Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 340 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 20 sucht, in absehbarer Zeit die Betriebskosten aus eigenen Einkünften decken. Der Türkei wäre ein nichtigee Dienst geleistet und gleichzeitig dem Judentum in Palästina ein wertvolles wissenschaftliches Zentrum geschaffen. Die jüdische Universität, die ja für Jerusalem geplant wird, sie könnte sich aus dieser Klinik entwickeln, zunächst, wie es in europäischen Großstädten geschehen ist, durch Einführung medizinischer Kurse im Anschluß an den klinischen Betrieb. Die K riegs-SpitalsHilfe für Palästina ist der erste Schritt auf dem Wege zu diesem erhabenen Ziel. lieber die Not der Gegenwart hinweg, der zu steuern sie zunächst und in erster Reihe bestimmt ist, ruft sic alle Menschenfreunde, insbesondere alle, denen das Elend von Tausenden hilflos leidender Juden zu Herzen geht, aber auch jene, die den jüdischen Namen an der Stätte seines Entstehens zu Ehren bringen möchten, zur Mitarbeit, zu cdelherzigen Spenden, zur L,ei- -stung von Jahresbeiträgen auf. Für die Kriegs-Spitalshilfe sind beim Bankhaus S. M. v. Rothschild eingegangen: Kr. 1000.— von der Chewra Kadischa für die Bezirke XII—XV. Wir verzeichnen diese erste Spende mit besonderem Danke. Tr. Artur Mahler. Nach schwerem Leiden ist der frühere Reichsra.sabgeordnete und Dozent Dr. Artur M a h l e r in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Heimgegangene entstammt einer gutjüdischen Familie, war zur kaufmännischen Laufbahn bestimmt, wandte sich jedoch bald kunsthistorischen Studien zu und habilitierte sich als Dozent an der Universität Prag. Er wirkt? auch zeitweilig als Dozent am amerikanischen archäologischeil Institut und an der Universität in Rom. Gesammelt und überarbeitet, sind seine Vorlesungen später von ihm he?- ausgegeben und zu einem ausgezeichneten Merk über die Malereien des Louvre gestaltet worden. Nach seiner politischen Ueberzeugung gehörte er ursprünglich der deutschliberalen Partei an, von welcher er sich später mit Hintansetzung persönlicher und gesellschaftlicher Vorteile lossagte, um mit der wehrhaften jüdischnationalen Studentenschaft Prags Verbindungen anzuknüpfen. Er lvar auch einer der Einbcruser der Krakauer Konferenz und ein Hauptmitarbeiter am Krakauer Programme. Jan Jahre 1907 erwarb er als Kandidat der jüdischnationalen Partei im Landgemeindebezirke Czortkow-Buczaez das Abaeordnetenmandat zum Reschsrat, wo er zusammen mit den damaligen Abgeordneten Adolf Stand, Dr. Straucher und De. Gabel den „Jüdischen Klub" bildete. Vermöge seiner gründlichen Kenntnis wirtschaftlicher Fragen wäre er berufen gewesen, im parlamentarischen Leben eine Rolle zu spielen, allein die inneren Z.viftigkeitcn im „Jüdischen Klub" ließen Dr. Mahler mit seiner aufrichtig gemeinteil Versöhnungspolitik als Verräter jüdischnationaler Interessen erscheinen. Noch einmal versuchte er den Wählkampf, ein zweitesmal ein Mandat zu erlangen, doch das sichere Dreistädtemandat der Bukowina ging infolge einer ebenfalls von jüdischnationaler Seite aufgestellten Gegenkandidatur oecloren. In den letzten Jahren seines Lebens wandte er sich dem Journalismus zu und war Vertreter des „Pester Lloyd" in Wien. M a h l e r stand erst im 45. Lebensjahre. Eiil früher Tod hat nun diesem reichen Leben ein. Ende bereitet. Anitta Müllers Flüchtlingsfnesorge. (Ein Jahr Flüchtlingsfürsorge (1914 -1915), im Verlag von R. L ö w i t.) Als infolge der kriegerischen Ereignisse im Herbst 1914 eine Hochflut von Flüchtlingen aus dem Osten über Wien hereinbrach, standen wir alle diesem Jammer ratlos gegenüber. Da griff naturgemäß der Staat helfend ein, würde sich aber mit Recht die Vorwürfe aller Steuerträger zugezogen haben, wenn er in seiner b?wun dernswerten und. großzügigen Aktion (in der unter anderem die Herren Gemeinderat Schwarz-Hill er, Armenräte B.r e n n e r und L e m b e r g e r so hervorragend wirkten) mehr geschafft hätte, als das notwendigste Obdach und die notwendigste Nahrung. Für das „mehr" mußte Privathilfe sorgen und bald flössen reichlichste Spenden ein, aber auch diese Hochflut brauchte die ordnende Hand, welche .Wogen und Wellen des Wohltuns in das richtige Fahrwasser leitete. Erfreulicherweise waren es die Hände einer schönen jungen Frau, einer Wienerin, die, wie viele andere in der Armenpflege hervorragend tätige Frauen, ursprünglich aus der Schule des Jungdamenkomitees Sofie Grünfelds hervorgegangen war, die aus dem Nichts Institutionen schufen, welche den Flüchtlingen, namentlich! aber ihren Frauen, Töchtern und Kindern, nicht nur das Leben erhielten, sondern erträglich und fruchtbringend für ihre engere Heimat, aber auch für unser Gesamtvaterland machten. Anitta Müllers und ihrer trefflichen Mitarbeiterinnen Arbeit setzte vor der Geburt des Flüchtlingskindes ein: ganz nach! dem Muster des Wiener Wöchnerinnenverbandes, wurde die Frau schon vor der Entbindung mit Wäsche und .Kindswäsche, besserer Kost und Rat versehen (Bureau Mohrengasse 5), zur Geburt in Spitäler, namentlich durch Entgegenkommen des Primarius Wilhelm Rosenfeld in der Lucina, untergebracht. FraU M ü l l e r schuf das M ü t t e r h e i m, in dem Mutter imd Kind fünf Tage nach der Entbindung Aufnahme finden, sie gibt den Frauen Stillprämien und führt durch geregelte Säuglingsfürsorge (unter Leitung des unermüdlichen Frl. EmwyKohn) das im Osten noch wenig übliche Selbststillen der Mütter mit bestem Erfolge ein: sie schuf den Kinderhort bei den „Praterspatzen", in dem •- die Kinder von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr abends west- J licher Kultur, gesunder Nahrung und rationeller Pflege .] zugeführt wurden und der maßgebend für Errichtung des 1 staatlichen Kinderhortes für 1000 Flüchtlingskinder in der H Jägerstraße wurde: sie schuf mit aufopfernden, freiwilli-A gen Helferinnen die Tee- und Suppenanstalt.für Flücht-D linge, in der für sehr geringes Entgelt 3000 PersonenH täglich Stärkung fanden, ohne von Wiener Armen scheel^ angesehen zu werden. Ihr dauerndstes und bleibendstes M Verdienst ist aber die unter der trefflichen Leitung desD Fräulein Stella Münz geschaffene ArbeitsschuleW für Frauen und Mädchen, wodurch die von derM Natur meist so einnehmend geschaffene junge OestlerinW den Gefahren der Großstadtgasse entzogen und einemW künftigen Erwerb in der Heimat zugeführt wird (welchenM Zweck für Minderbefähigte auch die Strickkurse' für Mehr-W gebildete die Schnellhandelskurse des Mädchenunter-H stützungsvereines mOw'Leitung der Frauen kais. Rat Mal-M vine Schütz und Regine Ulm a n n mit bestem Erfolg an- H strebtenk Durch Veranstaltung der Arbeitenauktion inter-J,- essierte Frau Müller die weitesten und vorniehwsten -;'1 Kreise für aali'i''ch? Heim- und Hausindustrie. Geichmack H und manuelle Geschicklichkeit. Für kranke kleine Kinder, M deren Mütter durch Krankheit oder Erwerb an Erfüllung ih"er Mutterpflicht gehindert sind, schuf sie die Kindcr-M Heilstätte, welche ein dauerndes Bedürfnis der Großstadt wäre und hoffentlich die Flüchtlingstage überlebt.; So webt und schafft Anitta Müller an der Zukunft J Galiziens, indem sie Mütter zu Müttern macht, Kinder J zur Gesittnna. Mädch'n zu manueller Arbeit anleitet: si' verbreitet Glück und Gesundheit unter den Flüchtlingen und erwirbt sich ein unschätzbares Verdienst um die Ge- 4 samchevölkenlna der Residenz, da sie den Ausbruch von Kriegsseuchen verhindert. - M