemacht. Ihm zur Seite stand der bekannte Pester Kanzelredner Dr. Simon H e v e s i als Präsident des ung.-israel. Landestülturvereines und der Redal.eur der bereits im Auslande rühmlichjt bekannten Zeitschrift »Mul (■s Jckü* Dr. Joses Patai. Dieses Trio, der Nationalökonom, der Theologe und der Literat, repräsentiert denn auch jene drei Richtungen, in denen dieses Werk der Bedeutung des Judentums gerecht werden will. Dir von Universitätsprofessoren und Bankdirektoren, Publizisten und Rabbinern, Soldaten von und hinter der Front, Malern und Zeichnern stammenden zirka 50 Beiträge suchen einerseits die kommerziell-wirtschastliche Kriegsarbeit der Juden zu würdigen, anderseits den kulturell-ethischen Wert und Inhalt unserer Religion an den großen Geschehnissen der Gegenwart zu messen, zum größeren Teile aber werden uns die prosaischen, poetischen und bildlichen Produktionen der vom Kriege inspirierten jungen jüdisch-ungarischen Schriststellergarde vorgeführt, deren vorzügliches Organ seit 21 Monaten eben Muli s .>>>> ö> ist. als dessen 160 Seiten starke Gratisbeilage dieser Band auch jetzt erschienen ist. Der Kriegsalmanach, auf den vornehm zurückhaltenden Ton des Kulturjuden gestimmt, hält sich bedachtsam fern von den überlauten Aktualitäten des Heldenprotzentums, indem er die Gedanken, Jdeengänge, Bilder. Stimmungen, Sorgen des Tages unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit betrachtet, sucht er dieselben in abgerundet künstlerischer Form auch für die Zukunft festzuhalten. Deshalb kann dieses Buch, das durch die Künstlerhand eines Lilien und Struck, eines Kaufmann und Dore, durch Illustrationen eines galizischen Wachtel und eines palästinensischen Pann, durch ungarische Maler, wie Baron Mednyanszky, Lakos, Katona, geschmückt, durch gelungene photographische Aufnahmen aus Süd und Nord belebt, auch mit der Faksimile des bedeutungsvollen Aufrufes unseres gemeinsamen Militärkommandos an die Juden Polens versehen ist, nicht veralten: ein bleibendes Andenken an die großen Tage des Weltkrieges, ein ehrendes Denkmal auch für die Großzügigkeit und Großherzigkeit eines Eugen v. P o l n a y, der die Kosten dieser Publikation ganz aus eigenem bestritt und sie in so glänzender Prachtausgabe jedem Interessenten auf den Tisch legte, wie es wohl auch selbst unter günstigeren Literaturverhältnissen selten der Fall sein dürfte. _ Pros. Dr. A. Für st. Herm. Gunkel, „Israelitisches Heldentum und Kriegsfrömmigkcit im Alten Testament." Göttingen, 1916, Bandenhoeck L Ruprecht, Preis: Mk, 1.50. Diese zwei schon früher als Zeitschriftenbeiträge veröffentlichten Aussätze verdienen, daß jeder Jude sie liest, daß vor allem unsere Religionslehrer sich ihren Inhalt zu eigen machen und den Schülern — natürlich in entsprechend anders gewählter Form — etwas von dem Stolz einflößen, zu dem sich der jüdische Leser durch diese vortrefflichen Zusammenstellungen bekannter Daten berechtigt fühlen muß. Kleinere Versehen im einzelnen mindern nicht den mächtigen Eindruck des Ganzen. „Jung Juda". Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. 17. Jahrgang. Nr. 9. Prag, den 5. Mai 1916 (2. Jjar 5676). Redaktion und Administration: Prag, II., Stefpnsgasse 629. Inhalt : Aus alten Schriften. Ben I e h u d a: Zum Wochenabschnitt. Josef Hart: Die wilden Sieben. El. Lädier: Kleines Tagebuch. Frida Löwenthal : Jahrzeit für Papa. I. Fried: Legenden vom Propheten Elijahu. Konstantinopel (Illustration). Das erste Ghetto. Karl Ewald : Kinder. Guck in die Welt. Uebersetzungsaufgabe. Rätselauflösungen. Rätsel.

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